Erfahrungsbericht Auslandstierschutz

In diesem Bericht geht es um Toni und ich freue mich sehr, dass Toni nun auf diesem Blog steht. Im Sommer 2020 lernte ich den kleinen Multimix mit großem Charme und seine Menschen kennen. Danke an Frauchen Rastu, die über ihre Erfahrungen berichtet.

Zunächst ein paar Fragen zu deinem Hund: Wie lange lebt Toni schon bei dir?

Etwas über ein Jahr.

Wie alt ist dein vierbeiniger Freund?

Geschätzte 7 Jahre

 Welche Rasse oder welcher Mischling ist dein Hund?

Multimix mit sichtbarem Terrieranteil

Hündin oder Rüde? Kastriert oder nicht?

Rüde, kastriert

Wo hast du deinen Hund entdeckt – wie bist du auf ihn aufmerksam geworden?

Über die Seite der Tierschutzorganisation die ihn vermittelt hat. Gesucht hatte ich Hunde auf Pflegestellen im Umkreis von ca 50 km von meinem zuhause

Wie war der Verlauf von deiner Anfrage beim Tierschutzverein bis zur Zusage, dass du den Hund bekommst?
Ich hab die Orga angeschrieben. Habe erzählt, dass wir wieder einen Hund suchen, weil unsere alte Hündin verstorben ist. Und einen Hund suchen, der – wie sie zuvor- alles mitmacht: wandern, radfahren, paddeln, viel mit uns unterwegs sein wird, mit viel Besuch bei uns klar kommt.

Die Orga hat sich innerhalb von 2 Stunden per Mail gemeldet und ein kleines Video von ihm mitgeschickt. Am nächsten Vormittag hat die Frau von der Orga angerufen und gemeint, wenn wir spontan hinfahren würden, könnten wir ihn kennenlernen – was wir gemacht haben. Am Tag drauf kam sie zur Vorkontrolle und Vertragsunterzeichnung, den nächsten Tag hab ich ihn zu uns geholt. Also alles extrem unproblematisch.

Welche Voraussetzungen musstest du mitbringen, damit dir der Tierschutzverein den Hund übergibt?
Keine offensichtlichen Voraussetzungen. Die Orga hat schon in meinem ersten Schreiben viel über uns erfahren (ich hatte versucht, alle wichtigen Punkte abzudecken). Einige weitere haben wir beim ersten Besuch besprochen.

Erzähle doch ein bisschen über die Ankunft deines Hundes

Angekommen, hochgegangen in unsere Wohnung in den zweiten Stock. Dass er wohl noch nie Treppen gelaufen ist, wurde mir erst die nächsten Tage klar, als er sich immer an der Wand entlang drückte. Dann hat er was zu fressen bekommen (hatte er den ganzen Tag nicht, weil niemand wusste, wie er die Autofahrt verträgt und die Frau von der Orga nicht wollte, dass er eventuelles Kotzen mit Autofahren verbindet). Fressen fand er gut. Danach hat er sich ein wenig die Wohnung angeguckt und ist zu mir aufs Sofa. Hat sich ganz eng an mich dran gelegt.

Später kamen dann meine Tochter und mein Mann, das gab wieder Aufregung, hat er aber gut verknust. Abends noch mal eine kleine Runde in ruhiger Umgebung.

Als wir schlafen gegangen sind wurde er unsicher und wusste nicht wohin. Wir haben ihn dann mit ins Bett genommen, dort hat er sich ganz eng zwischen uns gekuschelt und hat dann die ganze Nacht ruhig geschlafen.

Entsprachen die Angaben des Tierschutzvereines über den Hund den Tatsachen?

Es gab vom polnischen Tierheim keinerlei Angaben zu seiner Vorgeschichte. Alles, was die Orga uns sagen konnte, war „Spielzeugjunkie“ (stimmt 150%) und „bellt viel“ (stimmt nicht. also zumindest bellt er bei uns so gut wie gar nicht).

Wie gestaltete sich die erste Zeit mit deinem Vierbeiner? Gab es Probleme? Gab es Ansprechpartner des Tierschutzvereines, an die du dich wenden konntest?

Mit der Frau von der Orga war ich anfangs täglich per WhatsApp in Kontakt. Sie hat aktiv beinahe täglich nachgefragt und hat mir immer wertvolle Infos gegeben, warum er sich manchmal wie verhält.

Ich habe versucht ihn in der ersten Zeit langsam an alles in der Umgebung heranzuführen. An die große Kreuzung bei uns um die Ecke bin ich das erste Mal nachts gegangen, damit er sich das in Ruhe anschauen konnte.

Die ersten Tage war es für mich ein ziemlicher Balance-Akt herauszufinden, wann es zu viel neues für ihn wird. Wenn er nachmittags hochdrehte, war es wohl zu viel und ich habe das Programm wieder runtergefahren.

Probleme gab es in dem Sinne nicht.

Wie würdest du heute die Beziehung zwischen dir und deinem Hund beschreiben? Und wie würdest du deinen Hund beschreiben?

Er ist (und war es von Anfang an) eine coole Socke, die alles mitmacht (genau das, was wir uns gewünscht haben). Er ist neugierig, hat keine Scheu vor Menschen und neuen Dingen, geht auf alles und jeden offen und ruhig zu, aber benötigt Zeit, um Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen. Er hat nach wie vor große Verlustangst. Ich bin seine Hauptbezugsperson und er macht alles mit. Er wird jetzt nach einem Jahr immer sicherer und fängt langsam an zu glauben, dass ich mich nicht plötzlich in Luft auflöse.

Toni als Bürohund

Er konnte nicht richtig mit anderen Hunden spielen, als er zu uns kam. Er hatte Interesse an Kontakt, wusste aber ganz offensichtlich nicht, was er dann tun sollte. Inzwischen versteht er das Konzept des Spielens immer besser und fordert andere Hunde – besonders gerne Rüden – auch dazu auf. Er bleibt aber jederzeit für mich abrufbar. Oft ist er auch glücklich, wenn ich ihn aus einer Situation herausrufe, in der er sich nicht weiter zu verhalten weiß.

Unsere Beziehung ist sehr eng, aber das war sie auch mit meiner vorherigen Hündin vom Züchter, das würde ich also nicht damit erklären, dass er aus dem Tierschutz ist.

Würdest du diesen Tierschutzverein weiterempfehlen? Was hast du als gut und was als verbesserungswürdig empfunden?

Auf jeden Fall und hab ich auch schon. Mir hat der enge Kontakt am Anfang sehr geholfen, das Interesse, das ich gespürt habe, zu erfahren, wie es geht und das Angebot von Hilfe, das immer unaufdringlich da war.

Würdest du nochmal einen Hund aus dem Ausland nehmen?

Ja, aber wieder nur, wenn ich den Hund auf einer Pflegestelle hier in Deutschland kennenlernen kann.

Hast du Vorschläge oder Hinweise an die Menschen, die gerne einen Hund aus dem Auslandstierschutz aufnehmen möchten?

Ich würde immer empfehlen, mir den Hund erst einmal vor Ort anzuschauen. Nie den Hund sofort mitnehmen, immer erst mal eine Nacht drüber schlafen, ganz egal, ob man dolle verliebt ist oder nicht. Auch ist es immer gut noch jemanden zweiten mitzunehmen, der sich mit Hunden auskennt und mit dem man hinterher noch mal seine Beobachtungen durchsprechen kann.

Keine zu großen Erwartungen haben. Auch wenn der Hund als stubenrein angepriesen wird kann es gut sein, dass er vor Aufregung und oder Unsicherheit am Anfang in die Wohnung macht. Auch erkennen wir Menschen die Zeichen des Hundes nicht sofort.

Nicht zu viel machen am Anfang. Die Umstellung ist für die Hunde extrem. Lieber kleine Schritte und davon viele.

Den Hund genau beobachten. Ruhig bleiben. Ruhe ausstrahlen. Wenn er irgendwas nicht will, es sein lassen (so es geht) und nach ein paar Tagen noch mal versuchen (bei uns waren es am Anfang Treppen, die runter zur U-Bahn gingen. Da hat er den Stopp reingehauen und wollte da auf keinen Fall runtergehen. Wir sind dann ein paar Schritte zurück gegangen, bis er sich sichtlich wohler fühlte und haben dann dort ein paar Minuten gestanden und ich hab ihn schauen lassen. Dann bin ich mit ihm von dort weg gegangen. Nach ca. einer Woche sind wir noch mal hin; da ist er die Treppe runter als hätte er nie was anderes gemacht).

Dem Hund die Möglichkeit geben, sich neue Umgebungen/Situationen/Gegebenheiten/Straßen/was auch immer anzusehen. Wir haben anfangs viel irgendwo gestanden und er hat einfach nur geguckt. Oder haben auf Parkbänken gesessen und alles beobachtet.

Nicht schimpfen, nicht ungeduldig werden. Immer versuchen dem Hund einen Weg zu zeigen, wie er sich verhalten kann.

Wenn auch ihr eure Erfahrungen mit eurem Hund aus dem Auslandstierschutz teilen möchtet, dann klickt hier zu diesem Blogbericht. Dort findet ihr am Ende den Download für den Fragebogen vor, den ihr ausgefüllt an mich zurücksenden könnt.

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