Erfahrungsbericht: Hund aus dem Auslandtierschutz

Hund aus dem Auslandtierschutz – heute berichtet Franziska von ihren Erfahrungen. Sie und ihre superschöne Hündin Rosa habe ich durch Zufall bei Facebook entdeckt – und ich war und bin von diesem Hund-Mensch-Team begeistert. Außerdem gibt es ein berührend schönes Video, das ich euch auch unbedingt zeigen möchte.

Zunächst ein paar Fragen zu deinem Hund: Wie lange lebt er schon bei dir? Wie alt ist dein vierbeiniger Freund? Welche Rasse oder welcher Mischling ist dein Hund? Hündin oder Rüde? Kastriert oder nicht?

Meine Hündin heißt Rosa und sie kam im Alter von knapp 2 Jahren zu mir. Rosa war circa 4 Monate alt, als sie von der Polizei auf der spanischen Straße eingefangen und ins Tierheim gebracht wurde. Dort lebte sie, bis ich sie am 01. März 2015 nach Deutschland holte. Zu dem Zeitpunkt war Rosa bereits kastriert. Sie ist eine Mischung aus Podengo Português und irgendetwas anderem.

Wo hast du deinen Hund entdeckt – wie bist du auf ihn aufmerksam geworden?

Ursprünglich hatte ich mich für einen Schäferhund-Mix der Organisation Far from Fear e.V. interessiert. Beim ersten Kennenlernen bei der Pflegestelle funkte es aber nicht und man riet mir, doch mal die Kategorie „Pflegestelle gesucht“ durchzugucken. Dort stieß ich auf Rosa und von der Beschreibung passte sie 100% zu mir. Wenige Wochen später zog sie dann bei mir ein.

Wie war der Verlauf von deiner  Anfrage beim Tierschutzverein bis zur Zusage, dass du den Hund bekommst? Welche Voraussetzungen musstest du mitbringen, damit dir der Tierschutzverein den Hund übergibt?

Zunächst einmal musste ich einen Selbstauskunftsbogen an Far from Fear senden. (Dies hatte ich bereits bei Interesse am Schäferhund-Mix getan.) Der Plan war, dass ich Rosas Pflegestelle werde – mit vorprogrammierten Pflegestellen-Fieber. Auf diesem Weg blieb Rosa eine Zwischenstation auf dem Weg in ihr neues Zuhause erspart. Bei Far from Fear laufen die Vermittlungen i.d.R. alle über Pflegestellen, was ich persönlich auch viel sinnvoller finde als Direktvermittlungen. Grundvoraussetzung für die Möglichkeit, Rosas Pflegestelle zu werden, war jedoch eine Vorkontrolle. Bei dieser wurden unser Grundstück und meine Wohnung inspiziert, mir wurden viele wichtige Fragen gestellt und ich erhielt ebenfalls wichtige Informationen zum gesamten Ablauf.

Erzähle doch ein bisschen über die Ankunft deines Hundes

Zunächst einmal kam Rosa nicht an. Und das gleich zweimal. Der erste Transport fiel aus, weil der Wagen kaputt war, der zweite Transport fiel aus, weil der Ersatzwagen nicht verfügbar war. Zweimal wurde ich also vom Verein mit schlechten Nachrichten angerufen. Jedes Mal rutschte mir das Herz in die Hose, weil ich fürchtete, Rosa wäre gestorben oder in Spanien vermittelt worden.
Nach dem zweiten Mal und mit der Aussicht, statt zwei Tagen noch weitere zwei Wochen warten zu müssen, schlug meine Mutter vor, Rosa mit dem Auto aus Spanien zu holen. Das wären allerdings 24 Stunden reine Fahrtzeit gewesen. One Way. Glücklicherweise gab es für das kommende Wochenende einen günstigen Flug nach Alicante und zurück und so flog ich Samstagvormittag dorthin, bekam Rosa in die Hand gedrückt, verbrachte 24 aufregende Stunden in Spanien und flog Sonntagnachmittag mit Rosa zurück nach Deutschland. Rosa und ich gehörten sofort zusammen.

Entsprachen die Angaben des Tierschutzvereines über den Hund den Tatsachen?

Zu 100%. Es hieß, dass Katzen toleriert werden und das Verhalten mit Hunden sehr gut ist. Wir haben zwei Hofkatzen, von denen Rosa die eine komplett ignoriert und den jungen Kater begrüßt sie stets freundlich. Fremden Katzen möchte sie ab und zu hinterher rennen, jedoch nicht bösartig. Bei anderen Hunden kann ich mich komplett auf Rosa verlassen. Sie muss in den ersten vier Monaten auf der Straße und in der Zeit im Tierheim gelernt haben, wie man korrekt kommuniziert. Aggressiven Hunden geht sie aus dem Weg, sie sucht keinerlei Streit, weiß Ärger aus dem Weg zu gehen und gibt auf vernünftige Art und Weise Bescheid, wenn ihr ein fremder Hund zu nahe kommt.

Des Weiteren wurde Rosa als lebenslustige und fröhliche Hündin beschrieben, die Menschen (egal ob groß oder klein) lieben würde und sich gerne beschmusen lasse. Rosa ist definitiv freundlich allen Menschen gegenüber und ich kann sie überall mit hinnehmen. Da ich als Ergotherapeutin arbeite und sie nicht alleine zuhause lasse, muss ich das auch. Sie ist jedoch vor allem auf mich fixiert und zeigt deutlich mehr Interesse an Menschen, wenn diese Leckerlis dabei haben. Das finde ich persönlich aber auch schöner, weil sie nicht auf jeden zugeht und man sich geehrt fühlen kann, wenn Rosa von sich aus zum Schmusen kommt.

Die Mittelmeer-Checks waren auch nach sechs monatiger Überprüfung negativ, wie angegeben.

Wie gestaltete sich die erste Zeit mit deinem Vierbeiner? Gab es Probleme? Gab es Ansprechpartner des Tierschutzvereines, an die du dich wenden konntest?

Die erste Zeit mit Rosa verlief absolut problemlos (und das hat sich auch nie geändert). Ich hatte mir für die erste Woche freigenommen und nur für den Freitag wenige Patienten eingeplant, sodass ich testen konnte, wie der Berufsalltag mit Hund ist. Die ersten Tage hat sie sich also eingelebt, wir haben schöne Spaziergänge gemacht und ausgetestet, wie sich Rosa in verschiedenen Situationen verhält (z.B. alleine bleiben). Auch lernten wir die Hundefreunde im Dorf kennen.

Für den Notfall hatte ich stets viele Ansprechpartner bei Far from Fear e.V., die mir bei Problemen beiseite gestanden hätten. (Etwa ein Jahr später hatte ich einen Galgo mit massiven Verlustängsten zur Pflege und der Verein stand mir zu jeder Tages- und Nachtzeit unterstützend zur Seite!)

Wie würdest du heute die Beziehung zwischen dir und deinem Hund beschreiben? Und wie würdest du deinen Hund beschreiben?

Rosa ist für mich der berühmte „Seelenhund“ oder, wie ich auch gerne sage, „ein 6er im Lotto mit Zusatzzahl“. Das einzige Problem, was wir haben, ist ihr Jagdtrieb und selbst der ist für einen Podenco-Mix absolut überschaubar. Sie bleibt bei mir (auch ohne Leine), wenn das Wild in einiger Entfernung über das Feld läuft. Sie zischt nur ab, wenn sie quasi auf einen Hasen drauftritt. Und selbst dann bin ich mir zu 100% sicher, dass sie wiederkommt. Die letzte Jagd ist allerdings schon fast ein Jahr her – toi toi toi!

Rosa ist ein Traum von Hund. Sie ist der beste Hund, den ich mir als Ersthundehalterin wünschen konnte: unkompliziert mit Mensch und Tier, ich kann sie überall mit hinnehmen, sie hat keinerlei Ängste (Großveranstaltungen findet sie klasse – wo viele Menschen sind, gibt es potentiell viel Futter, Silvester verschläft sie) und wir beide machen ganz viel Teamsport zusammen: Wandern, Canicross, Dogscooter fahren. Prinzipiell ist Rosa für alles zu haben und sie ist glücklich, solange wir beide zusammen sind. Und ich bin das auch. Sie hat mein Leben noch lebenswerter gemacht.

Würdest du diesen Tierschutzverein weiterempfehlen? Was hast du als gut und was als verbesserungswürdig empfunden?

Definitiv! Ich habe rein gar nichts an Far from Fear e.V. auszusetzen. Wie bereits erwähnt, finde ich es sehr sinnvoll, dass die Hundevermittlung nur über Pflegestellen läuft. Die Arbeit war für mich stets transparent und die Kommunikation freundlich und zuvorkommend. Ich unterstütze den Verein bei der alljährlichen Auktion für in Not geratene Galgos und ich würde bei einem Zweithund immer erst diesen Verein Ausschau halten.

Würdest du nochmal einen Hund aus dem Ausland nehmen?

Ja!

Hast du Vorschläge oder Hinweise an die Menschen, die gerne einen Hund aus dem Auslandstierschutz aufnehmen möchten?

Nicht jeder Hund ist ein 6er im Lotto samt Zusatzzahl, das gilt sowohl für „gebrauchte“ Tiere aus dem Auslandstierschutz wie auch für Welpen vom Züchter. Man sollte sich also durchaus bewusst sein, dass jeder Hund ein kleines Überraschungspaket ist. Ich denke, man sollte sich grundsätzlich gut über den Hund, eventuell enthaltene Rassen und natürlich den Tierschutzverein informieren. Und für alle Eventualitäten einen Plan B haben.

Holt man sich einen Hund über eine Pflegestelle, so hat dieser im Bestfall schon vieles kennengelernt und die Pflegestelle kann einem noch mehr Informationen geben. Im Idealfall kann man den Hund auch live und in Farbe kennenlernen und so feststellen, ob der Funke überspringt oder ob man doch Zweifel hat (wie bei mir und dem Schäferhund-Mix). Es ist auf jeden Fall auch sinnvoll, den Kontakt zum Tierschutzverein zu pflegen, weil dort die erfahrenen Leute sind, die einem Tipps und Hinweise geben können. So kann man auch eventuelle Probleme noch vor Entstehung lösen.

Auf jeden Fall sollte man den Hinweisen des Vereins und/oder der Pflegestelle Beachtung schenken. Bei vielen Hunden ist das die doppelte Sicherung zu Beginn. Zudem sollte man einem Hund, der gerade erst nach Deutschland gekommen ist, die Möglichkeit geben anzukommen. In den ersten Tagen ist Ruhe angesagt, das Kennenlernen der Umgebung, das Verarbeiten der vielen neuen Eindrücke. Und ich bin ein Fan von GPS-Trackern, die man den Hunden ummacht.

 

Vielen Dank fürs Mitmachen! Wer mehr über dieses tolle Hund-Mensch-Team erfahren möchte, sollte mal einen Blick auf diese Seite werfen: klickst du hier. Und Facebooker finden Rosa und Franziska unter: Rosa – Raus aus dem Tierheim, rein ins Leben.

Das berührende Video ist zwar auf Franziskas Website zu sehen, aber ich zeige es trotzdem auch  noch einmal hier:

 

Falls auch du deine Erfahrungen mit  dem Auslandtierschutz und einem Hund aus einem anderen Land teilen möchtest: Mach mit und schreib mich einfach an:

Kommentar verfassen