Die Umstellung auf BARF – Theorie und Praxis

Wie sollte die Umstellung auf BARF passieren? Worauf muss geachtet werden, wenn dein Hund bisher Fertigfutter bekam oder von dir bekocht wurde und du nun auf BARF umsteigen möchtest?

Gabriele Tischler ist für mich die Expertin zum Thema BARF. Mit Herz und Seele führt sie ihre „Pfotenbar“. Schon einmal hat Frau Tischler hier im Blog über die biologisch artgerechte rohe Fütterung (BARF) geschrieben. Im heutigen Blogartikel erklärt sie, wie du deinen Hund an BARF gewöhnen kannst:

BARFEN – Methoden für die Futterumstellung

BARF, die biologisch artgerechte rohe Fütterung, ist mittlerweile ein Thema in der Hundewelt, an dem man nicht mehr vorbei kommt.

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Bücher, Blogs, Webseiten und Facebookgruppen zum Thema Rohfütterung – und auch genauso viele verschiedene Meinungen dazu, wie man richtig barft.

 

Das fängt schon mit der Umstellung von Fertigfutter auf BARF an – deshalb möchte ich hier einmal die verschiedenen Möglichkeiten sowie ihre Vor- und Nachteile vorstellen.

 

Methode 1: Von einem Tag auf den anderen auf BARF umstellen

Die übliche Variante ist, quasi von einem Tag auf den anderen umzustellen. Das ist nicht ganz so einfach, wie es klingt – sinnvollerweise sollte man seinen Hund einen Tag fasten lassen (bei Welpen eine Mahlzeit auslassen), um sicher zu sein, dass der Magen und auch der Darm weitgehend leer sind.

Zur ersten rohen Mahlzeit wird dann Muskelfleisch mit maximal 10% Fettgehalt und Gemüse serviert – meistens nimmt man Rind oder Lamm und dazu Karotten. Wird dies gut vertragen, werden nach und nach in den weiteren Mahlzeiten Innereien, Zusätze, verschiedene Gemüsesorten und Knochen gegeben, bis man nach einigen Tagen komplett und ausgewogen roh füttert. Knochen führt man zuletzt und schrittweise ein, anfangs nur ein kleines Stück nach der Fleischmahlzeit (oder eine kleine Portion gewolfte Knochen).

 

Vorteile dieser Methode: Kurz und schmerzlos. Für Allergiker, die aufgrund einer vermuteten Futterallergie umgestellt werden und für Welpen meines Erachtens die beste Methode.

 

Nachteile dieser Methode: Gerade bei Hunden, die bereits länger Fertigfutter bekommen haben oder die sehr sensibel bei Futterwechseln sind, kann es zu verschiedenen kleineren oder größeren Umstellungsproblemen kommen – Durchfall, Erbrechen, Blähungen, um nur einige zu nennen.

 

Bitte beachten: Wird diese Methode gewählt, auf gar keinen Fall ein Fleisch mit zu hohem Fettgehalt wählen. Je nachdem, welchen Fettgehalt das vorherige Futter hatte, kann eine zu plötzliche Erhöhung des Fettgehalts zu einer Pankreatitis führen. Das ist relativ selten, aber sollte trotzdem erwähnt werden.

 

Methode 2: Zunächst mit Pansen auf BARF umstellen

Eine andere Variante ist der ersten Methode sehr ähnlich – hier wird als erste Fleischsorte grüner Pansen gewählt, ohne Gemüse. Idealerweise sollte es frischer Pansen vom Weiderind bzw. Weidelamm sein, nicht eingefroren. Ansonsten ist das weitere Vorgehen identisch.

 

Vorteile: Pansen wird von den meisten Hunden sehr gerne gefressen, hat einen recht guten Effekt auf die Darmflora, der Fettgehalt ist moderat und Verstopfung ist ausgeschlossen, da Pansen meistens einen sehr „fluffigen“ Kot produziert.

 

Nachteile: Im Prinzip die Gleichen wie bei Methode 1, wobei gerade frischer Pansen nicht nur im Napf, sondern auch bei Blähungen für gewisse olfaktorische Herausforderungen sorgt. Menschen mit empfindlicher Nase sollten diese Methode nicht wählen.

 

Methode 3: Kochend auf BARF umstellen

Wer bisher für seinen Hund gekocht hat, kennt vielleicht den Begriff „Kochbarf“.

Eigentlich gibt es kein gekochtes BARF, denn roh und gekocht widersprechen sich natürlich. Dennoch gibt es nicht wenige Hundebesitzer, die vom selberkochen für den Hund auf BARF umstellen. Hier ist die Umstellung im Prinzip einfach: Die Kochzeit wird immer weiter verkürzt, bis das Futter komplett roh in den Napf kommt. Natürlich gilt dies nicht für Reis oder Kartoffeln, die bei gekochtem Futter recht häufig im Napf landen. Diese Bestandteile werden schrittweise abgebaut oder in wesentlich kleineren Mengen weiterhin gekocht.

Möchte man von Fertigfutter auf BARF umstellen und der Hund frisst das rohe Fleisch – aus welchen Gründen auch immer – nicht, kann man genauso gut das Fleisch anfangs kochen. Die weitere Umstellung ist wie bei Methode 1, nur halt eben gekocht und die Kochzeit wird immer weiter verkürzt, bis das Futter komplett roh gegeben wird.

 

Vorteile: Gerade bei Hunden, die aus Schonkost heraus umgestellt werden, ideal. Auch bei mäkeligen Hunden, die z.B. Innereien roh verschmähen, eine gute Methode, um sie langsam ans BARFEN heranzuführen.

 

Nachteile: Knochen sollten niemals gekocht werden. Je nach Dauer der Umstellung, bis komplett roh gefüttert wird, sollte man daher auf andere Calcium-Lieferanten zurückgreifen.

Methode 4: Futter mischen und BARF einschleichen

Schrittweise Umstellung – das böse Mischen bzw. Einschleichen

Beim „Einschleichen“ mischt man das bisherige Futter (Trocken- oder Dosenfutter) mit etwas Pansen oder Muskelfleisch (oder einer Mischung daraus). Anfangs gibt man nur geringe Mengen Rohfleisch. Die Menge an Rohfleisch wird langsam immer weiter gesteigert und analog das bisherige Futter immer weiter verringert, bis nach einigen Tagen nur noch Rohfleisch und Gemüse im Napf landet. Ab diesem Zeitpunkt werden dann nach und nach Innereien, verschiedene Fleischsorten, verschiedene Gemüsesorten, Zusätze und zuletzt Knochen zum Futterplan hinzugefügt, bis man nach einiger Zeit genau wie bei den anderen beiden Methoden ausgewogen barft.

 

Diese letzte Methode ist mein persönlicher Favorit, auch wenn es eigentlich überall heißt, Fertigfutter und BARF sollte nicht gemischt werden, meist wegen der unterschiedlichen Verdauungszeiten.

Ich sehe das etwas anders – denn sehr viele Hundebesitzer „peppen“ das öde Trockenfutter oder auch Dosenfutter sowieso häufig auf, mit Essensresten, Gemüse, Kartoffeln, Nudeln, Quark oder Hüttenkäse, Öl und was sonst noch so alles im Napf landet. Häufig seit Jahren und den weitaus meisten Hunden bekommt dies bestens.

Darüber hinaus empfehle ich nicht, dauerhaft zu mischen. Die Phase der Umstellung von Fertigfutter auf BARF, in der gemischt wird, dauert meistens nur etwa 1 Woche.

Meiner persönlichen Meinung nach ist dies die schonendste Methode – keine abrupte Umstellung, kein kalter Entzug, sondern langsam, allmählich, dem Hund angepasst.

Es gibt Hunde, die stürzen sich voller Eifer auf das Fleisch, während andere erstmal misstrauisch sind oder mäkeln – bei der Mischmethode kann man ganz flexibel auf die Gelüste des Vierbeiners eingehen und die erste Phase der Umstellung ganz nach Belieben verkürzen oder verlängern.

 

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei dieser Form der Futterumstellung, also dem Mischen,  etwaige Probleme, wie Durchfall, Erbrechen, Blähungen, schleimiger Kot, Magengeräusche etc. meistens gar nicht erst auftreten.

 

Ich selber habe alle meine Hunde genauso umgestellt – erwachsene Hunde, Hunde aus dem Tierschutz mit unbekannter Futter-Vergangenheit, Welpen – alle haben die Umstellungsphase problemlos gemeistert, mit gutem Appetit gefressen und keinerlei Verdauungsprobleme gehabt.

Es ist einfach mein Erfahrungswert aus der Praxis – auch wenn die Theorie sagt, dass man es anders machen sollte.

 

Umstellung auf BARF: Zuerst nur eine Fleischsorte füttern

Egal, für welche Methode man sich entscheidet, allen gemeinsam ist, dass man sich anfangs auf eine Fleischsorte und eine Gemüsesorte beschränken sollte – und erst bei erfolgreicher Umstellung, ganz zum Schluss, mit der Fütterung von Knochen begonnen werden sollte.

Die Gründe hierfür sind schnell erklärt.

Fertigfutter hat meist einen recht niedrigen Fettgehalt. Deshalb sollte man anfangs einen sehr moderaten Fettgehalt füttern, im Zweifel lieber zu mager als zu fettig, damit die Bauchspeicheldrüse nicht überfordert wird.

 

Dazu kommt, dass die Magensäure eines Hundes, der bisher Fertigfutter bekommen hat, mit Knochen meistens überfordert ist. Auch an die Knochenfütterung muss ein Hund gewöhnt werden. Idealerweise fängt man damit an, Knochen als „Nachtisch“ zu geben – nur ein kleines Stück (oder eine kleine Portion gewolfte Knochen). Dann ist die Produktion an Magensäure in vollem Gange, der Magen ist durch die vorherige Mahlzeit sozusagen „gepolstert“ und der Hund ist nicht ganz so gierig.

 

Auch sollte man anfangs nicht zu viele verschiedene Fleischsorten (also verschiedene Tierarten) durcheinander füttern. Es wird zwar immer gesagt, dass abwechslungsreiche Fütterung bei BARF sehr wichtig ist, aber damit ist nicht unbedingt gemeint, möglichst viele verschiedene Tierarten. Wichtiger ist eher, sich komplett durch das fiktive Beutetier zu füttern. Bei Rindfleisch z.B. ist das dann nicht nur Muskelfleisch, sondern auch Pansen, Blättermagen, Innereien, verschiedene Fleischqualitäten wie Lefzen, Kopffleisch, Stichfleisch. Es empfiehlt sich, gerade am Anfang bei maximal 2-3 Tierarten zu bleiben. Meistens bietet sich hierfür Rind, Geflügel und Fisch an.

 

BARF Umstellung ist eine individuelle Angelegenheit

Wie man sieht, es gibt nicht die einzig wahre Methode der Umstellung – sehr viel hängt vom Einzelfall ab. Habe ich z.B. einen Allergiker, der auf Ausschlussdiät gesetzt werden muss, habe ich keine Wahl –  es macht hier keinen Sinn, mit dem bisherigen Futter zu mischen.

Habe ich einen sehr mä

keligen und empfindlichen Hund, dann macht es vielleicht Sinn, anfangs zu kochen oder auch mit dem bisherigen Futter zu mischen.

Die einzig wahre „richtige“ Umstellung auf BARF gibt es also nicht.

Deshalb mein Rat: Auf den eigenen Bauch hören, sich dafür entscheiden, was einem für den eigenen Hund richtig erscheint. Dann ist es gar nicht so schwer, auf BARF umzustellen – versprochen!

 

Autorin: Gabriele Tischler von der Pfotenbar

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