Nahrungsergänzung für Hunde sinnvoll oder nicht?

Nahrungsergaenzungsmittel Hund

Kaum ein Thema wird im Hundebereich so emotional diskutiert wie Nahrungsergänzungen. Die einen sagen: „Braucht kein gesunder Hund!“ Die anderen füttern täglich Pulver, Öle und Kapseln. Sind Nahrungsergänzungen für Hunde sinnvoll oder nicht?

Die wissenschaftliche Grundlage ist klar: Ein bedarfsgerecht formuliertes Alleinfuttermittel nach FEDIAF-Richtlinien (Europäischer Verband der Heimtierfutterindustrie) deckt grundsätzlich den Nährstoffbedarf eines gesunden Hundes ab. Das bedeutet: Bei einem gesunden Hund mit hochwertigem, ausgewogenem Futter sind zusätzliche Supplemente nicht automatisch notwendig.

Aber: Es gibt Situationen, Lebensphasen und Erkrankungen, in denen gezielte Ergänzungen sinnvoll und teilweise sogar notwendig sein können. Und genau das schauen wir uns jetzt einmal genauer an.

Grundsatz: Mehr ist nicht automatisch besser

Bevor wir in einzelne Ergänzungen einsteigen, ist ein Punkt extrem wichtig: Nahrungsergänzung ist kein harmloser Bonus. Überdosierungen können problematisch oder sogar gefährlich sein.

Gerade fettlösliche Vitamine wie Vitamin A oder D können bei Überdosierung toxisch wirken. Auch Mineralstoffe wie Calcium oder Kalium dürfen niemals „einfach so“ ergänzt werden.

Eine zu hohe Calciumgabe kann den Mineralstoff- und Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen, besonders bei wachsenden Hunden. Ein Zuviel an Kalium kann im Extremfall sogar lebensgefährlich sein.

Wann Nahrungsergänzungen sinnvoll sein können

Es gibt klare Situationen, in denen Nahrungsergänzungen sinnvoll sind. Hier sind ein paar Beispiele:

1. Senioren – der Stoffwechsel verändert sich

Mit zunehmendem Alter verlangsamt sich die Verdauung. Nährstoffe werden teilweise schlechter aufgenommen, die Darmflora verändert sich und chronische Entzündungsprozesse nehmen zu.

Alte Hunde sollten ein hochwertiges Hundefutter mit leicht verdaulichen Proteinen erhalten. Außerdem helfen Ballaststoffe dabei, die Darmtätigkeit zu unterstützen und Verstopfung vorzubeugen.

Gerade bei Senioren ist die Darmflora oft weniger stabil. Eine kurweise Unterstützung mit einem entsprechenden Nahrungsergänzungsmittel ist zu empfehlen.

2. Gelenkprobleme – häufig im Alter

Arthrose, Steifheit, eingeschränkte Beweglichkeit sind typische Alterserscheinungen. Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA) können entzündungshemmend wirken und bei Arthrose unterstützend eingesetzt werden. Auch Glucosamin und Chondroitin werden häufig genutzt, wobei die Studienlage gemischt ist, aber viele Tierärzte berichten von moderaten Verbesserungen.

Siehe auch:   Experten-Interview mit Sabine Sernau über Ernährungsberatung für Hunde

Ein Ergänzungsmittel wie Bewegung-Fit kann hier unterstützend wirken, ersetzt aber keine tierärztliche Therapie. Das bedeutet: Lasse auf jeden Fall abklären, welche Ursache die Gelenkbeschwerden deines Hundes hat.

3. Darmflora – Schlüssel für Immunsystem und Haut

Der Darm ist das größte Immunorgan des Körpers. Wenn du die Darmflora deines Hundes unterstützt, stärkst du gleichzeitig das Immunsystem. Eine gestörte Darmflora kann mitverantwortlich sein für:

  • Verdauungsstörungen
  • wiederkehrenden Durchfall
  • Blähungen
  • Hautprobleme
  • Allergien
  • Juckreiz

Viele Hunde leiden unter Wohlstandskrankheiten durch eine schlechte Ernährung. Da geht’s den Hunden nicht viel anders als uns Menschen. Eine schlechte Ernährung kann zu Verdauungsstörungen, Magenbeschwerden, Unverträglichkeiten, Juckreiz und weiteren gesundheitlichen Problemen führen.

Darmflora HundDamit eine natürliche Selbstheilung möglich ist, muss das Immunsystem stark genug sein und das wiederum hängt mit einer gesunden Darmflora und somit mit der Ernährung zusammen. So sind Ekzeme und übermäßiger oder sich ständig wiederholender Juckreiz häufig eine Entgiftungsreaktion der Leber. Das tritt vor allem dann auf, wenn der Hund ein minderwertiges Futter mit vielen künstlichen Zusätzen erhält. Der Körper bildet Antikörper und das kann langfristig zu Unverträglichkeiten, Juckreiz, Ekzemen u.a. führen.

Wird nun lediglich der Juckreiz oder das Ekzem mit Medikamenten oder nur äußerlich behandelt, entstehen andere Krankheiten. Wichtig ist in dem Fall die Unterstützung der Darmflora in Kombination mit einer Futterumstellung. Bei starkem und anhaltendem Juckreiz können zusätzliche weitere Nahrungsergänzungen sowie für die äußere Behandlung Calendula hilfreich sein.

Eine Stärkung der Darmflora kann zudem sinnvoll sein bei:

  • älteren Hunden
  • nach Antibiotika
  • nach einer Wurmkur
  • nach Krankheit
  • bei chronischen Hautproblemen
  • nach langer Fütterung minderwertiger Produkte

Wichtig: Die Stärkung der Darmflora benötigt Zeit. Bei einem ansonsten gesunden Hund reicht eine Kur von 3 Wochen jährlich aus. Bei Hunden mit bereits bestehenden Hautproblemen, Juckreiz, Magenbeschwerden oder anderen Problemen, dauert es in der Regel wesentlich länger. Auch bei Hunden, die bisher minderwertiges Hundefutter mit künstlichen Zusätzen erhielten, ist Geduld gefragt.

Siehe auch:   Mangelernährung bei Hunden
Hundefutter Quiz

Mini-Check: Passt die Ernährung deines Hundes wirklich?

Beantworte fünf kurze Fragen und finde heraus, ob die aktuelle Ernährung deines Hundes wirklich zu ihm passt.

1 / 5

Frisst dein Hund sein Futter zuverlässig und gerne?

2 / 5

Hat dein Hund eines dieser Probleme?

3 / 5

Weißt du genau, was im Futter deines Hundes enthalten ist?

4 / 5

Hat sich das Verhalten deines Hundes nach einer Futterumstellung verändert?

5 / 5

Wie sicher fühlst du dich bei der Fütterung deines Hundes?

Dein Ergebnis ist

Die durchschnittliche Punktzahl beträgt 0%

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4. Zahnstein und Darm – der unterschätzte Zusammenhang

Viele denken bei Zahnstein ausschließlich an Zahnpflege von außen. Doch die Mundflora steht in enger Verbindung mit der Darmflora. Eine gestörte Darmflora kann das bakterielle Gleichgewicht im Maul beeinflussen. Das heißt auch in dem Fall: Futterumstellung plus Stärkung der Darmflora.

Bestimmte Rassen neigen besonders zu Zahnproblemen, darunter Yorkshire Terrier, Chihuahua und Malteser. Hier kann eine gezielte Ergänzung unterstützend wirken, wenn das Nahrungsergänzungsmittel die Anzahl der Enzyme erhöht, die für den Abbau von Zahnbelag zuständig sind.

5. Haut, Fell und Fellwechsel

Biotin, Zink und Omega-3-Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei:

  • stumpfem Fell
  • starkem Fellwechsel
  • schuppiger Haut

Eine gezielte Ergänzung kann hier zeitlich begrenzt sinnvoll sein, besonders während des Fellwechsels.

6. Bierhefe – Energie und B-Vitamine

Bierhefe enthält natürliche B-Vitamine und kann sinnvoll sein bei:

  • Leistungshunden
  • Welpen
  • Senioren mit Energieabfall

Sie kann zudem die Haut- und Fellqualität unterstützen.

Siehe auch:   Barfen für Hunde – wie gesundes, frisches Futter die Gesundheit meiner Hunde verbessern konnte

7. Vitamin B12 – Nerven und Regeneration

Vitamin B12 spielt eine zentrale Rolle im Nervensystem und im Zellstoffwechsel.

Bei neurologischen Problemen wie:

  • Bandscheibenvorfällen
  • Nervenkompressionen
  • „schlurfendem“ Gang

kann eine Supplementierung unterstützend wirken, da B12 an der Myelinsynthese beteiligt ist und Nervenregeneration unterstützt.

Wichtig: Hier sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, ob ein tatsächlicher Mangel vorliegt.

10. Selbstgekochtes Hundefutter oder BARF-Rationen

Hier ist die Studienlage eindeutig: Viele selbst erstellte Rationen sind nicht bedarfsdeckend. Es fehlen häufig Calcium, Jod, Zink, Vitamin D und Kupfer. Hier sind gezielte Vitamin- und Mineralstoffmischungen nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Aber bitte nicht einfach drauf los supplementieren, denn beispielsweise  kann eine zu hohe Gabe an Calcium zu Störungen im Hormon- und Mineralhaushalt führen.

Wenn ihr Studien dazu lesen möchtet:

Bewertung von Rezepten für selbst zubereitetes Hundefutter

Aufnahme von Mineralstoffen und Co. bei BARF

Wenn ihr Hundefutter selbst zubereiten möchtet, dann informiert euch detailliert darüber. Mangelerscheinungen treten nicht plötzlich, sondern schleichend auf und oft bringen Hundehalter die Beschwerden nicht mit der Ernährung in Verbindung. Es wird dann das Symptom behandelt, aber dem Hund geht es nicht wesentlich besser.

Fazit: Nahrungsergänzung ist weder Wundermittel noch Unsinn

Nahrungsergänzungen für Hunde sind sinnvoll, wenn:

✔ eine konkrete Indikation vorliegt
✔ ein Mangel besteht
✔ eine Erkrankung unterstützt werden soll
✔ selbst gekocht oder gebarft wird
✔ eine Lebensphase besonderen Bedarf mit sich bringt

Sie ist sinnlos oder riskant, wenn:

✖ wahllos kombiniert wird
✖ keine Bedarfsanalyse erfolgt
✖ hochwertige Alleinfutter unnötig „aufgepeppt“ werden
✖ Dosierungen nicht beachtet werden

Hund Ernährungsberatung

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