Zweithund: Zwei Hunde gleich doppelte Freude?

Der Trend zum Zweithund schreitet voran. Vielleicht hast auch du dir schon überlegt, deinem vierbeinigen Freund einen Kumpel zu gönnen. Aber: Bedeuten zwei Hunde doppelte Freude? Ist das Leben mit Hunden im Doppelpack einfacher? Oder kann der Schuss auch gewaltig nach hinten gehen?

Braucht ein Hund einen hündischen Kameraden?

Diese Frage kann mit einem ganz klaren „Jein“ beantwortet werden. Es gibt Hunde, die mit einem Artgenossen an ihrer Seite viel glücklicher sind als ohne. Und es gibt Hunde, die würden ihrem Menschen gerne den Stinkefinger zeigen, wenn der mit einem weiteren Hund nach Hause käme. Dazu kommt, dass nicht jeder Hund zu jedem Hund passt. Falls dein Hund unterwegs gerne andere Hunde trifft, heißt das noch lange nicht, dass er einen anderen Hund gerne in seinen eigenen vier Wänden hätte.

Bei uns war das so: Emma kam als Dritthund zu uns und hatte sich vor allem in unseren alten Rüden Lucky verliebt. Als Emma ungefähr 1,5 Jahre jung war, starb Lucky und zuvor war bereits die Kimba in die andere Welt gegangen. Nun war Emma also Einzelhund und schien damit auch recht happy zu sein.

Emma – 6 Monate jung – mit Lucky und Kimba

Wir hatten damals in der Nachbarschaft viele Hunde, die den ganzen Tag frei herumlaufen durften. Somit hatte Emma genügend hündische Kontakte und oft begleiteten uns auch Nachbarshunde bei unseren Spaziergängen. Manche Hunde durften laut Emma in den Garten kommen. Und anderen zeigte sie die rote Karte, sobald sie ihr Revier betreten wollten.

Wir Menschen fühlten uns eigentlich mit einem Einzelhund ganz wohl. Emma konnte überall mit hin und allgemein ist ein einzelner Hund willkommener als zwei oder mehr Hunde. Nahmen wir mal Hunde von der Straße auf, fand Emma das oftmals in den ersten Tagen doof. Dann arrangierte sie sich damit, aber wenn die Hunde dann in ihr neues Zuhause umzogen, war Emma sichtbar erleichtert.

Ok, also glaubten wir, dass Emma lieber Einzelprinzessin ist. Und dann nahmen wir die Lily auf, von der ich auch hier im Blog berichtete. Zunächst schienen sich die zwei Damen gut zu verstehen und Freundinnen zu werden. Allerdings war Emma zu der Zeit noch nicht voll und ganz mobil, weil sie einen Beinbruch und eine Bein-OP hinter sich hatte. Je mobiler sie wurde, desto mehr zeigte es sich, dass diese zwei Hündinnen keine Freundinnen sind. Als Lily in ihr neues Zuhause zog, war Emma wieder sichtbar erleichtert.

Dann aber nahmen wir Milo, den alten Podenco auf. Und mit ihm zeigte sich eine andere Emma, nämlich so, wie es damals mit dem Lucky war. Sie lag gerne mit ihm zusammen im Garten und bei den Spaziergängen stellte sie sich auf das Tempo Milos ein. Sie hatte vom ersten Tag nichts dagegen, dass Milo bei uns einzog. Leider lebte Milo nur noch vier Monate.

Durch die Zeit mit Milo wurde mir klar, dass Emma ein Hund an ihrer Seite gut tun würde. Es musste lediglich der passende Hund für sie sein. Und ich hatte durch die Zeit mit Milo auch wieder so richtig Lust auf einen zweiten Hund bekommen.

Letztlich entdeckte ich George beim Tierschutzverein Chance bei uns in Spanien. George war gemeinsam mit seiner Mutter und drei Brüdern von der Straße aufgenommen worden. Chance postet immer sehr viel über die Hunde bei Facebook. So konnte ich anhand der Videos sehen, dass er der ruhigste Hund der Bande war.

George zog ein und Emma hat ihn vom ersten Moment nicht nur akzeptiert, sondern gemocht oder vielleicht sogar geliebt. Die Beiden sind sich gegenseitig eine Bereicherung. Emma ist sehr sehr gerne mit George zusammen und mit ihren fast 8 Jahren spielt sie wieder mehr. Es war und ist für Emma und für George ein Glück, dass sie jetzt gemeinsam bei uns wohnen dürfen. Und wir fühlen uns mit diesen zwei Hunden ebenfalls glücklich.

Ist der Zweithund ein Garant für doppelte Freude?

Auch auf diese Frage gibt es ein klares „Jein“ als Antwort. Wie weiter oben bereits erwähnt können Hunde nicht jeden Hund gleich gut leiden. Grundsätzlich hängt es von den Hunden ab, ob die Freude auf allen Seiten verdoppelt oder halbiert wird. Aber es geht nicht nur um die Hunde, sondern auch um dich und deine anderen menschlichen Mitbewohner. Hunde sind ein Teil der Familie und somit sollte sich die gesamte Familie wohlfühlen, nicht nur die Vierbeiner – und auch nicht nur die Zweibeiner.

Manche Hundehalter holen sich zu ihrem jungen Hund einen zweiten Junghund. Das kann für ganz viel Freude auf Seiten der Hunde sorgen. Ob du damit allerdings so glücklich bist, das ist die Frage. Zwei junge Hunde, die noch viel Unfug im Kopf haben und die eventuell noch nicht besonders zuverlässig deine Kommandos beachten – das könnte deine Freude schnell schmälern.

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Ein Team aus Senior-Hund und Junghund ist ebenfalls kein Garant für doppelte Freude. Je nachdem wie die Charaktere der Hunde sind, kann sich der Senior vom Jungspund gestresst fühlen. Es ist aber ebenso möglich, dass die zwei sehr gut harmonisieren. Rüde und Rüde, Hündin und Hündin oder Rüde zu Hündin? Auch das sind Fragen, die du dir beantworten musst und auch das sind Fragen, die dir niemand beantworten kann. Niemand kann dir sagen, ob sich deine von dir ausgesuchten Hunde als Dream-Team entwickeln oder ob es eher ein Alptraum-Team wird.

Außerdem musst du dir im Klaren darüber sein, ob du viele Jahre mit zwei Hunden leben möchtest. Es kann sein, dass die Spaziergänge mit dem Zweithund anfangs oder auch längere Zeit ganz anders verlaufen, als du es jetzt mit deinem Einzelhund gewohnt bist. Ein Hund, der gerade bei dir einzieht, braucht in der Regel mehr Aufmerksamkeit. Es ist möglich, dass sich dein Ersthund ein paar „Macken“ vom Zweithund abschaut und nachahmt. Und es ist möglich, dass sich deine beiden Hunde als ideales Jagdteam entpuppen, sodass du zukünftig mit zwei angeleinten Hunden spazieren gehen musst.

Kann mein Ersthund besser mit einem zweiten Hund alleine bleiben?

Dieser Gedanke ist gar nicht so selten. Wenn der Hund nicht gerne alleine bleibt (das tun übrigens die allermeisten Hunde nicht gerne!), dann kommt dem Hundehalter manchmal die Idee: Ich hole mir einen Zweithund und dann … bellt oder jault mein Hund nicht mehr und zerkaut auch keine Dinge in Abwesenheit der Menschen. Tjaaa, wenn das mal so einfach wäre.

Falls dein Hund jault oder bellt oder Dinge zerstört, sobald er alleine ist – dann leidet er. Hunde sind keine Einzelgänger und brauchen die Gemeinschaft. Und weil sich Hunde so sehr an Menschen binden, hilft auch selten ein zweiter Hund bei diesem „Problem“. Dann könnte es passieren, dass zwei Hunde bellen oder jaulen oder deine Bude zerlegen.

Es kann gut gehen oder auch nicht. Wenn dein Hund Probleme mit dem Alleinebleiben hat, dann hole dir lieber erstmal professionelle Hilfe, bevor ein Zweithund bei dir einzieht. Je nachdem wie lange und wie oft dein Hund alleine bleiben muss, wäre dir ein Hundesitter zu empfehlen. Wenn sich dein Hund täglich durch das Alleinsein gestresst fühlt, hat das früher oder später Auswirkungen auf seine Gesundheit und auf sein Verhalten. Stress – das ist für alle Lebewesen ein Gesundheits- oder besser gesagt ein Krankheitsfaktor, wenn er zu häufig oder ständig auftritt.


    brunolie

Hund im Doppelpack…macht nur mehr Arbeit und Stress?

Falls du jetzt aufgrund meiner Worte glaubst, dass zwei Hunde nur Arbeit und Stress machen, dann möchte ich mal von den positiven Seiten berichten. Wie wir jetzt mit Emma und George live erleben, tun sich die Hunde gegenseitig sehr gut. Wir hatten vielleicht Glück, denn wir mussten uns kein bisschen umstellen. George ist ein guter Beobachter und hat von Anfang an beobachtet, wie unsere gewohnten Abläufe sind. Und dann hat er sich einfach angepasst. Die Spaziergänge sind nach wie vor sehr entspannend und wohltuend. Beide Hunde laufen überwiegend frei. Das klappte mit George ebenfalls sehr gut, weil er sich an Emma orientiert. Die Erziehung lief und läuft fast nebenher.

Aber natürlich ist George ein junger Hund, der an manchen Tagen ziemlich viele Faxen im Kopf hat – und die auch gekonnt in die Tat umsetzt. Es hält sich jedoch alles in Grenzen. Auch war er von Anfang an stubenrein. In den ersten Nächten bin ich aufgestanden, weil ich glaubte: Der junge Hund von 3 bis 4 Monaten muss bestimmt nachts nochmal sein Geschäft erledigen, zumindest sein kleines. Jo und dann stand ich da draußen und George stand vor mir und schaute mich fragend an: „Ok, ich bin jetzt mit dir raus gegangen, aber können wir jetzt bitte wieder rein gehen?!“

Von daher läuft alles bestens. Er hatte zwar die Angewohnheit, in seine Decken Löcher zu nagen, aber nun ja, Junghund eben. Mehr Arbeit habe ich mit der Wohnungsreinigung. Emma hat ein ganz pflegeleichtes Fell und haart sehr wenig. George dagegen haart immer, mal mehr mal weniger. Das Saugen gehört seitdem zu meinen alltäglichen Aufgaben. Auch bleibt bei ihm mehr Schmutz im Fell hängen, das sich dann in der Wohnung bestens verteilt. D.h., ein bisschen mehr Arbeit habe ich jetzt, dafür aber auch viel mehr Freude.

Für mich ist es einfach toll zu sehen, wie die zwei Hunde agieren und miteinander umgehen. Für mich ist es wohltuend zu sehen, wie sehr Emma die Anwesenheit Georges genießt und wie sehr George es genießt, mit Emma ein Team zu bilden. Bei uns ging und geht mit diesen beiden Hunden alles gut. Auch das Jagdfieber hat sich nicht verdoppelt und da sich George stark an Emma orientiert, kommt es höchst selten vor, dass er mal losspurtet, wenn ein Kaninchen des Weges hoppelt.

Nun konnte ich nicht ahnen, dass es so gut läuft wie es läuft. Also habe ich mich vor Georges Einzug darauf eingestellt, dass ich vielleicht die nächste Zeit mit einem freilaufenden und einem angeleinten Hund spazieren gehen muss. Ebenso war mir klar, dass eventuell unsere jährliche Sommertour mit Wohnmobil wenig entspannt verlaufen könnte. Und ich habe daran gedacht, dass Georges Erziehung viel Zeit in Anspruch nehmen könnte.

Zudem war das oberste Gebot: Stellt sich in den ersten Tagen heraus, dass die Beiden nicht zusammen passen, dann muss George zurück zum Tierschutzverein gehen. Somit zog George zunächst als Pflegehund bei uns ein und sollte erstmal auf Probe bei uns wohnen. Weil ich Emma sehr gut kenne wusste ich schon am ersten Tag, dass Georges Probezeit sehr kurz sein wird. Anders als im Fall von Lily war Emma fit und munter, hatte also keine Operation hinter sich. Die Voraussetzungen waren ganz andere, als damals mit Lily.

Überlegungen vor dem Schritt zum Zweithund

Ganz wichtig ist es, dass DU dir einmal überlegst, WARUM du einen Zweithund ins Haus holen möchtest. Wenn ich in Hundeforen und in Hundegruppen im Internet schaue, holen sich viele Hundehalter einen zweiten Hund, weil Mehrhundehaltung gerade im Trend liegt. Nur einem Trend zu folgen, ist kein guter Grund für einen Zweithund. Wenn du dir der möglichen! Nachteile bewusst bist und diese akzeptieren kannst, dann steht  dem Wunsch fast nichts mehr im Wege.

Dennoch solltest du darauf achten, dass sich die beiden Hunde mögen. Wie ich oben beschrieb, kann der Schuss nach hinten losgehen, wenn die Hunde nicht zusammen passen. So war es mit Emma und Lily. Emma ist eine Hündin, die sich bei Konflikten und Stress zurückzieht. Somit nahm Lily immer mehr Raum ein und Emma hockte nur noch in ihrem Korb. Sie traute sich sogar nicht, am Wassernapf trinken zu gehen, da Lily sie daran hinderte. Das war kein schönes Zusammenleben und das wollte ich den Hunden und auch uns nicht jahrelang antun.

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Da Emma eine ziemlich aktive und quirlige Hündin ist – auch noch mit ihren 8 Jahren, wollte ich keinen ebenso quirligen und aktiven Zweithund. Zudem steht Emma mehr auf ruhigere Hunde. Doch, wie sucht man den passenden Hund aus?

Ich hätte mich auf jeden Fall dazu entschieden, einen Zweithund aus dem Tierschutz zu nehmen und ihn erstmal als Pflegehund bei uns wohnen lassen. Nun könntest du sagen: „Boh, das ist aber dem Pflegehund gegenüber gemein, denn er weiß ja nicht, dass er „nur“ ein Pflegehund ist“. Stimmt, aber so ist es mit allen Pflegehunden, die im Tierschutz noch nicht ihre endgültige Familie gefunden haben. Zu sehen, wie die zwei Hunde sich verstehen, ist meiner Meinung nur im Alltag möglich. Ein Treffen außerhalb der eigenen vier Wände ist nett und kann auch schon Aufschluss geben, aber das ist nicht das ganz normale Alltagsleben.

  • Wenn du einen Hund aus dem Tierschutz nehmen möchtest, dann lass dir viele verschiedene Videos zeigen. Auf den Videos sollte zu sehen sein, wie der Hund mit anderen Hunden agiert und wie er sich gegenüber Menschen verhält. Auch das ist ja wichtig für das zukünftige Leben mit dir.
  • Hast du Kontakt zu einem guten Hundetrainer, der deinen Ersthund kennt, dann rede mit ihm über deinen Wunsch. Von außen betrachtet sieht die Welt manchmal anders aus und der Trainer kann dir vielleicht Tipps geben, worauf du beim zweiten Hund achten solltest.
  • Möchtest du einen Zweithund vom Züchter kaufen, dann gehe so oft wie möglich mit deinem Hund dahin. Dein Hund sollte den Neuling gut kennenlernen und du siehst bei diesen Treffen, ob dein Hund vom anderen Hund begeistert ist oder sich lieber von ihm abwendet.
  • Informiere dich über die Haltung von mehreren Hunden. Ich stelle dir am Ende des Blogartikels ein paar Bücher zur Auswahl vor oder nehme an einem Webinar teil.
  • Denke bitte auch an die Kosten. Natürlich kosten zwei Hunde mehr als einer. Das fängt bei den Futterkosten an und auch die Tierarztkosten verdoppeln sich. Wenn du Glück hast, bleibt es bei den Impfungen. Aber Hunde können sich verletzen oder unter Allergien leiden oder oder oder. Dann musst du mit mehr Tierarztkosten rechnen. Überlege, ob eine OP- oder Krankenversicherung für deine Hunde infrage kämen.

Wichtig ist eine Haftpflichtversicherung für beide Hunde. Selbst der best erzogenste Hund kann vor ein Auto oder ein Fahrrad rennen – wenn z.B. gerade Nachbars Katze über den Weg läuft oder ein Hase, ein Reh oder der ärgste Hundefeind um die Ecke kommt.

Ach, und noch etwas: Es kann sein, dass sich dein Ersthund dir gegenüber anders verhält, wenn er einen Hund an seiner Seite hat. Emma hat zum Beispiel sonst liebend gerne auf meinem Schoß gethront, wenn ich im Garten auf der Bank saß. Und sie schlief fast immer in meinem Bett. Jetzt sitzt sie nur noch selten auf meinem Schoß – scheinbar will sie sich die Blöße vor George nicht geben (ok, das ist menschlich gedacht). Und in meinem Bett schläft sie ebenfalls nur noch selten. Sie liegt lieber in ihrem Korb, nicht weit von Georges Korb entfernt.

Und wenn du jetzt sagst: Ja, ich will einen zweiten Hund und dir alles gut überlegt hast, dann würde ich mich sehr über einen kurzen Bericht freuen. Schreib doch einfach einen Kommentar darüber, wie es bei euch klappt und worüber du dich am meisten freust, seitdem eine zweite Schnuffnase bei dir eingezogen ist.

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