Beinbruch Hund – Erfahrungsbericht Teil 1

Hund Bein gebrochen – mir wäre es lieber gewesen, ich könnte meine Erfahrungen in diesem Bereich nicht  teilen. Es klingt für manche Menschen vielleicht auch eher harmlos, so ein Beinbruch beim Hund. Gibt Schlimmeres. Das gibt es bestimmt und doch war es für uns ein einschneidendes Erlebnis, auf das wir gerne verzichtet hätten.

Mehr als ein Schreck in den Morgenstunden

Es war ein ganz normaler Morgen, als Emma und ich wie üblich zum Spaziergang loszogen. Wir gingen die gewohnte Strecke, die wir bereits seit Jahren gehen. Also alles so, wie sonst auch. Und wir trafen unsere Nachbarin und Freundin mit ihrem Hund und auch das ist nichts Ungewöhnliches.

Emma lief, wie üblich, auch neben dem Weg, über Stock und Stein und Böschungen rauf und runter. Wir hatten den Rückweg angetreten, als Emma ein Kaninchen vor die Füße lief. Das war sozusagen direkt neben uns und ich sah es aus dem Augenwinkel. Emma lief dem Tier nach und nur wenige Sekunden später hörte ich ein knackendes Geräusch, so als würde jemand auf dicke Äste treten. Und kurz darauf hörten wir Emma schreien. Poh, das ging mir durch Mark und Bein. Ich rief Emma – total unsinnig, aber ich tat es halt. Dann sah ich sie da sitzen, zwischen den Grasbüschen, Vorderbein angehoben und die Pfote baumelte da so  herum. Ihr Blick wirkte schockiert, hilflos.

Ich trug sie auf den Weg und Gott sei Dank war Gitti dabei. Blöderweise hatte ich genau an diesem Morgen mein Handy zuhause liegen gelassen. Gitti ist dann mit ihrem Hund nach Hause gegangen und hat ihr Auto geholt. Gemeinsam sind wir mit Emma zum Tierarzt gefahren. Dort wurde ihr Bein geröntgt und man sah sehr deutlich: Speiche und Elle durchgebrochen.

Sie musste operiert werden und dazu musste sie zu einem Spezialisten. Der Tierarzt rief dort an und sagte Bescheid. Irgendwann zwischendurch hatte ich meinen Mann informiert, der sofort zur Praxis kam. Emma bekam noch eine entzündungshemmende und schmerzstillende Spritze und dann fuhren wir mit ihr zum Traumatologen.

Und dann lag sie auf dem OP-Tisch

Dort angekommen wusste man schon Bescheid und Emma wurde nochmal geröntgt. Man erklärte uns, dass der Bruch geschient und geschraubt wird. Irgendwie war das für mich alles so unwirklich und ich hätte am liebsten nur geheult.

Wir mussten dann noch bis mittags warten, da noch andere Patienten operiert werden mussten. Um 13h30 war Emma dran und wir fuhren nach Hause. Scheiß Gefühl, kann ich da nur sagen, zumal Emma Panik vor Tierärzten hat.

Gegen 16 Uhr rief die Praxis an und sagte, dass die OP gut verlaufen sei und Emma bereits in der Aufwachphase steckt. Abends um 19h30 könnten wir sie abholen.

Die Zeit verging soooo langsam, aber irgendwann war es soweit und wir konnten endlich zu Emma fahren.

Sie fiepte da im Käfig, während der Tierarzt uns die Röntgenbilder erklärte. Die Knochen waren nun mit einer Platte und sechs Schrauben fixiert. Sie verwendeten Kunststoff, da dieses Material steriler und sehr stabil ist und sich zudem wesentlich besser am Knochen anpasst.

Ich schreibe das hier so sachlich nieder, aber in Wirklichkeit wollte ich einfach nur Emma aus diesem Käfig holen und das durfte ich dann auch tun.

Ihr Bein war mit dickem Verband umwickelt. Wir bekamen noch jede Menge Medikamente mit: Zwei Antibiotika, ein Schmerzmittel, ein Magenschutzmittel. Und man gab uns eine Mappe mit den Blutwerten, den Röntgenaufnahmen und genaue Anweisungen zur Medikamentengabe mit.

Die Knochen benötigen acht Wochen, bis der Bruch wieder komplett verheilt ist. Das heißt für uns: 8 Wochen Schonung. Emma darf nicht springen, laufen, toben usw. Bei der Vorstellung, Emma acht Wochen ruhig zu halten, standen mir schon die Haare zu Berge. Aber, es lief dann doch besser als gedacht – zumindest später, nach der ersten Woche.

Beinbruch Hund – erste Woche nach OP

Mittwoch, am 8. November, war es passiert. Freitags sollten wir morgens zur Kontrolle in die Praxis des Traumatologen kommen. Emma hat einen sehr empfindlichen Magen und reagiert auch auf Stress mit Magenproblemen. Donnerstagnacht hat sie mehrmals erbrochen. Die Medikamente waren einfach zu viel, aber eben auch wichtig. Sie wirkte etwas apathisch.

Freitagmorgen waren wir dann in der Praxis. Emma hatte leicht erhöhte Temperatur. Damit sich ihr Magen beruhigte, bekam sie die Medikamente + fiebersenkendes Mittel gespritzt. Aus diesem Grund mussten wir abends auch nochmal dahin. Fieber war bis dahin Gott sei Dank gesunken. Noch einmal erhielt sie eine Spritze und man gab uns ein Anti-Brechmittel mit, das sie nun zusätzlich einnehmen musste.

Die erste Woche war also wirklich schlimm, für uns alle. Antibiotika musste alle zwölf Stunden gegeben werden. Durch die Spritzen musste ich am Samstagmittag damit anfangen. Die Tabletten werden natürlich nicht alle auf einmal gegeben, sondern mit zeitlichem Abstand zueinander. Also musste ich mir 8 Tage lang nachts den Wecker stellen.

Mit Schlafmangel kann ich nicht mehr umgehen und ich war irgendwann so erschöpft, dass ich hätte nur noch heulen können. Zudem macht man sich ja auch Sorgen, denn Emma ging es in der ersten Woche nicht gut.

Sie durfte lediglich kurz nach draußen, um ihre Geschäfte zu verrichten. Ansonsten lag sie den ganzen Tag auf ihrem Kissen und döste oder schlief. Dazu kamen die Kontrolltermine beim Tierarzt, die dann in „unserer“ Praxis stattfanden. Die Tierärzte sind wirklich super freundlich und gehen auf die Tiere ein. Hilft aber bei Emma wenig, denn sie hat trotzdem große Angst und erstarrte und zitterte nun schon im Auto, wenn wir in die Straße der Praxis einbogen. Obwohl ja nur der Verband gewechselt wurde, hatte Emma anschließend jedes Mal Magenschmerzen.

Mit Verband durfte sie auch schon ihr Bein belasten, also normal auftreten. Womit sie ein wenig Schwierigkeiten hatte: Wenn sie sich hinlegte und sich im Kreis drehte, blieb das Bein aufgrund des Verbands stehen, am Stoff hängen. Wuaaah. Da musste man also immer ein bisschen helfen.

Damit wir hier nicht nur im kleinen Kreis bummeln, gab es für Emma Kutschfahrten im Radanhänger, wobei ich das Rad allerdings schob. So hatte ich sie besser im Blick, denn sie sollte darin liegenbleiben. Das gefiel ihr sehr gut und oft stellte sie sich im Garten schon vor den Hänger, damit sie wieder wie eine Königin durch die Lande gefahren wurde.

Fäden raus, Verband ab

16 Tage nach der Operation wurden die Fäden gezogen und dann blieb auch der Verband ab. Emma fand das wohl total unheimlich und trat erst einmal gar nicht mehr mit dem Bein auf.

Das wurde dann aber von Tag zu Tag besser und sie wurde langsam auch wieder fröhlicher – ich auch!

Ein paar Tage später mussten wir auch wieder zum Kontrolltermin. Die Naht sah super aus und der Tierarzt drückte mit seinem Finger vorsichtig das Bein ab, um zu kontrollieren, ob die Schiene an Ort und Stelle saß. Auch in dem Fall war alles bestens. Der nächste Kontrolltermin ist erst in drei Wochen. Dann sind es sechs Wochen nach der OP und das Bein wird noch einmal geröntgt.

Naht am Tag, als die Fäden gezogen wurden

Naht zwei Tage nach dem Ziehen der Fäden

Sie darf natürlich weiterhin nicht springen, toben, laufen etc. und wird weiterhin an kurzer Führleine spazieren geführt. Die Strecken dürfen nun laaaaangsam erweitert werden, aber mit Pausen zwischendurch. Sie darf und soll ihr Bein belasten, sprich normal damit auftreten und das tut sie auch. Ab und zu humpelt sie noch leicht, vor allem nachdem sie gelegen hat. Aber, wie der Tierarzt sagte, sei das normal.

Emma macht das super gut mit und hört auch auf mein „Langsam“. Lediglich bei automatisierten Reaktionen muss ich aufpassen, z.B. wenn die Türe vom Auto offen steht. Dann will sie reinspringen. Im Haus haben wir das Sofa verbarrikadiert, sonst würde sie da hinaufspringen. Auch beim Spaziergang muss ich mitdenken, weil: Im Busch raschelt was? Da würde Emma automatisch mit allen vier Beinen gleichzeitig hochspringen und kopfüber im Busch landen. Auch ihr Kackverhalten (sorry, scheiß Thema) ist sehr, ähm, sonderbar. Sie schnüffelt ganz selten mal an anderer Hunds Kacke und wenn sie selbst ihr großes Geschäft erledigt hat, springt sie in großen Sprüngen davon weg. Juhu…in dieser Situation ziemlich blöd. Also stehe ich als Kack-Wächterin daneben und beobachte ganz genau, wann die Wurst  an ihrem Ende angekommen ist. Dann greife ich ins Geschirr und hebe sie hoch. … wer uns beobachtet, wird ganz bestimmt die Männer mit den weißen Kitteln rufen wollen.

So lustig ich nun auch erzähle, so witzig ist die ganze Situation natürlich nicht. Emma macht das ganz toll mit, aber letztlich sind wir alle lahmgelegt. Und wenn ich mir meine Seelenhündin anschaue, kann ich von ihr wieder mal lernen.

Emma hatte sich nämlich ziemlich schnell mit der veränderten Situation arrangiert. Unglaublich war das. Sie ist eine sehr aufgeweckte, neugierige und aktive Hündin. Morgens kann sie es kaum abwarten, mit mir loszuziehen und kleine Abenteuer zu erleben. Sie ist das an der Leine laufen kaum gewohnt – und mag es auch nicht.

Und nun? Jetzt ging all das nicht und sie war mein Coach, meine Lehrerin. Während ich zunächst noch irgendwie versuchte, meinen „normalen“ Tag zu leben und gleichzeitig 24 Stunden für Emma da zu sein, fuhr Emma sich total runter. Sie blieb dabei aber fröhlich, so wie sie nun mal ist. Genoss einfach die Mini-Spaziergänge oder von mir im Fahrradanhänger durch die Natur geschoben zu werden.

Leben im Jetzt. Annehmen, loslassen und die kleinen Freuden des Alltags genießen. Sie hat mir gezeigt, wie es geht und ich nahm  die Rolle als Schülerin an.

Spazier-Schlendern in der vierten Woche nach der OP

Frucht vom Johannisbrotbaum mitgenommen (Carob)

Genuss geht immer

Verständnis und Trost – Danke

Noch etwas hat mich sehr berührt. Ich zeige ungern meine traurige, ängstliche, unruhige Seite, denn damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. „Stell dich nicht so an“, „Ist doch nicht so schlimm“, „Lach doch mal“ – das sind nur einige Sätze, die ich von Menschen zu hören bekam, die ich als Freunde, als meine liebsten Mitmenschen bezeichnete. Deshalb ziehe ich mich lieber zurück, wenn es mir nicht gut geht und ich gerade eine Schattenphase durchlebe.

Diesmal habe ich das nicht getan. Im realen wie auch im virtuellen Leben habe ich von Emma und dem Unglück erzählt und habe auch von meinen Gefühlen berichtet.

Ich war  – und bin es immer noch – überwältigt, wie viele Menschen Anteil nahmen und Verständnis zeigten. Aufbauende, tröstende Worte erreichten mich und halfen mir. Es tat unheimlich gut und ich bin sehr dankbar dafür.

Keine dummen Kommentare. Kein „Ist doch nur ein Hund“ oder „ist doch nicht so schlimm“ oder oder oder.

Es ist shit egal, warum jemand traurig, ängstlich usw. ist. Jeder hat seine individuellen Schwachstellen. All diese Menschen brachten mir Verständnis entgegen, waren für mich da – auf ganz verschiedene Weise.

Danke! Ihr Lieben, eure Worte, eure Hilfe, waren für mich sehr wertvoll!

In ein paar Wochen berichte ich dann über den weiteren Verlauf.

5 Kommentare

  • Es tut mir sehr, sehr leid, dass Ihr beide das erleben musstet. Ich sende erst einmal ganz liebe Genesungswünsche. Ich freue mich, dass Du wenigstens so viel Anteilnahme und Mitgefühl erfahren hast. Ich weiß, wie wichtig das ist und wie gut es einem tut. ich musste richtig zusammenzucken, als Du berichtet hast, wie Du das brechen der Knochen gehört hast. Oje, das ist echt schlimm. Zudem finde ich es toll, dass Ihr Ausflüge im Anhänger gemacht habt. Ich denke, dass das eine schöne Abwechslung war. Sechs Wochen sind eine echt lange Zeit…..

    Ansonsten kann ich jedes Wort von Dir nachvollziehen, da ich hier eine kranken Hund an meiner Seite habe. Die Sorgen zehren einfach. Socke ist seit März 2013 erkrankt und seit einem Jahr stehen wir einmal in der Nacht auf, um sie zu füttern. Seit November diesen stehen wir ein zweites Mal auf für ihre Medikation.

    Ich weiß also sehr genau, was es heißt keinen Schlaf mehr zu finden und wäre froh, wenn ich wüsste es wäre nach 6 Wochen vorbei.

    Euch drücke ich ganz feste die Daumen und sende viele vorweihnachtliche Grüße
    Sabine mit Socke

    • Marion

      Liebe Sabine,

      vielen Dank für deine lieben Worte und die Genesungswünsche!

      Dass Socke schon so lange krank ist tut mir sehr leid. Es hört sich so an, als sei auch keine Heilung möglich? Ich weiß ja nicht, welche Krankheit Socke hat.

      Ganz herzliche Grüße und einen dicken Knuddler an Socke
      Marion mit Emma

  • A.D.

    Wir machen gerade das selbe durch,unser Joey 1Jahr alt hatte seinen ersten Bruch im Dez.2016 und dann im September 2017 den zweiten Bruch!Die erste Sache war im April 2017 nach insgesamt 4Opertionen endlich abeschlossen und wir waren alle so glücklich!Endlich war unser kleiner Schatz gesund u.freute sich sozusagen frei zu sein!Er spielte wie verrückt und lief ohne Probleme.Das wir das ganze gute 4 Mo.später nochmal durchmachen mussten hätten wir im Leben nicht mit gerechnet!
    Bei einem Sprung aus der Badewanne weil eine Shampooflasche umgefallen war brach er sich das andere Bein,wieder so das er sofort operiert werden musste!Der Schock war groß weil jeder wusste was nun wieder auf einen zukommt!ABSOLUTE RUHIGSTELLUNG,nur kurz raus mehr nicht!Dieses passierte eine Woche vor unserer Urlaubsreise,haben sofort storniert!Nachdem die Fäden gezogen waren und der Verband ab war,merkten wir sehr schnell das was nicht richtig war!Sein Beinchen war total schief und es sah aus ob es jeden Moment durchbricht!Waren in der Klinik und nach einer Röntgenaufnahme wurde uns gesagt das alles bestens wäre,so wie es sein soll!
    Haben wir dann zuerst widerwillig geglaubt aber unser Gefühl sagte was anderes!Nach 2 Tagen wieder dahin und dann kam der Chef persönlich und teilte uns mit das er wüsste was los ist nach genauem Betrachten der Röntgenbilder!Die Ärztin die unseren Schatz operiert hatte muss wohl einen sogenannten Haar-Riss übersehen haben und hatte dort die Schraube befestigt!Die Platte war also ausgebrochen u.der Knochen gesplittert!Man darf jetzt nicht meinen das dieser Fehler so einfach zugegeben wurde,nein man versuchte uns zu erklären das man einen Hund nicht 24Std. überwachen könnte!Einmal nicht aufgepasst und zack wäre der Hund gesprungen….!Mir platzte bald der Kragen und ich sagte das wir nun fast 4Wochen zuhause sind und unser Kerlchen bewachen wie unseren Augapfel!Wir haben Erfahrung weil es ja nun der zweite Bruch ist!Um es abzukürzen unser Joey wurde dann nochmal operiert,alles auf Anfang,die vergangenen Wochen waren für die Katz!Jetzt haben wir 8 Wo.nach OP und nächste Woche folgt die nächste,dann wird ein Teil der Schrauben entfernt!Im Abstand von jeweils 6 Wo.folgen noch 2 weitere Eingriffe bis alles an Material raus ist! Es war und ist eine schlimme Zeit für alle Beteiligten,sind froh wenn das ab April abgeschlossen ist und unser Leben wieder normal verläuft!Wie schlimm sowas ist weiß nur jemand der das auch erlebt hat!
    Herzliche Grüße A.D.

    • Marion

      Oh mein Gott! Da habt ihr aber was hinter euch, bzw. ihr seid ja immer noch mittendrin. Ich wünsche gute Besserung und dass Joey danach nur noch gesund und munter bleibt.

      Und: Ja, wie schlimm so was ist, kann wirklich nur jemand wissen, der das erlebt hat.

      Ganz liebe Grüße und vielleicht magst du im April noch kurz berichten, wie es Joey geht.

  • A.D.

    Danke für die Genesungswünsche werde nochmal schreiben wenn alles überstanden ist!Hat mal gut getan sich mit einem Leidgefährten auszutauschen!

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