So kann man zum Zweithund kommen

Wir wollen keinen Zweithund – sprachen wir und waren auch davon überzeugt. Und dann kam Emmas Geburtstag und ebenso die Lili.

 

Kein Zweithund mehr – auf keinen Fall

Als wir vor ca. 5 Jahren unsere Emma am Strand fanden, hatten wir noch zwei ältere Hunde. Damals waren wir sicher: Nie mehr drei Hunde. Nun ja, es kam ja dann anders, denn Emma ist mein Seelenhund und das war mir von der ersten Sekunde an klar.

Noch nicht einmal fünf Monate später mussten wir unsere alte Hündin erlösen lassen. Sie war voller Krebs.

Emma genoss dann noch 1 ½ Jahre ihren Opi, bis auch er über die Regenbogenbrücke ging.

Emma – 6 Monate jung – mit Lucky und Kimba

Zunächst war es für uns ein merkwürdiges Gefühl, „nur“ noch einen Hund zu haben. Wir teilten schließlich über zehn Jahre mit zwei Hunden unser Leben.

 

Doch mit der Zeit konnten wir den Einzelhund richtig genießen. Es war einfach super entspannt.

 

Zudem zog sich Emma bei jedem Urlaubs- oder Pflegehund zurück. Sie fühlte sich sichtbar unwohl, wenn ein zweiter Hund über längere Zeit bei uns wohnte.

 

Somit stand irgendwann fest: Es kommt kein Zweithund ins Haus.

 

Ausgesetzte Hunde

Emma wurde ja von ihren Menschen einfach an eine unbebaute Küste ausgesetzt. Sie war damals sechs Wochen jung, als wir sie dort fanden.

Emma nach 24 Stunden Schlaf – erster Tag bei uns

In den letzten Jahren ist hier, im Süden Spaniens, ein Wandel spürbar. Es gibt immer mehr spanische Tierschützer und immer mehr spanische Hundehalter, die ihren Vierbeinern ein schönes Leben bieten.



zooplus.de

Es gibt aber auch noch die Menschen, die ihre Hunde einfach aussetzen. Da, wo wir bis vor wenigen Tagen wohnten, tauchten immer wieder neue ausgesetzte Hunde auf. Es war schon fast normal, Futter an eine Stelle zu legen.

 

Wenn man hier wohnt, muss man schon gut überlegen, wie man hilft. Wir  möchten unser Leben nicht komplett für Hunde leben und deshalb nehmen wir auch nicht jeden Hund auf. Hilfe bekommt man hier wenig, denn die Tierschutzvereine sind immer überfüllt. Sie müssen also Hunde ablehnen, auch wenn ihnen das schwer fällt. In die Tierheime würde ich nie und niemals nicht einen Hund abgeben. Die Tierheime sind nicht mit denen in Deutschland vergleichbar.

 

Somit muss also bei jedem ausgesetzten Hund überlegt werden: Wie kann ich helfen? Wir legen in der Regel Futter aus und stellen Trinkwasser hin. Manchmal ist aber deutlich zu sehen, dass diese Hilfe nicht ausreicht.

 

Junger Hund irrt durchs Campo

Mitte Dezember sah ich morgens einen jungen Hund über die Straßen eilen. Gerd, mein Mann, sagte später, dass er ihn schon zwei Stunden vorher unten an der Schnellstraße gesehen hatte. Die Schnellstraße ist etwa 4 km von unserem (ehemaligen) Zuhause entfernt. Dieser Hund rannte einige Tage lang zwischen Schnellstraße und oben im Campo hin und her, stetig langsamer werdend.

 

Ich wusste nicht, wo der Hund sich nachts aufhielt, um Futter auslegen zu können. Da Emma lediglich Spuren von Hunden (nicht von Wildtieren) erschnüffelt, konnte ich mich auf sie verlassen und so zeigte sie mir, wo der junge Hund nachts schlief.

 

Das Futter war morgens auch immer weg. Dann sah ich einige Tage später riesige Pfotenabdrücke an der Futterstelle und die stammten mit Sicherheit nicht von diesem jungen Hund. Also liefen hier noch mehr Hunde rum.

 

Am 1. Weihnachtstag war das Campo voller Jäger. Danach sahen wir den Junghund nicht mehr und auch Emma zeigte nichts an.

 

Wieder ein paar Tage später lag der junge Hund im dichten Gebüsch in der Nähe unseres Hauses. Man sah nur ein bisschen Fell, so tief hatte er sich ins Gebüsch verkrochen. Ok, also erstmal Vertrauen aufbauen, denn der Hund lief sofort vor Menschen weg oder knurrte da im Gebüsch, wenn ein Mensch sich näherte.

 

Wir und Nachbarn legten Futter vors Gebüsch und stellten Trinkwasser hin. Dann verschwand der Hund wieder… dachten wir.

 

Emmas Geburtstag und Lili´s Einzug

Neujahrsmorgen – Emma hatte Geburtstag und wurde 5 Jahre alt. Gerd, Emma und ich wollten einen schönen Spaziergang unternehmen. Als wir aus dem Garten auf die Straße traten, zog Emma fiepsend zu einem Betonrohr, das neben und unter der Straße liegt. Gerd schaute hinein und da lag er, der junge Hund. Der knurrte erstmal vor lauter Angst, hörte aber schnell wieder auf und schaute Gerd an.

 

Tja, was nun? Dieser Hund war noch sehr jung und wirkte ziemlich erschöpft. Zwiespalt, weil:

Emmas Beinbruch ist zwar gut verheilt, aber ganz gut läuft sie noch nicht. Jetzt einen jungen Hund aufnehmen? Nach zwei Monaten Hausknast aufgrund Emmas Beinbruch hatte ich ehrlich gesagt keine Lust, wieder gefesselt zu sein. Zudem wäre ein quirliger Junghund, der ständig mit Emma spielen möchte, einfach noch zu viel für Emma.

 

Außerdem zogen wir vom Haus ins Wohnmobil um und befanden uns sozusagen mittem im Chaos. Wegen Emmas Beinbruch und kostspieliger Operation hatten wir den LKW-Kauf verschoben. Wir wollen nämlich ein größeres, rollendes Zuhause haben, denn Kulti ist zum Wohnen etwas zu klein (für unseren Geschmack). Mit zwei Hunden ins enge Wohnmobil ziehen? Uff.

 

Und drittens: Wir wollten keinen Zweithund und hier in Spanien einen Hund vermitteln – das kann ewig dauern, zumal man den Hund ja auch nicht irgendwem in die Hände drücken will. Wir haben schon schlechte Erfahrungen mit dem Vermitteln von Hunden gemacht und sind mit der Auswahl neuer Besitzer ziemlich pingelig geworden.

 

Aber, irgendwas musste geschehen. Dieser Hund konnte da nicht bleiben und deshalb startete die „Bergungsaktion“, denn der Hund hatte so viel Angst, dass er nicht freiwillig aus dem Rohr herauskam.

 

Gerd und ein Freund banden zwei lange Latten zusammen und vorne dran wurde ein leerer Wasserkanister gebunden. Während der Freund von der einen Rohrseite aus vorsichtig den Kanister Richtung Hund schob, hielt Gerd auf der anderen Seite eine Hundebox vor die Öffnung.

 

Der Hund war so schlapp, dass er langsam vor dem Kanister weg und in die Box hinein ging. Das wäre also geschafft und wir nahmen den Hund mit ins Haus.

 

Erstmal Tierarzt, Ruhe und Futter

Wir kannten die große Erschöpfung ausgesetzter Hunde schon von Emma, die damals einfach umkippte und 24 Stunden durchschlief. Somit gaben wir dem jungen Hund erstmal ein bisschen Futter und ließen ihn in Ruhe. Er schlief auch sofort ein. Ausgesetzte Hunde können draußen nicht wirklich schlafen. Dazu fehlt das sichere Gefühl. Jetzt schlief der Hund und schlief und schlief und schlief.

Wenn er wach wurde, musste er sein Geschäft erledigen – Durchfall, war ja auch klar. Dann bekam er wieder eine Mini-Portion zu fressen, damit sein Magen das auch vertragen konnte.

 

Die Tierärztin war verständigt und kam am nächsten Morgen zu uns, um den Hund zu untersuchen. Mittlerweile wussten wir: Es ist eine Hündin.

 

Ihr rechtes Auge war durch eine Verletzung erblindet. Nach gründlicher Untersuchung war klar, dass sie damit nichts mehr sehen wird. Schmerzen hat sie aber keine. Die Hündin war nur Fell und Knochen, hatte kaum Kraft, einen sehr taumeligen Gang und kippte immer wieder um. Die Tierärztin erklärte, dass der Körper dieses Hundes sein Limit erreicht hatte. Die Hündin hätte keine zwei Tage mehr überlebt und es war auch noch nicht sicher, ob sie überleben wird. Lili wird auf 3-4 Monate geschätzt.

 

Es wurde erstmal gar nichts weiter gemacht. Sie sollte schlafen und fressen. Falls irgendwas sein sollte, hätte ich die Tierärztin jederzeit anrufen können.

 

Ok, also machten wir weiter und Lili, so wurde sie von Gerd getauft, schlief weiterhin in der Box und bekam viele kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt.

 

Tag 3: Lili spielt

Am dritten Tag fing Lili an zu spielen. Noch im Liegen und immer noch schlapp, aber sie spielte. Fressen und trinken tat sie auch gut. Und was uns sehr wunderte: Sie schlief nachts durch und wenn sie musste, meldete sie sich.

 

Ich hatte die Box ins Schlafzimmer geholt. Was mich wunderte war, dass Emma nichts dagegen hatte. Schlafzimmer – da durfte sonst kein anderer Hund hinein.

 

Die Box stand offen und ich war darauf gefasst, nun nachts aufzustehen, um mit Lili raus zu gehen. Aber, Lili schlief durch und der Durchfall war bereits am zweiten Tag Geschichte.

 

Jetzt, am dritten Tag, wirkte sie schon wesentlich wacher und fitter. Nun war auch ein Bad fällig, denn das Fell sah sehr plüschig aus, hing aber in Wirklichkeit voller Dreck. Sie ließ sich problemlos baden und nachdem wir sie drei Mal shampooniert hatten, waren dann endlich alle Dreckklumpen aus dem Fell gewaschen. Jetzt sah man, dass sie gar kein Plüschfell hatte – und man sah leider auch noch viel besser, wie klapperdürr sie war.

 

Emma und Lili

Emma zieht sich normalerweise komplett zurück, wenn ein Hund bei uns war (in Urlaub oder in Pflege). Das war auch mit ein Grund für unsere Entscheidung, keinen Zweithund einziehen zu lassen.

 

Bei Lili ist das anders. Emma ist weiterhin völlig entspannt und fröhlich. Geht Lili ihr auf den Wecker, knurrt sie sie mal kurz an. Das Gute ist: Lili ist kein quirliger, sondern eher ein ruhiger Hund. Und sie ist kein bisschen aufdringlich und akzeptiert Emmas Anweisung. Mit aufdringlichen Hunden kommt Emma nämlich gar nicht klar.

Die beiden spielten bereits ein bisschen und es wurde sich auch schon gegenseitig am Ohr geleckt.

 

Emma hat also die Lili angenommen. Sie fressen nebeneinander – und betteln nebeneinander *hahaha*.

 

Wir waren aber noch nicht sicher, ob Lili bei uns bleibt oder vermittelt wird. Ich hatte ein paar wenige Leute gefragt, ob sie Lili haben möchten. Das waren Menschen, bei denen ich sicher bin, dass Lili dort richtig gut aufgehoben wäre. Nun ja, niemand wollte sie und wir wollten sie weder ins Tierheim noch in die Zwingeranlage eines Tierschutzvereins geben.

 

Umzug mit zwei Hunden

Für den Einzug eines Welpen könnte man sich eine bessere, ruhigere Zeit vorstellen. Aber Lili kam mitten im Chaos zu uns – das war jetzt nicht zu ändern.

 

Wir räumten die letzten Sachen aus dem Haus und in das Wohnmobil ein. Das Wohnmobil war eh schon viel zu voll, aber irgendwie musste es gehen. Lili bekam einen Schlafplatz  eingerichtet und wir rückten halt noch enger zusammen.

 

Jetzt musste erstmal geschaut werden, wie sie mit dem Leben im Wohnmobil zurechtkommt – und mit den Fahrten. Und wir wollten sehen, wie Emma sich verhält, wenn ein Zweithund mit im Wohnmobil wohnt.

 

Das probierten wir aus und fuhren für zwei Tage an den Strand.

 

Strand mit Wohnmobil, Emma und Lili

Lili kam während der Fahrt in die Box. Sie spuckte einmal ein ganz kleines bisschen – und seitdem ist das nicht mehr passiert. Sie scheint Autofahrten sehr gut zu vertragen und der Hit ist: Autofahren ist für Lili so beruhigend, dass sie sofort einschläft und die ganze Fahrt einfach verpennt.

 

Sie scheint eine sehr gelassene Hundepersönlichkeit zu sein. Obwohl sie draußen, als sie noch durch die Gegend irrte, sehr sehr scheu war, zeigt sie überhaupt keine Ängste. Sie fand auch das Meer nicht gruselig und nahm das Wohnmobil als Zuhause und sicheren Ort an.

 

Menschen und fremde Hunde guckt sie sich an, stürmt aber nicht drauf zu und läuft auch nicht vor ihnen weg. Von Menschen lässt sie sich auch sehr gerne streicheln.

 

Für Emma passen wir auf, dass sie ihren Schlafplatz im Wohnmobil für sich behält. Somit hat sie überhaupt keine Probleme damit, dass Lili nun mit uns im WoMo lebt.

 

 

 

So kamen wir also doch zum Zweithund.

2 Kommentare

  • ute

    Ein toller Bericht…. über zwei tolle Hunde und ihre Menschen 😉 . Wünsche euch alles Liebe und hoffe, wir lernen uns mal persönlich kennen.
    Liebe Grüße,
    Ute und Stefan mit Bonito, Gina und Lene

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