Immer wieder ist von artgerechter Ernährung für Hunde zu lesen. Aber: Was heißt das denn? Und wie sieht ein artgerechtes Hundefutter aus? Gehen wir dem Ganzen mal auf die Spur und schauen uns die körperlichen Merkmale an. An diesen Merkmalen ist erkennbar, was am besten im Napf landen sollte.
Karnivoren, Omnivoren – wozu gehört der Hund?
Generell wird zwischen drei Ernährungstypen unterschieden:
Omnivoren (Allesfresser)
Karnivoren (Fleischfresser)
Herbivoren (Pflanzenfresser)
Während Katzen immer noch reine Fleischfresser sind, haben sich Hunde im Zuge der Domestizierung zu Fleisch-Allesfressern (Carni-Omnivoren) entwickelt. Und anders als der Wolf, der Getreide nicht verwerten kann, verfügen Hunde über ein entsprechendes Gen (AMY2B). Dadurch können sie Stärke verdauen.
Aber: Dennoch sollte der Hauptbestandteil eines artgerechten Hundefutters aus Fleisch bestehen! Und warum das so ist, kannst du an verschiedenen Merkmalen erkennen.
Das Hundegebiss
Ein Fleischfresser hat ein Gebiss, mit dem das Erlegen seiner Beute möglich ist. Zudem muss er mit seinen Zähnen das Fleisch herauslösen können.
Hunde haben ein Raubtiergebiss. Sie können Beute mit ihren Fang- und Reißzähnen erlegen und fressen.
Hunde haben im Gegensatz zu Kühen oder Pferden keine Mahlzähne. Sie sind somit nicht in der Lage, mit ihrem Gebiss pflanzliche Nahrung zu zermahlen und kauen. Mit dem Raubtiergebiss können sie Nahrung lediglich grob zerkleinern.
Die Darmlänge des Hundes
Ein Fleischfresser hat im Verhältnis zum Pflanzenfresser einen relativ kurzen Darm. Zum Vergleich: Das Verhältnis von Körper- und Darmlänge liegt beim Schaf bei 1:24 und beim Hund bei 1:3.
Für Pflanzenfresser ist ein langer Verdauungstrakt wichtig, weil die pflanzliche Zellulose schwer verdaulich ist und erst aufgespalten werden muss. Das benötigt mehr Zeit, weil es ein langsamer Vorgang ist.
Fleischfresser hingegen benötigen keinen langen Darm, weil tierisches Protein und Fett leichter verdaulich sind. Zudem muss das Fleisch schnell befördert werden, weil ansonsten Fäulnisprozesse entstehen.
Säuregrad im Magen des Hundes
Der pH-Wert im Hundemagen ist sehr niedrig und beläuft sich auf ein bis 2 pH. Das ist wesentlich geringer als der pH-Wert beim Pferd (3 bis 4) oder bei der Kuh (6 bis 7). Beim Mensch liegt der pH-Wert des Magens bei ein bis 2 im nüchternen Zustand und nach dem Essen zwischen 3 und 6.
Der Hund frisst unter anderem Nahrungsabfälle oder auch mal Aas. Die Salzsäure im Magen tötet Krankheitserreger und Keime ab. Beim leeren Magen liegt der pH-Wert bei ungefähr 6 und er sinkt auf bis zu eins ab, wenn der Magen gefüllt ist.
Im Hundemagen beginnt im kleinen Umfang die Fettspaltung. Das übernimmt das Enzym namens Magenlipase. Durch die Peristaltik werden die Fette weicher gemacht – als Vorbereitung für den Darm. Eine Kohlenhydratverdauung kann jedoch im Hundemagen aufgrund des sauren pH-Wertes nicht stattfinden. Zudem fehlen dem Hund Zuckerenzyme, die für die Spaltung der Kohlenhydrate notwendig sind.
Im Menschenmagen hingegen wird die Nahrung für den Darm sehr gut vorbereitet. Ein Mensch hat ein Gebiss wie ein Pflanzenfresser (also auch mit Mahlzähnen) und einen Darm wie ein Allesfresser. Der Hund hat ein Gebiss und einen Darm wie ein Fleischfresser.
Nicht verwechseln: Karnivoren und Carnivora. Es gibt Tiere, wie Bären, die zur Ordnung der Carnivora (Raubtiere) gehören und dennoch überwiegend Pflanzen fressen. Die eine Gruppe unterscheidet Tiere nach ihrer Ernährungsart und die andere Gruppe ist die biologische Einordnung.
Artgerechtes Hundefutter für den Fleisch-Allesfresser
Zu den körperlichen Merkmalen gäbe es natürlich noch viel mehr und ausführlicher zu sagen. Das sprengt aber in diesem Blogbeitrag völlig den Rahmen.
Fleisch und tierische Proteine
Wie du nun gelernt hat, sind Darm und Gebiss von Hunden die eines Fleischfressers. Der Hauptbestandteil des Futters sollte somit aus tierischen Proteinen bestehen. Ansonsten kann es zum Eiweißmangel kommen.
Proteine (Eiweiße) setzen sich aus Aminosäuren zusammen. Der Körper benötigt diese Aminosäuren unter anderen für den Erhalt, den Aufbau und der Erneuerung der Körpersubstanz. Auch benötigt der Körper genügend Proteine für eine starke Muskulatur.
Einige Aminosäuren werden vom Körper selbst hergestellt und andere müssen mit der Nahrung zugeführt werden. Zudem kann der Hund tierische Proteine besser verwerten als pflanzliche. Außerdem fehlen bei pflanzlichen Proteinen einige Aminosäuren, die aber für den Hund sehr wichtig sind.
Kohlenhydrate und Fette
Kohlenhydrate stammen meistens von Pflanzen ab. Es handelt sich um Stärken und um Zuckerarten. Hunde haben einen geringen Bedarf an Kohlenhydraten. Glukose ist für die Zellen wichtig, denn dieser Einfachzucker versorgt die Zellen schnell mit Energie. So wird der Energiebedarf des Gehirns hauptsächlich mit Einfachzucker gedeckt.
Bekommt der Hund jedoch zu viele Kohlenhydrate, wandelt der Körper sie in Fett um und dienen dann als Energiereserve.
Nun ist zu beachten, dass der Energiebedarf von Faktoren wie Krankheit, Alter, Aktivitätslevel und Außentemperatur unterschiedlich ausfällt. Bei Hunde-Senioren verläuft beispielsweise die Verdauung langsamer und schlechter, weshalb alte Hunde mehr Ballaststoffe benötigen. Zudem sollte ein alter Hund leicht verdauliche Eiweiße erhalten.
Bei sensiblen Hunden können gekochte Kartoffeln bei einer Futterumstellung sinnvoll sein, damit während der Umstellung keine Beschwerden wie Durchfall entstehen. Vor allem, wenn zuvor ein minderwertiges Futter mit vielen Zusätzen gefüttert wurde. Dann ist die Darmflora gestört. Gleiches gilt bei zu häufigen Wurmkuren.
Hinweis: Wenn Welpen und Junghunde bereits schlechtes Futter erhielten, ist das oft die Basis für Unverträglichkeiten. Denn in der Anfangszeit entwickelt sich die Darmflora.
Auch Fette sind wichtige Energieträger, wobei es auf die Art der Fette ankommt. Fette sind wesentlich energiereicher als Kohlenhydrate. Gute Fette sind besser verdaulich, während ein hoher Anteil an Kohlenhydrate in der Nahrung die Verdauung erschweren.
Vitamine und Mineralstoffe
Vitamine sind lebensnotwendig. Dabei wird zwischen wasserlöslichen (zum Beispiel Vitamin C und B-Vitamine) und fettlöslichen (A,D,E und K) unterschieden. Wenn zu viele wasserlösliche Vitamine aufgenommen werden, scheidet der Körper sie wieder aus. Zu viele fettlöslichen Vitamine werden in den Organen und im Bindegewebe abgespeichert und das kann Schäden verursachen.
Vitamin B12 ist ausschließlich in tierischen Nahrungsmitteln enthalten.
Außerdem liefert Fleisch Mineralstoffe wie Zink, Selen und Eisen. Die Verwertung von Zink und Eisen ist in Kombination mit Fleisch besser als mit pflanzlicher Kost.
Chemische Zusätze in Hundefutter
Und jetzt kommen wir zu einem weiteren Punkt: Chemische Zusätze. In meinen Ernährungsberatungen höre ich immer wieder, dass es egal sei, wenn der Hund mit einem billigen Futter gefüttert werde.
Nö, das ist nicht egal und das liegt unter anderem an den chemischen Zusätzen.
Alle künstlichen Zusätze haben Nebenwirkungen. So töten Konservierungsstoffe Bakterien ab und dieser Effekt hat eine negative Auswirkung auf die Darmflora. Farbstoffe sind völlig überflüssig und dienen lediglich dem menschlichen Auge. Dem Hund ist es nämlich egal, wie sein Futter aussieht. Der Organismus muss jedoch diese Farbstoffe entsorgen.
Deshalb solltest du unbedingt einen Blick aufs Etikett werfen. Billiges Hundefutter ist nur deshalb so billig, weil möglichst billig produziert wird. Du wirst deinem Hund damit weder hochwertige noch artgerechte Ernährung bieten.
Und: Du sparst am falschen Ende, denn irgendwann macht sich eine schlechte Ernährung bemerkbar – durch gesundheitliche Störungen, Unverträglichkeiten oder Krankheiten. Da geht’s dem Hund nicht anders als dem Menschen.
So erkennst du die Auswirkung eines artgerechten Hundefutters bei deinem Hund
Die Ernährung wirkt sich auf den gesamten Organismus aus.
Kotmenge: Die Kotmenge fällt bei einer hochwertigen Nahrung geringer aus, weil sie besser verwertet wird.
Glänzendes Fell: Durch eine artgerechte Nahrung erhält der Hund alle Nährstoffe und das zeigt sich an einem glänzenden Fell.
Kein Zahnstein: Ja, Zahnstein hat mit der Ernährung zu tun und mit dem pH-Wert des Speichels.
Geringer Geruch: Hunde, die mit minderwertigem Futter gefüttert werden, stinken (sorry). Das liegt daran, dass der Körper die Giftstoffe ausscheiden muss.
Vitalität: Hunde, die hochwertig und artgerecht ernährt werden, sind in der Regel fitter und aktiver.