Sei der Rudelführer…und lasse niemals Deinen Hund vor Dir durch die Türe gehen…

Immer wieder – oder immer noch – bekommen Hundehalter Ratschläge erteilt, mit denen das angeblich dominante Verhalten des Hundes im Keim erstickt werden soll. Zum einen sorgen solche Tipps eher für verwirrte Halter und Hunde und zum anderen wird Unsicherheit und Angst des Hundes gerne mit Dominanz verwechselt.

Ich Mensch, das Alphatier

Einige Hundehalter sind der Überzeugung, sie könnten mit aggressiven oder auch eher lächerlichen Methoden den Platz des Alphatieres einnehmen. Ein Alphatier übernimmt die Verantwortung für sein Rudel und dieses Rudel funktioniert nur dann, wenn der Rudelführer Sicherheit und Schutz vermittelt. Dies kann er nicht tun, wenn er sich aggressiv verhält. Hundehalter, die zur gewaltsamen Erziehung neigen, werden aus ihrem Vierbeiner ein ängstliches und unsicheres Wesen machen, das scheinbar gehorcht. In Wirklichkeit schleicht der Hund mit ständiger innerer Anspannung neben oder hinter seinem Menschen, um Strafen zu vermeiden.

Auch die Techniken, die immer wieder angepriesen werden, haben meines Erachtens nichts damit zu tun, ob mich mein Hund ernst nimmt oder nicht. Zerrspiele solle man gar nicht machen und wenn, soll der Hund niemals gewinnen. Ein an der Leine ziehender Hund will die Führung übernehmen…so die Theorie. Vielleicht hat der Halter es aber einfach versäumt ihm beizubringen, an lockerer Leine zu laufen? Wenn dem Hund erlaubt wird, draußen vor der Türe zu liegen und das Geschehen zu beobachten, übergibt man ihm angeblich den Posten des Alphatieres. Eine Fellnase hat auch bitteschön niemals ein Spiel anzufangen oder zu beenden, denn auch dies sei Aufgabe des Rudelführers. Der Hund hat immer hinter einem zu gehen, niemals vor dem Halter….

Das sind nur Beispiele von den Theorien, mit denen einem Hund verdeutlicht werden soll: Ich, Mensch, Alphatier!

Der wahre Rudelführer zeigt sich souverän

Manche Hundhalter möchten ihren Hund beherrschen, so wie sie das Autofahren beherrschen oder sich vielleicht auch wünschen, einmal irgendwie das Sagen zu haben. Sie möchten also der Rudelführer sein und sind davon überzeugt, sie müssen Stärke beweisen, indem sie oben genannte Erziehungstheorien verfolgen und dem Hund mit Härte und Unterdrückung klar machen, wer hier das Rudel anführt. Da wird wie verrückt an der Leine geruckt und die Kommandos werden schreiend erteilt. Spaß versteht solch ein selbsternannter Rudelführer nicht und spielerelisches Lernen wird als Quatsch definiert. Der Hund mag vielleicht gehorchen, aber garantiert nicht, weil er dem cholerischen Halter vertraut, sondern weil er schlicht und ergreifend Angst hat und sich lieber geduckt verhält, um Strafen zu vermeiden. Ein tolles Team (Ironie!). Würde so ein hündischer Rudelführer agieren, wäre sein Rudel nicht überlebensfähig. Angst blockiert und lässt sichere Verhaltensweisen nicht zu. Zudem kann ein ängstlicher Hund aggressiv reagieren.

Ein echter Rudelführer zeigt sich souverän. Er handelt ruhig und sicher. Fälschlicherweise wird oftmals davon ausgegangen, dass ein Hund, der Konflikte auf aggressive Weise versucht zu regeln, ein geborener Rudelführer sei. Dem ist jedoch nicht so. Rudelmitglieder können solchen Hunden nicht vertrauen, denn sie bieten dem Rudel weder Schutz noch Sicherheit an. Dagegen wirkt ein wahrer Rudelführer ausgeglichen und selbstbewusst. Er wird beispielsweise einem jungen Hund kurz und schmerzlos zeigen, dass dieser im Spiel zu weit gegangen ist.

Was bedeutet dies nun für den menschlichen „Rudelführer“?

Ein Mensch-Hund-Team funktioniert nur dann, wenn sich der Hund auf seinen Menschen verlassen kann und umgekehrt. Erzieht man einen Hund mit aggressiven Methoden, muss man damit rechnen, dass sich die innere Anspannung des Hundes nach außen ablädt und dies geschieht meistens durch Schnappen und Beißen. In dem Fall darf sich der Mensch an die Nase packen, denn er hat das Ganze zu verantworten.

Dann zu den Beispielen, die ich oben erwähnt habe: Du lässt Deinen Hund hinter Dir durch die Türe gehen und falls Du überhaupt Zerrspiele mit ihm machst, bist Du immer der Sieger. Du glaubst tatsächlich, dadurch würde Dich Dein Hund als Rudelführer anerkennen? Oder gehört vielmehr eine konsequente Erziehung dazu, die ruhig und mit Geduld ausgeführt wird?

Ein Hund, der fröhlich sein darf und spielerisch lernt, wird Dich auch dann als Rudelführer anerkennen, wenn Du ihn vor Dir durch die Türe gehen lässt. Zudem muss Dein Vierbeiner wissen, was Du von ihm erwartest. Wenn Du ihm heute erlaubst, an der Leine zu ziehen und am nächsten Tag erwartest, dass er locker an der Leine läuft, handelst Du inkonsequent. Der Hund wird Deine Launen nicht verstehen. Möchtest Du ihm etwas beibringen, so tue das regelmäßig, gut dosiert und ruhig. Spreche mit ihm in leisem Ton. Würde Dich Dein Boss anbrüllen, würdest Du ihn auch nicht für voll nehmen.

Handle wie ein hündischer Rudelführer und zeige kurz und schmerzlos, wenn etwas unerwünscht ist. Dazu reicht in der Regel ein strenger gesprochenes „Nein!“ zum richtigen Zeitpunkt. Hat Dein Hund vor einer Stunde Deine Schuhe in Einzelteile zerlegt, wird er Dein „Nein!“ nicht mit der unerwünschten Handlung verbinden können.

Beachte die Stärken Deines Hundes und konzentriere Dich auf das, was er schon sehr gut macht. Erziehe also in erste Linie und überwiegend mit positiver Verstärkung, statt dauernd zu strafen. Im Grunde lässt sich das auf ein Mensch-Mensch-Team übertragen. Ein Team funktioniert um so besser, je mehr auf die Stärken der Mitglieder eingegangen wird. Zeige Deinem Vierbeiner auf ruhige und konsequente Art die Regeln, die er befolgen muss, damit das Zusammenleben harmonisch funktioniert. Wenn Ihr ein echtes Team geworden seid, wird Dir Dein Hund auch dann weiterhin folgen, wenn Du hinter ihm durch die Türe gehst.

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