Hunde unter- oder überfordern

Es dürfte jedem Hundehalter klar sein, dass der tierische Freund Beschäftigung und Bewegung braucht. Nur stellt sich die Frage, wie viel der Hund gefordert werden soll und: Woran erkennst Du, dass Deine Fellnase unterfordert oder überfordert ist?

Überforderung bei der Erziehung

Oftmals überfordern frischgebackene „Hundeeltern“ ihren Welpen bei der Erziehung. Entweder sind die Lernphasen zu lang oder es werden zu viele Kommandos auf einmal beigebracht. Ein Welpe kann sich nur kurze Zeit, das heißt wenige Minuten, konzentrieren. Übertreibt man mit der gut gemeinten Erziehung, zeigt der Hund Anzeichen von Überforderung (siehe weiter unten). Die Lernfreude, die ein Welpe besitzt, wird auf diese Weise zunichte gemacht. Um das zu vermeiden, solltest Du nicht länger als fünf bis zehn Minuten täglich mit Deinem Welpen üben. Zudem beginnst Du mit einem Kommando. Anfangs sollte der Hund zunächst seinen Namen lernen. Erst wenn er auf seinen Namen reagiert, folgt  die nächste Lerneinheit (das Kommen auf Abruf). Außerdem besitzt jeder Hund seine eigene Persönlichkeit. Ein sensibler Hund wird eher überfordert sein, als ein Welpe, der vor Selbstbewusstsein strotzt. Das gilt aber nicht nur für Welpen. Ein sensibler Hund wird mit neuen Eindrücken schneller zu überfordern sein. Ein „Landhund“ fühlt sich eventuell in der Stadt überfordert und kann die Geräusche, Gerüche und vielen Menschen kaum verarbeiten.

Beschäftigung und Auslauf

Einfach mal rennen Foto: MConsoir

Einfach mal rennen
Foto: MConsoir

Eine allgemein gültige Regel für Dauer und Art von Beschäftigung und Auslauf kann nicht erteilt werden. Wie oben bereits erwähnt ist jeder Hund anders – so wie auch bei uns Menschen. Heute gibt es allerdings viele Hunde, die teilweise einen volleren Terminkalender haben, als so mancher Zweibeiner. Die Sorge geht um, seinen Hund nicht ausreichend zu beschäftigen. Also steht regelmäßig Hundetreffen, Dogdance, Agility, Radfahren und Schwimmen auf dem Programm – neben den täglichen Spaziergängen. Diese Spaziergänge bestehen nicht mehr aus reinem Gehen mit gelegentlichen Suchspielen. Viele Hundehalter nehmen ein komplettes Set mit auf die Runde, bestehend aus Dummy, Futterbeuteln, verschiedenen Bällen und was einem sonst noch so einfällt. Zuhause muss der tierische Freund einige Hunderätsel in Form von Geschicklichkeitsspielen lösen…und irgendwann zeigt nicht nur der Hund, sondern auch Frauchen oder Herrchen Stresssymptome. Hundehalter wundern sich dann, warum die Fellnase nicht mehr zur Ruhe kommt, nervös ist oder sogar bereits psychosomatische Erkrankungen hat.

Wie viel ein Hund beschäftigt und bewegt werden sollte, hängt von mehreren Faktoren ab: Alter, Gesundheit und Charakter. Es gibt sehr lauffreudige Rassen und Hunde, für die ein einstündiger Spaziergang nicht ausreicht und es gibt die eher trägen Fellnasen, die man beispielsweise mit Radfahren überfordern würde. Zudem brauchen einige Rassen (oder Mischlinge) eine Aufgabe, die sie körperlich und geistig auslastet. Bevor man sich einen Hund ins Haus holt, sollte sich immer über die Rasse informiert werden. Möchtest Du einen Hund für den Agilitysport, so erkundige Dich, welche Vierbeiner dafür besonders gut geeignet sind.

Beim Spaziergang können natürlich kleine Spiele eingeflechtet werden. Dagegen ist nichts einzuwenden. Es sollte nur nicht darin ausarten, den Hund die ganze Zeit über zu trainieren oder zu erziehen. Ein Hund möchte auch einfach mal nur schnüffeln, sich genüsslich auf einer Wiese wälzen, ein Loch buddeln oder sich die Gegend während einer Pause anschauen. Die Trainingseinheiten lassen sich sehr gut in den Alltag einbauen. Es muss also keine tägliche Extrastunde für die Erziehung eingeplant werden.

0201-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /> Loch buddeln – herrlich
Foto: Marion Consoir

Es ist wichtig, das Mittelmaß zu finden, wie bei allen Dingen im Leben. Das Gegenteil von Überforderung ist die Unterforderung. Ein Hund benötigt Beschäftigung und Auslauf. Wird er den größten Teil links liegen gelassen oder ist der Hundehalter zu bequem, sich mit seinem Vierbeiner zu beschäftigen, wird sich das am Verhalten –  und mitunter auch an der Gesundheit – der Fellnase zeigen.

Um Missverständnisse zu verhindern: Ich bin nicht gegen Hundesport. Manchmal ist dies aber eher eine Leidenschaft des Halters und nicht des Hundes. Deshalb möchte ich lediglich darauf hinweisen, dass nicht jeder Hund für Agility oder andere Sportarten gemacht ist und es außerdem kein Muss für alle Hunde ist. Auf der anderen Seite sollte sich jeder Hundehalter darüber bewusst sein, dass es nicht damit getan ist, nur manchmal eine Runde um den Block zu gehen. Der Halter mag vielleicht gerne auf dem Sofa liegen, der Hund auch, aber er möchte seine vier Beine bewegen dürfen – und das nicht nur im Haus, in der Wohnung oder im Garten.

Anzeichen von Überforderung

Hunde zeigen unter anderem folgende Anzeichen, wenn sie überfordert sind:

  • Gähnen (obwohl die Fellnase nicht müde ist)
  • Schütteln ( Der Stress wird sozusagen abgeschüttelt)
  • Unruhe und Nervosität
  • Hund beißt beim Spaziergang in die Leine
  • Ständiges Kratzen (obwohl der Hund keine Flöhe, Milben oder andere Parasiten hat)
  • Hecheln, auch bei kühlen Außentemperaturen
  • Übertriebene und zu häufige Fellpflege (lecken, knabbern)
  • Appetitlosigkeit

Einige Vierbeiner reiten auf, wenn sie gestresst sind. Dies wird dann oftmals fälschlicherweise als Dominanzverhalten oder sexuelle Motivation gedeutet.Ebenso kann es vorkommen, dass der überforderte Hund Kommandos verweigert und sich nicht mehr zum Spiel auffordern lässt.

Anzeichen von Unterforderung

Hunde, die sich langweilen, zeigen unter anderem folgende Symptome oder

Verhaltensweisen:

  • Der Vierbeiner sucht sich selbst Beschäftigung und das nicht immer zur Freude des Halters: Blumenbeete umgraben, Möbel zerkratzen, Teppiche ausfransen … Die Liste könnte lang werden, denn ein unterforderter Hund kann sehr viele Ideen entwickeln.
  • Der Hund bellt alles und jeden an und bellt auch grundlos und ausdauernd.
  • Die Fellnase jagt andauernd ihrem Schwanz nach.
  • Im schlimmsten Fall zeigt sich die Langeweile in Aggression (das kann auch bei Überforderung geschehen).

Ansonsten kann ein unterforderter Hund die Anzeichen eines überforderten Hundes zeigen: unruhiges Hin- und Herlaufen, Nervosität, sich ständig kratzen, lecken oder knabbern. Manche gelangweilten Hunde werden tatsächlich depressiv.

Zudem kann Unter- oder Überforderung auf den Magen schlagen, sich in allergischen Reaktionen äußern oder sich zu anderen psychosomatischen Krankheiten entwickeln.