Der sichere Abruf – Artikel von Hundetrainer Thomas Ifland

Möchten Sie Ihren Vierbeiner sein Leben lang an der Leine führen ? Bestimmt nicht, der Freilauf sollte dazu gehören. Doch vor dem Freilauf steht die sichere Ausführung des Rückrufes.

Es ist notwendig, dass Sie, wenn Sie das Hörzeichen „Komm“ verwenden, vorab sich selbst und Ihren Sprachgebrauch überprüfen. Das Wort „Komm“ wird von uns in allen möglichen Situationen verwendet, häufig leider auch missverständlich für den Hund.

Das allseits beliebte: „Komm, jetzt geh aber!“ oder „Komm, aus jetzt!“ oder der unbedacht hingeworfene Satz „Komm, lauf zu!“ beinhaltet auch für den lerneifrigsten und intelligentesten Hund jede Menge Widersprüchlichkeiten.

Manche Hundebesitzer benutzen deshalb statt „Komm“ ein anderes Hörzeichen, nämlich das „Hier“.

Ernstgenommen bedeutet das „Hier“ aber etwas anderes, nämlich das sofortige Herankommen des Hundes mit sicherem Vorsitz.

Der Hund geht, vor Ihnen angekommen, wie selbstverständlich in die Position Sitz. Weitere Kommandos brauchen dann nicht mehr gegeben werden. Natürlich ist auch möglich, Hunden beides beizubringen. Erst das „Komm“ und später das „Hier“ mit korrektem Vorsitz. Ganz gleich, ob Sie Ihrem Hund nun „Komm“ oder „Hier“ beibringen möchten, den Hechtsprung nach dem Hund sollten Sie sich auf alle Fälle ersparen. Er wirkt ausgesprochen unsouverän.

Anfangs wird dieses Hörzeichen nur danneingesetzt, wenn der Hund sich gerade ohnehin auf dem Weg zu Ihnen befindet. Ist er bei Ihnen angekommen, wird er überschwenglich gelobt, gestreichelt, vielleicht geben Sie ihm auch ein Leckerli.

Versuchen Sie konsequent und diszipliniert das Wort „Komm“ nicht in widersprüchlichen Situationen zu verwenden. Geben Sie das Kommando kurz und knapp, aber freundlich und in normaler, eher leiser Stimmlage.

Setzen Sie das Hörzeichen „Komm!“ keinesfalls in Situationen ein, in denen Ihr Hund gerade ganz anderes zu tun hat, als zu Ihnen zu kommen, er also beispielsweise verschlafen in seinem Korb liegt oder im Spiel mit Hunden abgelenkt ist.

Das in schrillen, verzweifelten Stakkatotönen ständig wiederholte Hörzeichen „Komm“ oder „Hier“ auf öffentlichen Grünflächen, Hundewiesen und an ähnlichen Orten, in Verbindung mit einem gänzlich hundefreien Horizont, ist ausschließlich das Ergebnis einer mangelhaften Konditionierung. Hier hat der Hund gelernt, dass „Komm“ nur irgendein belangloses Wort ist, oder auch eine Bitte, der er frei nach eigener Entscheidung entsprechen kann oder eben auch nicht. Eines aber ist in einem solchen Fall das Wort „Komm!“ nicht: Ein Hörzeichen, dem er folgen soll.

Später wird der Rückruf am besten innerhalb eines eingezäunten Geländes beübt. Auch hier gilt: Niemals mehrfach rufen!

Ein Ruf, Hund kommt nicht…. Runter von dem Gelände und verstecken ohne auf den Hund zu achten. Er wird hektisch anfangen Sie zu suchen. Einen Moment warten und nun noch einmal rufen! Kommt der Hund, loben.

Steht Ihnen kein eingezäuntes Gelände zur Verfügung, üben Sie an der Feldleine.

Das Arbeiten mit der Feldleine ist nicht so einfach, da bei falscher Anwendung die Verletzungsgefahr für Hund und Hundeführer sehr hoch ist.

Ziehen Sie bei den ersten Übungen mit der Feldleine Lederhandschuhe an. Ein Hund zieht bei Anlauf von 10m mit dem ca. 5fachen seines Körpergewichtes!! Wenn jetzt die Leine durch die Hand gezogen wird, gibt es durch die Reibung sehr starke Verbrennungen. Auch an der Halsung des Hundes entstehen diese Zugkräfte. Also Vorsicht!! Verwenden Sie bei den Übungen besser ein Geschirr, kein Halsband. Die Feldleine hat den Vorteil, dass der Hund auch noch auf Entfernung korrigiert werden kann.

Einsatz der Pfeife

Eine Methode, die bei vielen Hundebesitzern beliebt ist, um einem Welpen etwas Gehorsam beizubringen, ist der Einsatz einer Trillerpfeife. Wenn eine solche Pfeife schon vom Züchter ab den ersten Lebenswochen eingesetzt wird, ist die Erziehung noch leichter. Bei der Pfiff-Methode muss man konsequent sein und den Pfiff sparsam einsetzen. Wenn man sie allerdings in den ersten Lebenswochen regelmäßig nutzt, lernt der Welpe schnell auf den Pfiff zu reagieren.
Zuerst pfeift man nur, wenn man dem Welpen seine Mahlzeiten gibt. Nach einigen Wochen kann man damit beginnen, auch zwischen den Mahlzeiten zu pfeifen und den Welpen mit Kleinigkeiten zu belohnen. So verbindet der Welpe den Pfiff zwar immer mit Essen, lernt aber auch, auf den Pfiff zu hören.
Natürlich ist dies nicht die einzige Methode, mit der man seinen Welpen erziehen kann oder soll – es ist aber eine von mehreren, die man anwenden kann um seinen Gehorsam zu trainieren.

Auch bei älteren Hunden ist es möglich, die Pfeife als Locksignal einzusetzen. Er lernt es über klassische Konditionierung.

Sie bringen Ihrem Hund bei, dass der Pfiff eine bestimmte Bedeutung hat, nämlich die Vorankündigung für eine supergute Belohnung ist. Sie beginnen indem Sie pfeifen und im selben Moment Ihrem Hund ein „Leckerli“ geben. Das machen Sie ca. 30 Mal – dann pfeifen Sie und warten bis der Hund fragt- „Wo ist jetzt mein Leckerli“?

Daran merken Sie, dass Ihr Hund die Verbindung im Gehirn geschaffen hat. Jetzt erst das Leckerli geben. Anschließend Spaziergang- Pfiff – der Hund kommt – es gibt ein Leckerli.

Das machen Sie so eine längere Zeit lang.

Erst wenn diese Übung sitzt, wird das Lecker etwas reduziert.

Einmal Lecker, einmal nicht. Der Hund soll sich nie ganz sicher sein, ob es jetzt ein Leckerli gibt oder nicht. Sie können auch, wenn Ihr Hund etwas richtig macht, den Pfiff als Belohnung und Bestätigung einsetzen.

Auf welche Art sie den Rückruf üben ist unerheblich. Wichtig ist bei allen Methoden: Seien sie geduldig, überfordern Sie den Hund nicht, arbeiten sie mit dem Hund zusammen. Bleiben Sie trotzdem immer souverän, jedes Fehlverhalten wird sofort korrigiert.

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