Filou – unser neuer Mitbewohner

Ich möchte euch erzählen, wie wir über Max – der gar nicht Max heißt – und indirekt auch über Milo an Filou kamen. Und ich möchte euch ebenso über wirklich guten Tierschutz berichten, den wir durch Filou erlebt haben.

Die Bretagne und der Max

Wie jedes Jahr brachen wir im Sommer zu unserer Tour auf: Ab in den kühleren Norden. Mitte Juli kamen wir an unserem Lieblingsplatz in der Bretagne an. Einen Tag später stand Max an unserem Wagen, ein English Setter mit englischer Höflichkeit. Emma fand ihn zunächst etwas unheimlich: Großer Hund, der angeflitzt kam. Sie knurrte – sie knurrt, seitdem sie gebissen wurde und sie knurrt aus Angst. Max, wie wir ihn nannten, drehte den Kopf sehr übertrieben weg und verharrte in dieser Stellung, bis Emma ihre Angst losließ. Genial gut hat er das gemacht. So wurden die Zwei Freunde.

Max schien ein streunender Dorfhund zu sein. Er trug ein Halsband, an dem eine Metallplatte mit eingravierter Telefonnummer befestigt war. Max war dünn, aber zunächst machten wir uns keine Gedanken um ihn. Dorfhunde gibt’s in Frankreich genug. Also schien sich jemand um ihn zu kümmern. Anfangs war er etwas ängstlich, ließ sich nicht anfassen und auch am Halsband mochte er nicht angefasst werden. Aber als Streuner ist es ja nicht verkehrt, ein bisschen Abstand zu fremden Menschen zu halten.

Im Laufe des Sommers füllte sich der Campingplatz, wenn er auch nie wirklich voll ist. Auch andere Camper lernten Max kennen und fanden ihn viel zu dünn. Max kam immer wieder zu uns und stand oft morgens beim Spaziergang plötzlich bei uns und ging dann mit uns mit. Mitte August leerte sich der Platz langsam wieder. Max war immer noch da. Er wurde immer dünner. Die Rippen und die Beckenknochen standen hervor. Weil er so dürr war, haben wir ihm dann Futter gegeben. Er kam eh immer wieder zu uns. Also konnten wir ihn auch füttern.

An einem Freitag dann wollten wir morgens zum Markt fahren. Max wurde schon nervös, als wir unsere Sachen packten und uns in den Wagen setzten. Er lief hinter unserem Wagen her und als wir an der Entsorgungsstelle des Platzes stoppten, um unseren Abwassertank zu leeren, legte Max sich vor unseren Wagen. So nach dem Motto: Nö, ihr fahrt nicht ohne mich weiter.

Wir hatten vorher schon darüber geredet, Max eventuell aufzunehmen. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, an dem wir diese Telefonnummer anrufen wollten, die auf der Marke des Halsbandes stand. Mit unseren Französischkenntnissen hätten wir aber nichts anders erreicht, als viele Fragezeichen im Kopf des Menschen am anderen Ende der Telefonleitung zu hinterlassen. So fragte ich die Leute der Rezeption, ob sie für uns anrufen könnten. Gesagt getan und um es abzukürzen: Die Besitzer waren eher genervt und sie mussten auch zwei Mal angerufen werden, bis sie sich mal in Bewegung setzten. Der Halter beförderte Max wie ein Stück Werkzeug ins Auto und mehr wird der Hund für ihn auch nicht gewesen sein. Die Frage, ob er uns Max übergibt, überhörte er geschickt oder eher ungeschickt. Er schaute mich auch nicht an. „Merci“ und weg war er.

So ein Mist. Damit hatten wir Max überhaupt keinen Gefallen getan. Jetzt kam er natürlich nicht mehr, zumal die Frau der Rezeption ihn auch auf den unterernährten Zustand des Hundes ansprach. Fortan hatte ich ziemlich schlaflose Nächte, die ich mit googlen verbrachte. Dadurch erfuhr ich, dass es die Jagdhunde Frankreichs nicht besser haben als die in Spanien. Wie konnten wir ihm helfen? Wie konnten wir ihn dort herausbekommen? Alle Ideen, die uns einfielen, waren nicht sehr hilfreich. Ich suchte auch noch Tierschutzvereinen, aber wir wussten ja noch nicht einmal wo er wohnt.

Letztlich ließen wir ihn innerlich los. Diesem Hund konnten wir leider nicht helfen.

Eines Abends gingen wir mit Emma los. Sie lief über die Brücke am Bach in die Dünen und kam nach kurzer Zeit freudig zurück … und hatte ihn im Schlepptau:

Er begrüßte uns und wir ihn. Beim Knuddeln merkte ich, dass seine Ohren nicht mehr voller Kletten hingen. Auch sah es so aus, als hätte er ein bisschen zugenommen. Er trug noch dasselbe Halsband, aber ohne Telefonnummer-Marke. Und dann hörte ich eine Frau rufen: „Nemo, ici, Neeemoooo“. Ich ging der Stimme nach und sah eine Frau, die nach einem Hund und ganz offensichtlich nach Max Ausschau hielt. Wenige Meter entfernt stand ihr Mann auf einem Hügel, der ebenfalls in unsere beziehungsweise in Max Richtung schaute. Max, der Nemo heißt, kam angerannt, lief zur Frau und an ihr vorbei zu einer anderen Stelle des Bachs.

Ich sprach die Frau an und fragte, ob ihr der Hund gehöre. Sie sagte: „Ja, jetzt, noch nicht lange“. Also hatte der Mann Max/Nemo abgegeben oder er wurde dort herausgeholt. Die Frau sprach nicht viel englisch und ich kaum französisch, somit konnte ich nicht näher nachfragen. Fakt ist aber, dass es Nemo gut geht und das hat uns sehr gefreut.

Filou – einmal gesehen und nicht mehr losgelassen

Bei der Recherche nach einem Tierschutzverein stieß ich mehrmals auf diese Seite mit Bildern von Filou:

Der Hund ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Fotos und der dazugehörige Text standen auf der Seite hunderettungfrankreich.wordpress.com.

Filou hat eine traurige Geschichte. Er lebte von Welpe an in einer Familie. Zu Anfang in einer Wohnung, alles paletti, es Kinder, eine Katze, alles lief gut. Dann zogen die Leute um, dort war er offensichtlich bei 1,10 Zaunhöhe auch mal abgehauen, aber auch das war noch nicht das Problem. Er entwickelte Hautprobleme, möglicherweise war es eine Flohallergie. Die Bilder zeigen die verwarzte und vernarbte Haut gut. Es scheint, als wäre den Leuten die Puste ausgegangen, denn alles was ihnen dann einfiel, war ihn in einen Verschlag zu sperren (wegen der Flöhe!) und es wirkt ein bisschen so, als haben sie ihn dort vergessen. Als er vom Tierheim eingezogen wurde, war er sehr unterernährt. Langsam berappelt er sich, aber es dauert. Er ist total lieb, hat in seiner Vergangenheit sogar mit einem Hasen zusammengewohnt, auch Rüden in der Box gemeinsam sind kein Problem. Wir erhoffen uns für diesen Oldie ein ganz, ganz liebevolles Zuhause, dass diese menschlichen Versagen wieder ausmerzen kann. Filou hat es ganz besonders verdient. Ach ja, Autofahren kann er auch gut. (Aber nur auf dem Beifahrersitz, denn er ist ein neugieriger Geselle). Es fallen nur die Transportkosten an.

Namen : Filou

Rasse : Labi Cocker mix

Geschlecht : Mannlich Intakt

Geboren : 29/11/2010

geimpft, gechipt, EU-Pass, Traces, reisefertig

Seit Milo dachte ich oft an einen zweiten Hund. Es war schön mit den beiden Hunden und es war einfach auch schön, einem älteren Hund ein Zuhause zu geben. Warum also nicht noch einmal einen nicht mehr ganz so jungen Hund aufnehmen? So zeigte ich Gerd die Seite und Filou. Ich war überzeugt, dass Filou und Emma sehr gut zusammenpassen. Es war irgendwie ein gutes Gefühl im Spiel – warum das so war, kann ich gar nicht sagen. Und so schrieb ich an eine der Mail-Adressen, die unter dem Text standen. Das konnte ich in meiner Muttersprache tun. Es kam sehr schnell eine Antwort und die Bitte um ein Telefonat. Natürlich waren sie erfreut, dass jemand Interesse an Filou hatte. Schwarzer Hund und dann auch noch fast 9 Jahre alt – solche Hunde haben es schwer und oft bleiben sie bis an ihr Lebensende im Tierheim sitzen. Frau Christine Munsch erzählte mir alles über Filou, beantwortete auch meine Fragen und wir sprachen darüber, wie und wo wir ihn abholen könnten. Anschließend wurde mir ein Fragebogen zugesendet, den ich ausgefüllt wieder zurückschicken musste.

Was mir sehr gut gefiel war die Ehrlichkeit dieser Tierschutz-Initiative. Schaut man sich die Texte anderer Hunde an sieht man, dass über die Stärken und über die Schwächen der Hunde berichtet wird. Schwächen im Sinne von Verhaltens“fehlern“ oder Erkrankungen usw. Es wird genau geschaut, ob der Hund zum Interessenten passt. Im Fragebogen sollte man auch unter anderem angeben, welche Eigenschaften der Hund nicht haben sollte.

Was mir ebenso gut gefiel war die Freundlichkeit von Frau Munsch aber auch von anderen Mitarbeiterinnen. Wenn ich Fragen hatte, konnte ich die stellen und sie wurden sehr zeitnah beantwortet. Es geht hier tatsächlich um die Hunde und auch darum, dass Menschen und Hunde zusammenpassen.

Filou war seit Anfang August im Refuge SPA de Poitiers und konnte die letzte Woche vor der Übernahme bei einer Pflegestelle wohnen. Wir überlegten, wie wir es für Filou und auch für Emma am besten machen, sodass sie sich in Ruhe aneinander gewöhnen können und Filou auch erstmal in Ruhe uns kennenlernen kann. Frau Munsch erzählte mir, dass ein Transporter am 6. September in die Nähe von Nantes fährt. Dort ist ein anderer Verein namens Hathi, der Jagdhunde aus der Tötung holt und vermittelt. Wir schauten auf die Karte und sahen, dass nur 45 km weiter der Campingplatz in Bains sur Oust liegt. Dort waren wir schon öfter und um diese Zeit ist es da leer und er liegt mitten in der Natur. Ideal für Filou und für Emma und für uns.

Ja und dann gabs das Ok. Filou wurde also nach Hathi transportiert und dort konnten wir ihn am 6. September nachmittags abholen. Als das alles klar war, fragte Frau Munsch, ob ich in einer geschlossenen Facebook-Gruppe für die Adoptanten sein möchte. Dort sind auch die Mitarbeiter der Vereine und der Organisation Mitglieder. So kann man in Kontakt bleiben und sie freuen sich über Fotos und Berichte der adoptierten Hunde. Finde ich genial gut. Hier heißt es also nicht „Aus dem Auge, aus dem Sinn“. Zudem schickte mir Frau Munsch noch vier Videos, die auf der Pflegestelle gedreht wurden, wo Filou die letzte Woche verbrachte. Also, alles wirklich sehr gut organisiert und ich fühlte mich sehr gut betreut – oder wie man es nennen soll.

Es war schön, alles für ihn vorzubereiten. So holten wir für Filou ein Kissen, eine Decke für kühlere Nächte, Halsband, Napf und einen Adressanhänger. Später wird er auch so eine Namensmarke aus Biothane bekommen, wie Emma sie hat: Vorne Hundename, hinten beide Handy-Nummern.

Die Zeit bis dahin verbrachten wir in Gouarec und Saint Congard. Es war für uns eine ungewohnte Situation. Sonst finden wir die Hunde oder sie kommen zu uns. Jetzt hatten wir uns einen Hund ausgesucht und konnten vorbereiten. Das war schon wirklich aufregend, aber im positiven Sinne.

Der Tag der Ankunft von Filou

Freitagmorgen fuhren wir von Saint Congard aus zum Verein Hathi bei Nantes. Wir waren ziemlich pünktlich *hust*. Um 15h30 sollte der Transporter ankommen. Wir waren dann gut 2 ½ Stunden eher da. Aber ok, besser zu früh als zu spät. Wir lernten dann auch Florence kennen, die Hathi leitet. Eine sehr sympathische Frau mit ganz großem Herz. Die Jagdhunde, die zu ihr kommen, leben nicht in Zwingern, sondern wie in einer großen Meute. Sie können tagsüber auf einem sehr großen, eingezäunten Grundstück sein und nachts schlafen sie alle in einem Schlafraum. Es ist alles so gut durchdacht und die Hunde sehen sichtbar glücklich aus. Zudem gibt’s noch ein Krankenzimmer. Also, man merkte ihr an, dass sie mit vollem Herzen dabei ist.

Wir erzählten und erzählten und somit war es auch nicht ganz so schlimm, dass der Transporter etwas später als angekündigt ankam. Der Wagen fuhr in den Hof von Hathi, Tor wurde geschlossen, sodass nichts passieren konnte. Sehr sehr gut geregelt. Ja und dann ging die Wagentüre auf und ich sah Filou. Also, es waren noch andere Hunde da, aber in dem Moment hatte ich nur Augen für Filou.

Emma saß in unserem Wohnmobil und wartete. Ihr hatte ich vorher schon immer wieder von Filou erzählt *grins*. Zumindest war ihr jetzt der Name bekannt und nun sah sie, wer dahinter steckte. Sie begrüßte Filou freundlich, wir gingen ein Stück mit den Hunden über eine große Wiese und dann fuhren wir nach Bains sur Oust, das keine Stunde Fahrt war. Wir wussten bereits, dass Filou keine Probleme mit Autofahren hat und so war es auch. Er akzeptiert alles sehr schnell und ist lernbereit. Emma fährt vorne mit. Zwischen dem Beifahrer- und dem Fahrersitz ist für sie ein Platz gemacht. Dahinter ist der Durchgang zum Wohnraum und davor steht eine Kiste, in der alle Hundesachten aufbewahrt sind und die wir für die Hunde als Treppe nutzen, damit sie besser ins Wohnmobil springen können.

Auf dieser Kiste liegt ein dickes Kissen und den Platz hatte Filou sich zum Mitfahren ausgesucht. So kann er nach draußen schauen oder sich hinlegen und dösen. Beide Hunde sind natürlich angeleint.  Emma fand das zuerst noch etwas doof, dass Filou direkt so nah kam, aber es dauerte nur wenige Minuten und es war für sie ok.

Für Filou muss das alles seltsam sein: Raus aus dem Verschlag des vorigen Zuhauses, dann zum Tierschutzverein, wo er endlich gegen seine Flohbissallergie behandelt wurde (man sieht es noch an den kahlen Stellen und der verdickten Haut – seine vorigen Besitzer haben sich leider nicht gekümmert). Danach zur Pflegestelle und jetzt zu uns. Ganz schön viel, was so ein Hund verarbeiten muss.

Umso bewundernswerter ist es, wie Filou sich macht. Irgendwie hatte er direkt Vertrauen zu uns, obwohl er scheinbar fremde Leute nicht ganz geheuer findet. Begegnen uns bei den Spaziergängen Menschen, wir er ganz langsam und hat einen „besorgten“ Blick – und ist erleichtert, wenn nichts passiert ist und wir vorbeigegangen sind. Auch auf den Campingplätzen kommentiert er noch viele Leute mit einer Stimme, die einen großen Hund vermuten lässt. Gar nicht böse, sondern einfach unsicher.

Ansonsten ist er aber gar nicht unsicher. Filou beobachtet, wie unsere Routinen ablaufen und richtet sich dann danach. Irre, wie er das macht. Emma macht ihm ab und zu noch Ansagen, so nach Emma Art: Mal kurz anbellen oder auch mal knurren. Filou akzeptiert es genauso, wie es Milo gemacht hat. Somit ist es für Emma leicht, sich immer mehr Filou zu nähern. Am ersten Abend hat sie draußen schon eine Spielaufforderung gemacht und ihm einen Stock gebracht. Es ist wie mit Milo: Emma bleibt Emma, verhält sich wie immer und hat keine Probleme mit Filou.

Er ist ein ruhiger Typ mit kleinem Dickschädel. Das zeigt sich aber eher draußen: Wenn er etwas schnüffeln will, dann will er das – ok, aber auch verständlich, schließlich hat er jetzt sein Facebook und muss sämtliche Posts und Nachrichten lesen. Wie gesagt ist er lernbereit. Zeigt man ihm einmal was, nimmt er das schnell an. Zum Beispiel seine Liegeplätze: Abends soll er noch auf dem Boden schlafen – natürlich auf seinem Kissen und seiner Decke. Ich möchte nicht noch einen Hund bei mir im Bett haben, denn schließlich brauche ich auch noch Platz für mich. Zudem wäre es für Emma noch zu früh, dass sie den vorderen Fahrerraum mit ihm teilt. Das ist für die Zukunft geplant – ob der Plan aufgeht, wird sich dann zeigen. Tagsüber darf Filou aber auf meinem Bett liegen und zwar dann, wenn sein Kissen darauf liegt. Das hat er also vom ersten Tag an angenommen und akzeptiert.

Der erste Abend verlief schon völlig unkompliziert. Heute Abend – zweiter Abend für Filou: Ich habe ihm seinen Schlafplatz zurecht gemacht, er kommt rein, rollte sich zusammen und schläft. Und: Heute Nachmittag hatte ich mich hingelegt. Ich lag in Seitenlage, Beine etwas angewinkelt. Emma lag vor meinem Oberkörper und Filou lag hinter meinen Beinen eingerollt.

Also, bisher verläuft alles bestens und unkompliziert. Jetzt muss nur noch seine Haut heilen, was sicherlich Zeit braucht. Wir fahren morgen wieder zu unserem Lieblingsort in der Bretagne am Atlantik. Die Meeresluft dort tut der Haut gut – das merke ich auch jedes Jahr an meiner eigenen Haut. Zudem ist es da jetzt herrlich leer und ruhig. Dort werden wir noch eine Weile verweilen, bevor wir nach Hause tuckern. Aber auch die Rückfahrt fahren wir schön langsam und gemütlich.

Wie es weiter geht, werde ich dann berichten.

Und hier noch ein paar Fotos von gestern:

Und von heute:

Falls ihr auf der Suche nach einem Hund seid: Hunderettung Frankreich kann ich euch sehr empfehlen.

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