Gute Reise lieber Milo

Milo ist heute Abend am 22. April 2019 über die Regenbogenbrücke gegangen.

Lieber Milo,

du kamst unverhofft in unser Leben. Vor etwas mehr als vier Monaten haben wir dich kennengelernt: Zitternd vor Kälte, hungrig und erschöpft. Du konntest nur mehr als langsam gehen und das ganz steif. Ich werde wohl nie vergessen, wie sehr du dich über eine Decke an der Heizung gefreut hast.

Wir haben miterlebt, wie du allmählich wieder lebenfröhlicher wurdest. Irgendwann bist du sogar gelaufen, so ganz locker und federnd – so ganz Podenco. Du hast es geliebt, deine langen Beine zu bewegen.

Du hast dich ebenfalls jeden Abend über dein weiches Kissen gefreut und deine Schlumpfnase unter die Decke geschoben. Du hast den Garten geliebt und wolltest draußen sein. Wir werden dich bestimmt noch lange gedanklich unter diesem bestimmten Olivenbaum liegen sehen.

Wir werden wohl auch nicht vergessen, wie du eines Tages deine Stimme hören ließest. Ein Hund bellt draußen? Wir saßen mit Emma am Fenster und bestaunten dich und dein Bellen. Eine Zeit lang hast du jeden Morgen gebellt – und du hast mich bellend zur Eile angetrieben, wenn ich dein Frühstück nicht schnell genug serviert hatte.

Ich könnte noch mehr aufzählen und erzählen. Es war traurig für uns zu sehen, wie du dann doch wieder anfingst abzubauen. Kein morgendliches Bellen mehr. Laufen, traben – das funktionierte nicht mehr. Die Spaziergänge wurden kürzer und kürzer und du konntest wieder nur ganz langsam gehen. Du hast in letzter Zeit so oft enttäuscht gewirkt, wenn du dich auf die Spaziergänge gefreut hast, loslaufen wolltest und dann festgestellt hast, dass es nicht mehr ging. Deine Hinterbeine rutschen weg und du fielst oft hin.

Im Garten hat man dir längere Zeit dein mangelndes Augenlicht nicht angemerkt. Du kanntest dich gut aus. Aber dann begann es, dass du selbst gegen die Bäume gelaufen bist. Es tat uns in der Seele weh, denn allmählich wurde klar, dass du nicht mehr du sein konntest. Letztlich hast du wieder Blut verloren, viel Blut, mehr als am Anfang. Deine Prostatabeschwerden waren wieder da.

Nein, nicht noch einmal solltest du so leiden, wie du es getan hast, bevor du zu uns kamst.

Wir hätten dir gerne noch mehr von der Welt gezeigt. Grüne, weiche Wiese unter deinen Pfoten – ich hätte es dir so gerne geboten. Ich will mir einfach vorstellen, dass du dort, wo du jetzt bist, grüne weiche Wiese spürst. Und ich will mir einfach vorstellen, dass du jetzt wieder trabst, ganz locker und federnd, ganz Podenco.

Ein letztes Mal Picknick mit dir, ein letzter Kuss auf deine Schlumpfnase – ich hoffe, es hat dir bei uns gefallen. Wir sind jedenfalls dankbar, dass du vier Monate deines Lebens mit uns geteilt hast.

Gute Reise und ein wunderbares Leben in der anderen Welt!

Wir werden dich nie vergessen,

leb wohl, lieber Milo, lieber Schlumpf

Vier Monate lebten wir mit Milo zusammen – nur vier Monate und trotzdem fiel es uns verdammt schwer Abschied zu nehmen. Von Milo kann man wirklich behaupten: Er war dankbar. Dankbar für so viele Kleinigkeiten wie ein weiches Kissen, abends zugedeckt zu werden, gestreichelt zu werden und täglich regelmäßig drei Mahlzeiten zu bekommen.

Er war tagsüber gerne und die meiste Zeit draußen in Garten. Die letzten drei Tage war er freiwillig drinnen. Auch suchte er in den letzten Tagen sehr stark die Nähe zu mir.

Milo durfte in seinem Garten die Reise in die andere Welt antreten und er hat den Platz bekommen, auf dem er sehr gerne lag. Dort hatte er sich in mühevoller Arbeit eine Liegemulde geschaffen – im Schatten, an einem Strauch und in Nähe der Haustüre.

Wir brauchen noch eine Weile, um diesen Verlust zu verarbeiten, aber Milo wird in unseren Herzen weiterleben.

10 Kommentare

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.