Was ist los in Deutschlands Hundeszene?

Ich lebe in Spanien und bin nur noch selten in Deutschland. Dieses Jahr habe ich vier Wochen an unterschiedlichen Orten verbracht – und ich frage mich: Was ist los, in Deutschlands Hundeszene? Hundebegegnungen scheinen total verpönt zu sein.

Stress pur – an beiden Enden der Leine

Man kann sicher nicht sagen: DIE Franzosen, DIE Spanier, DIE Deutschen usw. haben einen guten (schlechten, entspannten …) Umgang mit Hund. Es ist von Region zu Region, von Ort zu Ort und vor allem von Person zu Person sowie von Hund zu Hund unterschiedlich.

Dennoch haben wir Unterschiede der Hundeszenen  kennengelernt und die Erlebnisse in Deutschland fand ich eher sehr erschreckend – oft habe ich auch nur Bauklötze gestaunt.

Letzten Sommer habe ich im blog von unseren Erfahrungen in Galizien erzählt. Dort verliefen sämtliche Begegnungen mit Hunden und mit Haltern sehr entspannt.

Das Gleiche erfahren wir schon seit vielen  Jahren in der Bretagne. Die Hunde laufen meistens frei und dürfen sich kennenlernen. Hündischer Kontakt ist da noch etwas Selbstverständliches – und es funktioniert. Es wird auch Rücksicht genommen. Sehen die Hundehalter, dass Hund oder Mensch Schiss hat, wird der Vierbeiner zurück gepfiffen. Alles sehr entspannt und wahnsinnig wohltuend.

Natürlich finden die Hunde sich nicht immer dufte, knurren sich mal an oder zeigen mal kurz ihre schönen Zähne. Weil sie freilaufen, ist knurren und Zähne zeigen aber eher selten nötig. Sie gehen sich einfach aus dem Weg – so schlicht und unkompliziert kann es laufen.

Weil dort alles so herrlich entspannt ist, lernt man als Hundehalter auch viele Menschen kennen – nämlich andere Hundehalter. Wunderbar, ich liebe das. Hier mal ein Plausch und oft geht man ein Stück des Weges gemeinsam.

Jo und dann kamen wir nach Deutschland und entspannte Begegnungen waren eher Ausnahmen. Die wenigen Begegnungen mit Hundehaltern, die noch einen lockeren (und auch humorvollen) Umgang mit ihren vierbeinigen Kumpeln pflegen, waren wirklich schön – aber halt selten.

Die meisten Begegnungen waren für mich so unglaublich, dass mir förmlich die Worte fehlen. Beispiele:

Fallbeispiel 1: Regenwetter, alles nass. Ich gehe mit Emma los und beschreite einen normalen Weg. Rechts Weidezaun, links ein Stückchen Wiese und dahinter  hohe Brennnesseln und dorniges Gestrüpp. Frau mit Hund an ewig langer Leine kommt uns entgegen. Beide wirkten total gestresst – von gemütlichem Spaziergang war nix, aber auch gar nix zu erkennen. Ok, angeleinter Hund heißt für mich: Emma auch anleinen. Frau kürzt die ewig lange Leine nicht. Hund wirkt immer gestresster, fletscht die Zähne, zieht wie ein Weltmeister. Ich gehe mit Emma auf das Stückchen Wiese und stehe direkt vor dornigem Gestrüpp und hohen Brennnesseln. Frau kommt näher und ruft mir zu: „Gehen Sie mehr an die Seite!!!!!“

Ich zeige auf das, was hinter mir ist. Wie gesagt, Worte fehlten mir. Frau schüttelt genervt den Kopf und kommt mit ihrem mittlerweile zum Monster mutierten Tier näher. Meine Sorge um meinen Hund wächst, aber Emma weigert sich, in die hohen Brennnesseln und ins dornige Gestrüpp zu gehen. Also nehme ich sie auf den Arm und stehe in diesem Pflanzengewirr, damit diese unfähige Frau mit ihrem asozialen Hund vorbeigehen kann. Asozial ist übrigens kein Schimpfwort, sondern lediglich die Bezeichnung für ein Verhalten, das alles andere als sozial ist.

Frau kämpft sich vorbei und jetzt standen ihr nicht nur Regentropfen, sondern auch noch Schweißtropfen auf der Stirn. Ich bin mittlerweile nass, denn ich stehe mitten im nassen Urwald.

Fallbeispiel 2: Ich gehe mit Emma genau diesen Weg weiter. Emma läuft wieder frei und uns begegnet eine Frau mit Hund. Ihr Hund lief auch frei, aber jetzt ist sie eifrig damit beschäftigt, ihren Hund anzuleinen. Ok, vielleicht isser ja bissig oder so. Also leine auch ich Emma wieder an.

Frau kommt näher und ihr Hund ist total freundlich und möchte zu Emma. Die findet den Hund auch cool. Ich sage: „Halli Hallo, die 2 scheinen sich ja zu mögen. Sollen wir sie freilassen?“ Frau freut sich und lässt ihren Hund los. Die zwei Hunde haben Spaß miteinander, wir Frauen unterhalten uns. Sie erzählt, dass kaum noch jemand Hundekontakt zulässt und sie deshalb ihren Wuff immer direkt anleint. Schade, aber jetzt konnte ihr Hund sich mal mit einem Artgenossen beschäftigen.

Fallbeispiel 3: Ich gehe genau diesen Weg mit Emma weiter, biege um eine Ecke und wollte auf einem Feldweg weitergehen. Da steht da eine ältere Frau mit Shar Pei. Shar Pei war noch mit Schnüffeln beschäftigt und hatte uns noch gar nicht wahrgenommen. Die Frau aber bekam einen panischen Gesichtsausdruck und rief mir zu: „Gehen Sie weg! Ich kann meinen Hund nicht halten!!!“

Ich habe mich sofort umgedreht und bin zurück zum Wohnmobil gegangen. Der Spaziergang war so unglaublich, dass ich keine Lust mehr hatte, auch nur einen Meter weiterzugehen.

Auf dem Weg zum Wohnmobil Fallbeispiel 4: Vor mir bog eine Frau mit freilaufendem (!) Hund auf den Weg ein. Juhu, dachte ich. Aber, zu früh gejubelt. Frau ging im Stechschritt und wirkte somit wie ein Soldat. Hund drehte den Kopf zu Emma und schon kam ein lauter Pfiff aus der Pfeife. Hund zuckte zusammen, wagte es aber, den Kopf nochmal zu drehen. Frau gab dem Hund einen festen Knuff in die Rippen und befahl: „Weiter!!!“ Hund trottete neben Soldatin her. Kopf blieb mit angelegten Ohren nach vorne gerichtet.

In einem Ort so eine geballte Ladung an denkwürdigen Begegnungen  – Wow!

Alles Problemhunde?

Ich bin sehr dafür, aggressive Hunde anzuleinen und an der Leine zu lassen. Aber, nicht alle Hunde sind aggressiv oder besser gefragt: Warum gibt es scheinbar so viele aggressive Hunde in Deutschland? Weshalb trifft man da so enorm häufig angebliche Problemhunde? Wer macht die Hunde zum Problem?

Natürlich liegt nicht alles an der Erziehung, nicht alles an der Sozialisierung etc. Es gibt halt Hunde, die ein asoziales Verhalten haben – so, wie das bei einigen Menschen auch der Fall ist.

Die Menge an diesen Hunden finde ich jedoch erschreckend.

Ebenso erschreckend finde ich die Hundehalter mit sozialem Hund, die auf Teufel komm heraus Kontakte zu Artgenossen vermeiden wollen. In einem Ort habe ich nachgefragt und bekam die Antwort: „Hat man uns in der Hundeschule so gesagt. Hund darf erst freilaufen, wenn er super auf den Rückruf hört und Kontakte an der Leine sollen generell verhindert werden.“ Weiterhin wurde empfohlen, auf Kontakte zu fremden Hunden zu verzichten.

Jo, Prost Mahlzeit. Was dabei herauskommt, ist ja zu sehen.

Es gibt ja Hunde, die nicht freilaufen können – in der Welt mit vielen Straßen etc. Das sind beispielsweise die Hunde mit enormem Jagddrang oder die ängstlichen Hunde aus Land XY, die mit Flucht auf Geräusche usw. reagieren. Und diese Hunde dürfen dann niemals nicht Kontakte zu Artgenossen haben? Nur, weil sie angeleint bleiben müssen? Arme Kreaturen.

Zwei Wochen waren wir an einem Ort und in den zwei Wochen habe  ich eine einzige Hundehalterin kennengelernt, die freudig ihre beiden Hunde freiließ, damit sie mit Emma über eine große Wiese toben und sich gemeinsam in Pfützen suhlen konnten. Die anderen Hundehalter zerrten ihre Vierbeiner mit angespannter Miene weg. Darunter reagierte kein einziger Hund aggressiv oder ängstlich. Das waren freundliche Hunde, die freundlich auf Emma reagierten.

Umgedrehte Vorstellung…

Was ist so schlimm daran, dass Hunde Hunde kennenlernen? Was ist so tragisch, wenn Hunde sich mit Hunden beschäftigen können?

Stellt euch das doch mal umgedreht vor: Eine Welt, in der Hunde Menschen als Haustiere halten.

Und diese Hunde wollen unter allen Umständen verhindern, dass ihre menschlichen Haustiere Artgenossen kennenlernen. Sie wollen nicht nur das Kennenlernen verhindern, sondern jegliche Kommunikation unter Artgenossen unterbinden.

Schreckliche Vorstellung oder? Diese Hunde in der anderen Welt gehen nämlich davon aus, dass es bei jedem Kontakt zum Knall kommt. Sie sehen vor ihrem inneren Auge die menschlichen Haustiere miteinander kämpfen und zwar bis zum Blut.

Was ist passiert?

In jedem Land gibt es komische Hundehalter und unnette Hunde. In Deutschland scheint ein locker, entspannter Umgang mit Hund(en) aber zur Rarität geworden zu sein.

Was ist passiert? Zu viele Hunde? Zu viele Hundehalter, die gar kein Gefühl für Hunde haben? Zu viel Angst? Zu viele schlechte Hundeschulen?

Was ist der Grund für diese Entwicklung?

Übrigens hatte ich das Vergnügen, eine Hundetrainerin mehrmals beobachten zu können. Ich nenne hier keine Namen und auch nicht den Ort des Geschehens. Aber, auch da staunten wir – und Gott sei Dank auch andere Hundehalter – große Bauklötze. Die Trainerin setzte alles daran, dass die Hunde ihrer Klienten zum Roboter werden. Und das unter anderem auch mit heftigen Knuffen, Gezerre am Halsband, runterdrücken usw. Es marschierten dann zig Hundehalter im Stechschritt durch den Wald. Und mit ihnen marschierten zig Hunde, die nicht nach rechts, nicht nach links schauten, sondern ziemlich teilnahmslos durch die Natur trabten. Wie traurig.

22 Kommentare

  • Ich bin eine von denen mit unfreundlichem Hund, wobei Nyra inzwischen durchaus gemeinsam mit anderen Gassi gehen kann, solange die kein Interesse an ihr zeigen. Das erkläre ich den Leuten, die uns begegnen, ruhig und sachlich, und meist ist dann alles okay. Ich mache die Erfahrung, dass Leute entweder panische Angst vor uns haben, weil sie denken, Nyra wäre eine Hunde fressende Bestie, oder sie beschimpfen mich, weil ich meinen Hund nicht im Griff habe, eh keine Ahnung von Hunden und die tut schon nichts und ich solle mich nicht so anstellen.
    Ja, es ist tatsächlich so, dass selten jemand seinen Hund zu einem anderen fremden Hund lässt, wenn es abgesprochen wurde. Und es ist tatsächlich so, dass viele Hund sehr aggressiv auf andere reagieren. Und leider ist es auch tatsächlich so, dass beängstigend viele Leute sich Hunde holen, derer sie körperlich nicht Herr werden. Das alles gepaart mit der Hundedichte und den streng reglemetierten Auslaufgebieten führt dazu, dass wir hier eher verkorkst sind, was die Hundehaltung angeht. Es gibt ne Menge sozialer Hunde und die Leute gehen ständig in die Hundeschule, weil sie 1A Hunde haben wollen, aber letztendlich haben sie gestresste, überforderte Hunde, die ebenso wenig die Erwartungen erfüllen können wie das auch bei den Kindern heutzutage der Fall ist. Helikoptermütter und Helikopterfrauchen gleichermaßen.
    Ich bin immer froh, wenn ich Leute treffe, die sich dann einverstanden erklären, nach UNSEREN regeln gemeinsam Gassi zu gehen, denn die merken nach spätestens einer halben Stunde, was für ein ungefährlicher, entspannter Hund Nyra eigentlich ist, wenn man ihr eine Chance gibt. Leider denken aber immer noch viele, Hunde müssten an der Leine frontal aufeinander zu gehen, um sich zu beschnuppern. Für meine Hündin ist das ein Zeichen purer Aggression, ebenso wie das bei Wölfen der Fall wäre.
    Dem modernen Kinder-und-Partner-Ersatz-Hund wurde gesundes Sozialverhalten abtrainiert, so entstehen all deine Fallbeispiele.

    • Marion

      Danke Silke, für deinen Beitrag!

      Irgendwann kam bei mir der Gedanke auf: Hundeszene = Spiegelbild der gesellschaftlichen Themen/ Probleme. Also ein Spiegelbild – gibt ja nicht nur die Hundeszene. Dieser Drang nach Perfektion vielleicht, der alles eher chaotisch macht. Kontrolle über alles und jeden.

      Ja, wenn Hunde frontal aufeinander zugehen müssen, gibt es meistens Probleme. Aber, das ist ja natürlich. Wie du schon sagst würde kein Wolf, aber auch kein Hund so agieren.

      Ich bin nie in einer Hundeschule gewesen und weiß somit gar nicht, was da gelehrt wird. Normales Verständnis für den Hund,seine Bedürfnisse sowie das Erkennen und Verstehen von hündischen Signalen scheint aber selten zum Lehrplan zu gehören.

  • Tja, ich kann da auch nur rätseln, aber in erste Linie läuft es auf „Zu viele Hundehalter, die gar kein Gefühl für Hunde haben“ raus. Das ist die regierende Mehrheit im Hundemenschenbundestag, der Rest verteilt sich auf andere Baustellen und stellt quasi die Opposition dar. Gefühlt kann ich aber persönlich sagen, dass wir glücklicherweise (noch) eine Minderheitsregierung haben, um im politischen Vergleich zu bleiben.
    Wie auch immer, ich fühle mich wohl in der Opposition und lebe sie ganz unproblematisch + liebe dann die Resonanzen aus Hundegeschichten von solchen, die aus irgendeinen Grund auch auf gleiche Stühlen wie ich sitzen.
    PS: Und ich bin stolz noch niemals in einer Hundeschule gewesen zu sein.

    • Marion

      Es gibt sicherlich gute Hundeschulen, die besonders Anfängern helfen können – so denke ich zumindest mal.
      „Baustellen“ (den Begriff mag ich nicht so sehr :)) ) – Jeder hat seine Macken – Mensch wie Hund. Das darf ja auch sein. Von früher kenne ich noch so, dass man als Hundehalter ganz schnell Kontakte fand – und Gott sei Dank ist es in meinem Leben immer noch so. Es tut mir irgendwie richtig leid, dass es in Deutschland eher Seltenheit geworden ist – für die Hundehalter, aber auch für die Hunde.

  • hundebloghaus

    Ich danke dir für diesen Artikel, ich erlebe es mit meinem gut sozialisierten und kontaktfreudigen Hund ebenso und diese Entwicklung beobachte ich die letzten Jahre schon sehr argwöhnisch.
    Entspannt ist anders und da kannst Du tatsächlich froh sein, nicht mehr hier in diesem Massenauflauf zu leben…die Hundedichte ist immens geworden.
    Es ist Jahre her, dass ich Jemand aus deinem Fallbeispiel 2 traf und das finde ich unfassbar traurig.
    Die Entwicklung die hier stattfindet ist keine positive.
    Liebe Grüße
    Danni

    • Marion

      Oh ja, ich bin auch froh, dass es hier noch anders läuft. Jetzt ist Spanien ja nicht gerade Vorbild für guten Umgang mit Tieren :)) Aber, die Hundehalter, die ihren Hund gut halten und mit ihnen regelmäßig spazieren gehen – die sind in der Regel locker und entspannt.

      Fragt sich, was man in Deutschland ändern könnte. Ich kann mir nicht vorstellen,dass diese Situation glücklich macht.

  • ninchen87

    Hallo,

    Ein Problem ist auch, dass der Hund nirgendwo mehr frei laufen darf. Niemand verzeiht mehr Fehler. Ich habe zwei Hunde. Beide sehr lieb. Ein Welpe und eine ältere Dame. Letzte Woche hat der Welpe eine Joggerin auf einer ausgewiesenen Hundewiese begrüßt und hat sich dann aber sofort abrufen lassen…es waren höchstens 5 Sekunden – es ist nichts passiert und ich habe mich natürlich entschuldigt, weil es mir leid tat und ihr versucht zu klären, dass der Hund 18 Wochen alt ist. Die Joggerin ist total ausgerastet! War natürlich total überzogen von ihrer Seite aus, aber was solls…

    was ich damit sagen will, spielende und freilaufende Hunde werden heute einfach nirgendswo in Deutschland wirklich tolleriert.rAls Hundehalter ist man in einem Park das unterste Glied in der Nahrungskette; egal wie alt und wie gut erzogen der Hund ist. Überall muss er an der Leine bleiben und oft findet eine richtige Sozialisierung im Welpenalter und nur in der Welpenschule statt – was zu wenig ist.

    Wir fahren daher viel in den Wald – dort dürfen sie auf den Wegen ohne Leine laufen – und da dürfen sie auch Hundekontakt haben. Ich bin nicht begeistert von Hundekontakten an der Leine und gerade das wird super selten tolleriert. Einerseits mag ich es nicht wegen schlechter Erfahrung und anderseits hat man mal schnell ein Knäul und im schlimmsten Fall eine Beißerei, weil einer sich plötztlich eingeengt fühlte. SPielen können sie eh nicht an der Leine, wenn sie gerade in einem Gebiet sind wo sie ohne nicht laufen dürfen. Gerade mit Welpen finde ich es auch wichtig, dass der Hund lernt, dass man auch an anderen Hunden vorbei gehen kann. Diesen Lerneffekt hat man aber nicht, wenn jeder an der Flexi auf einen zu gerannt kommt und die Leute zu blöde sind die Stop Taste zu drücken.

    Grüße

    • Marion

      Ja, das haben wir auch festgestellt. Ständig stießen wir auf Hundeverbotsschilder. Entweder waren Hunde komplett verboten (oben an der See) oder sie mussten angeleint bleiben. An einem See durften Hunde sogar nicht im See schwimmen – wir haben uns nicht dran gehalten. Da war kein Badestrand (das wäre ja dann noch verständlich),sondern ein normaler Waldweg am See entlang.

      Das, was du von deinem Welpen berichtest,finde ich schlimm. Gut, manche Menschen mögen Hunde generell nicht. Aber, du hast dich entschuldigt und dann sollte es doch auch gut sein.
      Wenn das so ist, dann ist es auch zu verstehen,dass Hundehalter so auf Spannung stehen – traurige Entwicklung.

      Also, Leinenkontakt mit Hund an der Flexi ist natürlich wirklich nicht gut – vor allem, wenn die Leute die Stopp-Taste nicht finden… Ich lasse auch meinen Hund nicht mit Hunden toben, die an ewig langer Schleppleine sind. Aber, all meine Hunde, die ich von Welpenbeinen an hatte, durften von Anfang an Kontakt zu Artgenossen aufnehmen, wenn sie angeleint waren. Natürlich immer mit Einverständnis des anderen Hundehalters. Das ist hier in meiner Heimat problemlos möglich. Trotzdem habe ich jetzt keinen Hund, der zu allen Hunden hinrennt. Meinen Welpen habe ich nie verboten, zu anderen Hunden zu laufen. Wenn ich das nicht wollte -oder der andere Hundehalter nicht wollte – habe ich sie früh genug angeleint.

      Ich hatte vor Emma auch eine Hündin mit asozialem Verhalten. Sie habe ich als erwachsenen Hund hier in Spanien aufgenommen und sie war von Anfang an so. Keine Ahnung, wo und wie sie aufwuchs. Wenn mir beim Spaziergang ein Hundehalter entgegen kam, hätte ich nie erwartet, dass er in die Büsche geht, damit ich vorbei komme (wie in meinem erlebten Beispiel von Deutschland, wo ich dann in Brennnesseln und Gestrüpp stand). Anders herum: Wäre auf uns ein Hund an ausgefahrener Flexi zugerannt, dann wäre das mitunter Pech gewesen. Mehr als anleinen kann ich nicht. Für mich ist es heute noch völlig normal, dass ich Emma anleine, wenn mir ein angeleinter Hund entgegen kommt.

      Irgendwie ist scheinbar das respektvolle Miteinander verloren gegangen. Dabei könnte es so unproblematisch verlaufen.

  • Ich bin Trainer mit eigener Hundeschule und Ambassador der Kampagne Gelber Hund braucht Freiraum für Deutschland, die ja genau dieses Problem aufgreift.
    Auch ich sage meinen Klienten, dass Kontakte an der Leine sehr differenziert betrachtet werden sollen. Was aber aus eben diesen Entwicklungen in der Hundeszene resultiert. Wir arbeiten aber daran, dass unsere Hunde entspannt solche Begegnungen bewältigen können.
    Das ist in all den Jahren immer schlimmer geworden. Die Idee mit dem Spiegel der Gesellschaft finde ich sehr treffend.
    Aber auch meine Erfahrung, dass kaum ein Hundehalter unterwegs seinen Hund wirklich kennt, keine Körpersprache, kein Verhalten erkennen kann und damit vollends in blöde Situationen rein rennt und seinen Hund rein rennen lässt ohne die Kontrolle darüber zu haben oder zu wissen, was passiert oder zu kommunizieren – weder mit dem eigenen Hund noch mit der Person, der man begegnet. Und da zur Begegnung immer mindestens zwei gehören, geht einer davon beinahe immer benachteiligt heraus. Und die wenigsten Hundehalter reflektieren solche Dinge oder gehen bewusst damit um… es passiert eben und ist so und immer ist der andere schuld.

    Die Hunde werden durch Situationen getrieben, die sie überhaupt nicht bewältigen können und je öfter das passiert, desto schlimmer werden die zukünftigen Begegnungen. Die Leine wird auf 10cm gekürzt, der Hund wird angebrüllt oder auch stumm durch die Situation gezerrt oder oder oder… es ist ein Teufelskreis. Die Hunde nehmen sich ja aus solche Situationen ihre eigenen Erfahrungen mit…
    Und das spitzt sich einfach immer mehr zu.

    Auf der anderen Seite gibt es aber die Hunde, die keinen Kontakt mögen oder aus einem Grund gerade nicht kontaktiert werden sollen. Dann kommen die schrecklichsten Begegnungen zustande und das artet dann wirklich in Stress aus.
    Es gibt leider so sehr viele ignorante Hundehalter, die sich und ihre Hunde gnadenlos überschätzen und die Ahnung und die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, die dann pöbeln und sogar beinahe handgreiflich werden…. und wo es dann durch Halbwissen auch schon richtig gefährlich werden kann.

    Ein Beispiel eines meiner persönlichen Spaziergänge mit meinen beiden Hunden an einem Tag, innerhalb von einer Stunde:

    Ich hatte heute selbst 6 Hundebegegnungen, die unter aller Kanone waren….
    Meine Borderin zählt ja eher zu den Angsthunden und so lange sie nicht sicher ist und ich sie nicht ableinen kann, gibt es keine Kontakte an der Leine.
    Erste Begegnung verlief noch einigermaßen, da der freilaufende Hund sofort und ohne Weiteres an die Leine genommen wurde.
    Zweite Begegnung, ca drei Meter später war schon interessanter…
    Älterer Herr mit einem Collie.
    Er blieb auf meiner Höhe stehen… ließ den Hund an Bella schnuppern, Nase an Nase, dabei standen wir schon vom Weg weg – der Collie lange Leine – Flexi – meine Lieblingsleinen… ich zog Bella immer weiter weg und sagte, dass wir keine Hundekontakte wünschen. Er blieb stehen, bewegte sich keinen Meter.
    Ich sagte lauter und böser – wir wünschen keine Hundekontakte… in der Zwischenzeit machte der Collie schon Spielaufforderungen (GSD) und fing an herumzuhüpfen…. Der Herr blieb stehen…. eisern… dann brüllte ich ihn an, ob er denn endlich einfach weiter gehen könnte – wir wünschen keine Hundekontakte… und dann zog er völlig verständnislos seinen Hund hinter sich her…
    Nächste Begegnung, großer Hund, unsicheres Frauchen – Hund gaaaanz kurz, und in die Seite von Frauchen gedrückt. Ich glaube, sie traute ihm nicht. Wir haben uns am Wegrand abgesetzt, ich habe mit meinen Alternativverhalten gemacht und geclickt und war weitestgehend entspannt. Sie redete auch mit ihrem Hund und schaute, was wir machten…. wahrscheinlich war unser Verhalten interessant.
    Nächste Begegnung, Labbi mit Herrchen und Frauchen… der wurde fast erwürgt… wir setzten uns wieder vom Weg weg und ich clickte meine beiden und wir machten schön AV…. klappte super… nur Frauchen mit Labbi war offenbar nicht uptodate, denn sie kommentiere ihrem Mann unser blödes Gehabe…. Naja immerhin konnten wir weiter gehen…
    Nächste Begegnung, eine franz.Bulldogge ohne Leine… die Kleinen dürfen ja bekanntlich…
    Herrchen zum Zwerg, der auf uns zusteuerte – NEIN….
    Aha… Zwerg fand das nicht einleuchtend… Wir wieder am Wegrand unser Ritual… meine fanden das dann schon ziemlich toll, so oft wie wir heute das Vergnügen hatten…
    Herrchen wieder zum Zwerg – NEIN KOMM….
    Zwerg stand wie angewurzelt und fixierte Senta…
    Ich sagte dann laut… naja, zwei Mal nein sagen und in der Zeit 5mal fixieren… klappt ja wunderbar…
    Ich bin dann über den Zwerg buchstäblich drüber gestiegen und mit meinen weiter….
    Am Schluss trafen wir den Collie noch mal, denn es ist eine Runde…
    Herrchen ging diesmal ganz pikiert an uns vorbei…. Na immerhin… Und meine waren hervorragend….

    • Marion

      Gehört denn zu Ihrem Programm das Lehren von hündischen Signalen etc.? Und erklären Sie Ihren Klienten das Wechselspiel zwischen Hund und Halter? Das fände ich nämlich total wichtig, wichtiger als Sitz, Platz, Aus usw.

      Ich muss jetzt mal nachfragen, warum Ihre Angsthündin keine Kontakte zu Artgenossen haben soll? Es gibt ja Hunde, die von sich aus keinen Wert auf hündische Kontakte legen. Gehört Ihre Hündin dazu?
      Am Wochenende traf ich einen Hundehalter mit Angsthündin aus Rumänien. Die Hündin war natürlich angeleint, am Sicherheitsgeschirr. Ich leinte Emma selbstverständlich auch an, aber dieser Hundehalter hatte nichts gegen hündischen Kontakt. Er war der Ansicht, dass seine Hündin dadurch die Angst vor Artgenossen verlieren kann oder zumindest die Angst in normaler Vorsicht übergeht. So durften die Hunde sich beschnüffeln, beide waren freundlich zueinander und auch Emma machte eine Spielaufforderung. Spielen ging natürlich nicht,da die Angsthündin angeleint bleiben musste. Aber, es war kein Problem und wir sind dann ein Stück gemeinsam weitergegangen.

      • Meine Hündin hat keine Angst vor Artgenossen sondern vor ihrem Umfeld. Wir waren auf einem „grünen“ Weg in der Stadt unterwegs und da hat sie viel mehr Probleme mit den Geräuschen und den Eindrücken und vor überhaupt allem als vor Menschen oder Hunden. Ich kann sie nicht ableinen in einem solchen Fall, sie würde vor Angst stiften gehen sobald ein komisches Geräusch wäre und Spiel an der Leine gibt es nicht mit mit unbekannten Hunden, denn wenn die Situation kippen sollte, sind die Hunde meistens schon ineinander verheddert.
        Und wenn ich dann noch mit beiden unterwegs bin, dann habe ich keine Hand für so etwas frei – also nutzen wir solche Situationen, um vorbei gehen oder vorbei gehen lassen zu üben.
        Abgesehen davon muss mir das zweibeinige Gegenüber auch sympathisch sein und evtl kommunizieren in der Situation, damit ich wissen könnte, dass er bewusst mit seinem Hund in der Situation ist und sich bisschen auskennt. Wenn mein Gegenüber aber durch Welt schaut und seinen Hund wahllos machen lässt, dann nehme ich mich und meine Hunde vorsichtshalber da mal raus… 😉

        Kommunikation ist übrigens ein absolutes Basisproblem… die ist nämlich so gut wie nicht auf vernünftigem Niveau möglich. Sonst wäre der Herr nämlich auch einfach weiter gegangen, nachdem ich ihn das erste mal überaus freundlich und höflich darum bat oder hätte mich auch gefragt, warum denn nicht und hätte sie Sache nicht totgeschwiegen.

        Mein Hund braucht an sich solche Spaziergänge eher als Training für alles andere, denn Hundekontakt hat sie hier zu Hause – also in der Hundeschule reichlich.
        Also ich hoffe, ich konnte das jetzt rüberbringen, was ich meine.

        Bzgl der Hundeschule steht bei uns das Training im Alltag im Vordergrund. Schon lange arbeite ich an der beiderseitigen Kommunikation mit allem was dazu gehört und allem, was der Hund von heute so braucht im Alltag und bei allem, wozu der Hund heutzutage auch mitgenommen wird und da sind „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ zwar immer noch nicht ganz unmodern, aber weit in den Hintergrund gerückt.

  • Wenn die Leute untereinander schon so miteinander umgehen, warum sollten sie’s dann bei ihren Hunden anders machen?

    Mit rabenschwarzem Humor formuliert: Alles eine Frage der „Sozialisierung“ – vor allem bei den Zweibeinern, und die Hunde nur „Vehikel“ die’s sichtbar machen.

  • Mario Anastasini

    Das Problem habe ich hier vor Ort zum Glück nicht so massiv, aber es gibt diese Situationen. Mittlerweile kenne ich meine „Pappenheimer“, die mit ihrem Hund nicht richtig umgehen können und wir meiden möglichst eine Begegnung. Denn genau das ist das Problem: der Hund kann für sein Verhalten eigentlich nichts. Der wird so, weil der Halter es oft nicht für nötig hält, sich ordentlich und intensiv mit der Erziehung seines Begleiters zu befassen. Wie oft habe ich gehört, „ich habe schon viel ausprobiert, der ist halt so“. Eine fatale Einstellung und eine Aussage, die nicht stimmt. Man bekommt (fast) jeden Hund hin, dass er sozialisierten Hundekontakt haben kann, wenn man sich ernsthaft damit befasst. Es ist arbeitsintensiv und zeitaufwenig, ja. Ich habe aber in den ersten Jahren direkt mal viel Zeit investiert, um meinen Hund „ordentlich“ hinzubekommen. Heute kann ich deswegen völlig stressfrei mit meinem spazieren gehen, brauche mir in keinster Weise Gedanken um meinen Hund machen. Und das für den Rest des Hundelebens!!!! Das muss man sich mal bewusst machen! Mittlerweile habe ich eine Zweithündin aus Rumänien aufgenommen, eine vormals völlig verängstigste. Auch hier investiere ich jetzt viel Zeit, damit wir später ein sorgenfreieres Leben haben werden. Und durch den vielen Kontakt mit anderen Hunden (ich leite eine private Hundegruppe, die regelmäßig gemeinsame Spaziergänge macht), ist aus einer verängstigtes eine putzmunteres Powermädel geworden, die sogar alle anderen mit ihrem Elan zum Spielen bringt!

  • Toller Artikel und irgendwie kenne ich dieses Fallbeispiel 1 auch sehr gut. Eigentlich alle. Shiva war als sie zu mir kam alles andere als sozial, aber hat schnell gelernt. Durch mehrere Vorfälle, bei denen sie mitunter auch schwer verletzt wurde, haben wir beide nun Angst vor Kontakten. Dabei hat sie durchaus auch Hundefreunde mit denen sie gerne spielt. Wenn sie kann, weicht sie aus, wenn ihr einer sympathisch ist, dann wird gespielt. Meistens gehen wir freundlich grüßend an anderen Hunden vorbei. Sie braucht keine 1000 Kontakte, sie meidet sie. Sie hat ihre Freunde und mit denen kommuniziert sie toll und spielt auch leidenschaftlich. Mein vorheriger Hund war anders… Rocky hat mit jedem Hund spielen können, er konnte auch mit jedem Hund frei laufen. Shiva bis zu dem letzten Vorfall auch, aber seitdem meidet sie leider fremde Hunde eher.

    Vielleicht überwindet sie ihr Trauma ja noch.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

    • Marion

      Erwachsene Hunde wollen oftmals nicht mehr zu jedem Hund Kontakt. Das ist ja auch völlig ok. Wenn sie meidet, würde ich gar nichts daran ändern.

      Meine Emma ist nun fast 5 Jahre. Sie spielt noch oft und gerne mit Hunden – auch mit fremden. Aber, sie findet auch nicht alle Hunde toll. Manche meidet sie, anderen schenkt sie noch nicht mal einen Blick :))) und vor manchen Hunden hat sie auch Angst (stürmische und/oder große Hunde).
      Wir mögen ja auch nicht alle Menschen 🙂

      Übrigens hatte Emma vor zwei Jahren auch ganz üble Begegnungen mit Hunden. Das waren Hunde deutscher Camper, die in Deutschland Leinenzwang mit Maulkorb hatten und hier einfach freilaufen durften. Das war wirklich übel. Danach hatte Emma Angst vor allen Hunden. Ich habe dann eine Zeit lang ganz gezielt Hunde ausgesucht, mit denen wir spazieren gingen etc. Im Sommer waren wir dann in Galizien und dort waren alle Hundebegegnungen wieder entspannt und locker, sodass sich diese Erfahrungen mit den „üblen“ Hunden nicht festigen konnten.

      Ebenso flauschige Grüße 🙂

  • Tina Creydt

    Hallo Ihr Lieben, danke für deinen Artikel und auch alle nachfolgenden Kommentare!
    Zum Kern des Artikels: ich denke, dass es in Deutschland mittlerweile einfach extrem viele „Problemhunde“ gibt, durch Überforderung an den Hund (er soll funktionieren) aber auch tatsächlich durch extrem viele Auslands-Tierschutzhunde wie ich auch einen habe. Ich weiß damit mache ich mich nicht beliebt und es trifft natürlich auch nicht auf alle Tierschutzhunde aus dem Ausland zu aber Deprivationshunde wie meiner zum Beispiel reagieren halt einfach anders und davon gibt es mittlerweile eine Menge in Deutschland und auch viele Besitzer, denen das gar nicht so klar ist. Ich gehöre zu denen, die bei fremden unangeleinten Hunden immer rufen „Könnten Sie ihren Hund bitte zurückrufen“ – also die unentspannte Fraktion . Dann kommt meist ein „der tut nix“ und ich antworte „meiner schon“. Dann folgt ein hektisches Zurückgerufe und Gepfeife, das eigentlich nie funktioniert. Wenn ich die Chance habe drei bis vier Meter Abstand zu bekommen, ist für mich alles okay aber alles darunter fällt meinem Terroristen extrem schwer. So schwer, dass ich dann schon ganz gerne eine Hand am Geschirr habe, zumindest wenn der andere Hund fixiert etc. Wenn sich eine unangenehme Hundebegegnung, wie z.B. mehrere freilaufende Hunde ankündigt, nehme ich ihn auch gerne ans Halti. Besonders nett sind dann die Hundehalter, die irgendwann ihren Hund angeleint haben und stehen bleiben, um zu fragen, was denn mit meinem nicht stimmt. Während der fremde Hund meinen beständig fixiert … Ich habe einen asozialen Hund. Einen immer noch sehr unsicheren und ängstlichen rumänischen Hund, der ein klein wenig Zeit braucht Hunde kennenzulernen. Ich bin also die, die sich immer ins Gebüsch schlägt und Abstand sucht. Zumindest bei fremden Hunden. Denn mein Chaot mag andere Hunde, wenn er sie auf einem gemeinsamen Spaziergang kennenlernen darf. Er merkt hey, der überrollt mich nicht gleich, der gehört jetzt dazu – dann hat er ganz schnell neue Kumpels. Er und seine Hundekumpels dürfen übrigens auch ganz oft ausgelassen toben und spielen aber eben weit draußen, wo die Gefahr für andere Hunde minimal ist und ich während des Spiels mit Argusaugen den Horizont abspähe, ob nicht doch ein anderer Hund unterwegs ist. Denn mit seinen Kumpels im Rücken mutiert meiner dann zur Abwehrfront und ist eine wirkliche Gefahr für andere Hunde. Und ja auch ich habe einige Hundetrainer durch und habe „aufgegeben“ zumindest, was die Trainingsstunden angeht. Uns haben die Trainer ja auch aufgegeben. Ich mache das jetzt aus meinem Bauch heraus. Es entspannt mich und den Hund „aufgegeben zu haben“ und sich auf das Management zu konzentrieren statt weiter davon zu träumen, dass der Chaot irgendwann ein „Ich-mag-andere-Hunde-Hund“ wird. Meine alte Hündin hatte übrigens auch keinen Bock auf andere Hunde, die hat das aber alles schön selber regeln können, ganz hündisch .

    • Marion

      Hallo Tina,

      Dein „Aufgeben“ interpretiere ich mal als akzeptieren und das finde ich in dem Fall auch gut. Es gibt Hunde, die können sich nicht ändern, jedenfalls nicht so sehr, dass sie – wie du sagst – ein „Ich-mag-andere-Hunde-Hund“ werden. So einen Fall hatte ich vor Emma auch und ja, es entspannt die Situation und die Mensch-Hund-Beziehung enorm, wenn man das akzeptiert, statt am Hund ewig weiter trainieren zu wollen. Übrigens können das nur die Hundehalter verstehen und nachempfinden, die schon einmal einen solchen Hund an ihrer Seite hatten.

      Es wäre ja einfacher, wenn alle Hundehalter wieder kapieren: Kommt ein angeleinter Hund entgegen, leine ich meinen Hund auch an. Keine Ahnung, was an dieser Regel so schwer ist.

      Du schreibst, dass du diejenige bist, die sich immer in Gebüsch schlägt und Abstand suchst. Genau diese Einstellung fehlte mir bei der Frau aus meinem Fallbeispiel. Sie hatte ja Probleme mit ihrem Hund,bzw. ihr Hund mit anderen Hunden. Sie hat aber von mir erwartet (und mir ja auch noch zugerufen),dass ich in die Büsche gehe. Ehrlich, fand ich total daneben. Wenn ich Probleme mit meinem Hund habe, muss ich das Problem nicht auf andere abwälzen – und genau das hat diese Frau getan – und tust du halt nicht.

      Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer einfach für euch ist. Und nein, wie du schon sagst sind nicht alle Tierschutzhunde aus dem Ausland „gestört“. Aber natürlich gibt es dort im Ausland mehr Hunde als in Deutschland, die sehr negative Erfahrungen machen mussten und die schon unter schlechten Bedingungen aufgewachsen sind. Das prägt und dann ist es im – ich sage mal – engen Deutschland umso schwieriger für die Hunde.

  • Angelika

    Wo können Hunde denn den sozial Kontakt lernen? Wie sollte ich mich bei einem anderen Hund verhalten? Wie sollte ich mich als Hundebesitzer verhalten. Wo lerne ich die die Hundesprache? In den meisten Hundeschulen sicher nicht. Dort geht es um Sitz und Platz und die Hunde dürfen als Welpe mit einander kontakt aufnehmen. Sobald sie älter sind heisst es nur noch Leine.

    Ich kenne nur eine Hundeschule da dürfen Hunde Hund sein. Über 150 Hunde an einem Tag auf dem Gelände alle frei ohne Leine und ohne Halsband…kleine, grosse, alte, junge alle Rassen mit ihren verschiedenen spezifischen Ausdrucksweisen. Ich bin seit 16 Jahren mit meinen Hunden dort. Sie lernen von klein auf von den anderen wie man sich Artgenossen gegenüber benimmt. Klar lernen sie auch sitzt, Platz, bleib ect während der Stunde aber vor und nachher dürfen sie spielen. Während dessen geniesse ich Kaffee, Kuchen und ein langes schwätzchen mit gleichgesinnten und beobachte die Hunde. Ich habe durch das beobachten im Umgang der Hunde soviel gelernt. Das fehlt den meisten Hundebeitzern und auch den meisten Hunden.

    Das nächste Problem ist, dass die Hunde ja kaum noch frei laufen dürfen. Im besten fall wird es geduldet. In den Medien liest man meist nur schlechtes und stellt sie als blutrünstige Bestien hin. Ich weiss nicht wie oft ich mir anhören musste ….sie dürfen die Hunde nicht frei laufen lassen ..das ist Gesetz. Dabei haben sie keinen belästigt und sassen neben mir. Ich frag mich was soll das.

    Es ist echt nur traurig und macht mich so wütent. Hundesteuer zahlen dürfen wir aber es gibt immer mehr Einschänkungen und Verbote.

    • Marion

      Das mit den fehlenden oder mangelnden Möglichkeiten für Freilauf halte ich auch für sehr sehr schlecht. An der Leine ist das Erlernen vom Umgang mit Hunden so gut wie nicht möglich. Da hängt ja dann noch einer an der Leine, sodass der Hund keine eigenen Strategien entwickeln kann.

      Aber, nu muss ich mal fragen: 150 freilaufende Hunde auf einem Gelände – wie groß ist das Gelände denn? Das kann ich mir nu wieder nicht vorstellen, denn Hunde im Freilauf beim Spaziergang haben ja die Möglichkeit auszuweichen oder Hunde zu ignorieren, wenn sie die nicht so dolle finden. Bei der Menge an Hunden stelle ich mir das schwierig vor.

  • Daniela

    Du sprichst mir sowas von aus der Seele…

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