Erziehungshalsbänder: So arbeitet man gegen den besten Freund des Menschen

Erziehungshalsbänder scheinen für manchen Hundehalter die letzte Rettung zu sein, um dem besten  Freund des Menschen Manieren beizubringen. Allerdings sollte etwas Wichtiges bedacht sein, bevor man zu solchen Mitteln greift: Freundschaft basiert auf Vertrauen und wer seinem Freund Schmerzen zufügt, wird keine Vertrauensbasis schaffen können.

Erziehungshalsbänder – Symptombehandlung statt Ursache finden

Die Hersteller der Erziehungshalsbänder versprechen wahre Wunder: Der Hund wird innerhalb kurzer Zeit das tun, was man von ihm erwartet. Egal, ob es ums Jagen, um Leinenführigkeit oder um den perfekten Rückruf geht – mit solchen Halsbändern scheint Hundeerziehung die leichteste Sache der Welt zu sein.

Wenn zu Erziehungshalsbändern gegriffen wird, arbeitet man immer nur am Symptom, aber nie an der Ursache. Das bedeutet, es wird nicht danach geschaut, warum der Hund zum vielen Bellen neigt, warum er nicht dem Ruf seines Menschen folgt oder weshalb er aggressiv auf Artgenossen reagiert. Würde man nach der Ursache forschen, wäre in der Regel kein Hilfsmittel notwendig.

Weil nur Symptombehandlung betrieben wird, kann es zur Symptomverschiebung kommen. Der Hund geht vielleicht nicht mehr seiner Jagdleidenschaft nach und lässt Wild in Ruhe, dafür jagt er nun Fahrzeuge. Oder der Hund bellt nicht mehr, wenn er alleine ist, dafür zerpflückt er nun die Sofakissen oder zerkratzt die Türrahmen. Der Hund zieht vielleicht nicht mehr an der Leine, geht allerdings in geduckter Haltung neben seinem Menschen, dem er nicht mehr vertraut und somit klappt auch der Rückruf nicht mehr zuverlässig: Der Hund hat gelernt, den Menschen besser zu meiden, da in seiner Anwesenheit Schreck oder Schmerz erfolgt.

Verschiedene Erziehungshalsbänder und doch eine Gemeinsamkeit

Es gibt verschiedene Varianten von Erziehungshalsbändern, beispielsweise Teletakt, Sprühhalsbänder, Stachelhalsbänder oder Würger wie Zughalsbänder ohne Stopp.

So unterschiedlich diese Hilfsmittel sind – es gibt eine rote Linie bei dieser Erziehungsmethode: Der Hund wird in seinem Menschen keinen besten Freund sehen, denn Freunden kann man vertrauen. Ob Teletakt, Illusion-Collar von Cesar Millan oder Sprühhalsbänder: Alle Erziehungshalsbänder wirken mit Schmerz oder Schreck daraufhin, dass der Hund ins Meideverhalten geht.

Auch das Illusion-Collar vom Hundeflüsterer aus der gleichnamigen Fernsehsendung ist nichts anderes, als ein Schmerz zufügendes Hilfsmittel. Das Halsband übt Druck auf eine sehr empfindliche Stelle am Hals des Hundes aus. Man könnte sagen: Es ist eine Illusion, die Cesar Millan dort verkauft, denn die Erziehung mit diesem Hilfsmittel hat nichts mit Hundeflüsterei zu tun, sondern mit einer auf Schmerz basierenden Hundeerziehung.

Zudem führt die falsche Anwendung von Teletakt Impulsgeräten zu Fehlverknüpfungen. Hundeerziehung hat stets damit zu tun, das Verhalten des Hundes lesen zu können. Darauf basiert gute Erziehung sowie Beziehung und genau das fällt vielen Hundehaltern schwer. Da dies schon ohne Hilfsmittel schwer fällt, wird ein Teletakt häufig zu früh oder zu spät ausgelöst. Die Strafe, die der Hund mit diesem Mittel erhalten soll, bekommt er dann nicht für das unerwünschte Verhalten. Er weiß somit gar nicht, warum er bestraft wurde.

Die Wirkung von Stromreizgeräten ist je nach Hautwiderstand, Feuchtigkeitsgrad von Haut und Fell, Felldichte, Schmerzempfindlichkeit und anderen Faktoren unterschiedlich stark. Unter Umständen kann es zu Verbrennungen, Muskelverkrampfung, Nekrose, Schlaganfällen, Kammerflimmern und weiteren Nebenwirkungen kommen – abgesehen von den psychischen Störungen, die durch solche Erziehungsmaßnahmen auftreten.

Erziehungshalsbänder Wirkung – Teste doch mal

Wie die Erziehungshalsbänder wirken, kann jeder Hundehalter an sich selbst testen. Dann wird vielleicht auch klarer, wie unangenehm diese Hilfsmittel sind. Die Wirkung mancher Erziehungshalsbänder wird von Befürwortern heruntergespielt. Der Hund erschreckt sich doch nur, wenn Sprühhalsbänder eingesetzt werden. Wie wäre es wohl für den Halter, würde er für jedes „Fehlverhalten“ einen Sprühstoß spüren?

Wann der Stromstoß, die Vibration oder der Sprühstoß folgen, kann der Hund nicht vorhersehen. Das heißt, man fördert mit einer strafbasierten Erziehung eine innere Anspannung. Wie sich eine ständige innere Anspannung auf die Gesundheit des Tieres auswirkt, ist von der Hundepersönlichkeit abhängig, beispielsweise:

  • Der Hund leidet unter ständiger Nervosität
  • Der Hund wird ängstlich, wobei sich die Angst generalisieren kann
  • Der Hund fällt in die erlernte Hilflosigkeit, die sich wiederum ausbreiten kann
  • Der Hund erfährt zunehmenden Frust, die in Aggression umschlagen kann

Befürworter vertreten die Ansicht, Stromreizgeräte seien nicht schmerzhaft, da man die Stärke des Stromschlages einstellen könne. Wäre die Vibration oder der Stromschlag für den Hund angenehm, käme es nicht zum Meideverhalten. Es muss also ein unangenehmer Reiz sein, damit der Hund durch das Hilfsmittel das unerwünschte Verhalten unterlässt.

Wie wird man zum Mensch-Hund-Team?

Ein Team besteht in der Regel aus einem Teamleiter und Teammitgliedern. Schaut man sich in Firmen um, sind gute Teams diejenigen, deren Mitglieder motivierend, anerkennend und fördernd vom Teamleiter behandelt werden.

Beim Mensch-Hund-Team sieht es nicht viel anders aus. Der Mensch ist sozusagen der Teamleiter, der dann einen lernbereiten Hund bekommt, wenn er ihn motiviert, anerkennt und fördert. Das funktioniert nicht über Erziehungshalsbänder, denn dadurch wird lediglich erreicht, dass der Hund aus Angst vor neuem Schmerz oder Schreck etwas unterlässt.

Um Neues zu lernen, brauchen Menschen Zeit und genau das sollten sich Hundehalter zu Herzen nehmen. Auch der treue Vierbeiner benötigt Zeit zum Lernen und bis sich aus Neuem eine Gewohnheit eingestellt hat, bedarf es genügend Wiederholungen – auch das ist bei Menschen nicht anders.

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Hunde sind sehr gut darin, die menschliche Sprache und Körpersprache verstehen zu lernen. Dennoch brauchen die Vierbeiner Hilfestellungen, damit sie wissen, was von ihnen erwartet wird. Zudem sollte der Hundehalter lernen, seinen Hund lesen zu können. Was benötigt dieser Hund? Wovor hat er womöglich Angst? Was fällt ihm schwer und was leicht? Wo liegen seine Stärken und wo seine Schwächen?

All das benötigt Zeit, damit Hund und Mensch zusammenwachsen können. Ein Hilfsmittel wie ein Erziehungshalsband verhindert die Entwicklung einer vertrauensvollen Basis. Der Hund lernt vielmehr, dass sein Mensch eine Gefahr bedeutet: Auf Kommandos oder bei bloßer Anwesenheit des Menschen erfolgt Schreck oder Schmerz.

Es wäre nun falsch, an dieser Stelle Erziehungsmethoden zu nennen, die Allgemeingültigkeit haben. Diese Methoden gibt es nicht, denn jeder Hund bringt seine eigene Persönlichkeit, Veranlagung und beim erwachsenen Hund auch seine Geschichte mit.

Ein professioneller Hundetrainer wird somit die Erziehung individuell auf den Hund und das Mensch-Hund-Gespann abstimmen.

Generell empfiehlt es sich mit positiver Verstärkung zu arbeiten. Ein Beispiel ist der Rückruf, wobei auch bei diesem Punkt einiges beachtet werden sollte. Nehmen wir einen Welpen, der die Welt noch als kunterbuntes Abenteuer empfindet. Dieser kleine Vierbeiner sollte nur dann gerufen werden, wenn er sich sowieso auf dem Weg zum Halter befindet oder den Halter anschaut. Am besten hockt man sich kurz hin, ruft den Hund und belohnt ihn fürs Kommen. Der Hund wird also anfangs nicht gerufen, wenn er schnüffelt oder spielt. Er soll zunächst die positive Verbindung zwischen Ruf und Belohnung knüpfen können.

Wie die Belohnung aussieht, hängt vom Hund ab. Auch das muss der Mensch erst herausfinden. Manche Hunde lassen sich mit Futter belohnen, andere interessieren sich unterwegs nicht für Futter, genießen aber eine kurze Streicheleinheit. Wieder andere Hunde empfinden auch das Streicheln als unangenehm, wenn sie sich auf dem Spaziergang befinden, sehen aber in den lobenden und freundlichen Worten des Menschen ihre Belohnung.

Emma sehr albern

Ein Mensch-Hund-Team muss wachsen und das geschieht im Laufe der Zeit – wenn der Hund bei seinem Menschen Sicherheit, Schutz und positive Führung erfährt. In der Hundewelt folgen Hunde dann einem Artgenossen, wenn dieser souverän und zuverlässig ist. Hunde würden keinem aggressiven Hund folgen, denn Aggression bedeutet auch immer, dass der aggressive Hund (oder Mensch) unsicher ist und wenig Selbstvertrauen ausstrahlt.

Was tun, wenn Probleme mit dem Hund auftauchen?

Zu Erziehungshalsbändern wird meistens dann gegriffen, wenn Probleme mit dem Hund auftauchen und der Halter in verschiedenen Situationen überfordert ist. Wie oben beschrieben wird beim Einsatz von Hilfsmitteln wie ein Erziehungshalsband nur das Symptom behandelt. Wichtiger ist es aber, die Ursache für das Problemverhalten herauszufinden.

Ein Beispiel für ein typisches Problem ist die Leinenaggression, wobei der Hund häufig im Freilauf problemlos mit Artgenossen umgeht, aber an der Leine ein aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden zeigt.

Ein Hundetrainer wird zunächst Ursachenforschung betreiben: Warum zeigt der Hund an der Leine dieses Verhalten? Zum Beispiel gehen Hundehalter frontal aufeinander zu, wenn sie sich auf engen Wegen begegnen. Im Freilauf begegnen sich Hunde nie frontal. Wird der Hund nun förmlich gezwungen, sich auf diese Weise einem Artgenossen zu nähern, versucht der eine Hund vielleicht vom Artgenossen wegzuziehen und der anderen Hund nimmt eine Abwehrhaltung ein.

Ein anderer Grund für Leinenaggression ist die Signalisierung seitens des Menschen: Der Hundehalter kürzt jedes Mal die Leine, sobald ein fremder Hund in Sicht ist. Vielleicht ermahnt er zusätzlich den Hund brav oder still zu sein. Die Körperhaltung und die Stimme des Menschen können Signale für den Hund sein, dass nun Gefahr droht – in dem Falle ein anderer Hund.

Dies sind nur zwei mögliche Ursachen für Leinenaggression. Würde man nun Erziehungshalsbänder einsetzen, um dieses Problem zu lösen, könnte mitunter die Aggression des Hundes sogar verstärkt werden: Immer, wenn ein Artgenosse auftaucht, erfolgt Schreck oder Schmerz. Diese Verknüpfung führt zu Frustration, denn der Hund hat keine Möglichkeit, dem Schreck oder Schmerz zu entkommen und wird sich womöglich noch aggressiver verhalten.

Um das Verhalten seines Hundes verstehen zu lernen und Problemverhalten lösen zu können ist es ratsam, einen professionellen Hundetrainer aufzusuchen. In einer guten Hundeschule wird auch das Zusammenspiel von Hund und Halter gedeutet, denn das Verhalten des Hundes ist oftmals ein Spiegel des Verhaltens seines Menschen.

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5 Kommentare

  1. yunasdogblog

    Ich lehne das auch konsequent ab. Da scheitert wohl eher der Mensch, weil er den Hund nicht versteht oder er dem Hund was anerzogen hat. Der einzige Weg ist meines Erachtens auch ein fähiger Hundetrainer und lernwilliger Mensch.

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  2. traeumerleswelt

    Da stimme ich dir voll zu ! Erziehungshalsbänder kommen für mich nicht in Frage !

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  3. Ralf

    Ich habe gar nicht gewusst dass es so etwas gibt, und lese hier mit offenem Mund über Elektroschocks und Würgeschlingen …. mein Rottweiler-Mädchen mit 7 Monaten hat so etwas noch nie zu Gesicht bekommen, und wird es auch nie! Sie hört auf mich weil ich ihr Anführer bin – und nicht weil sie Schmerz fürchtet. Und ich liebe leise Kommandos, in ruhiger Umgebung sogar nur als Flüstern. Das schafft Ruhe und Souveränität, und das garantiert viel besser als Schmerzen.

    Vielleicht sollten sich manche Menschen vielleicht doch lieber KEINEN Hund zulegen?

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    • Marion

      Ja, für manche Menschen wäre ein Stoffhund die bessere Wahl.

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