Mein Tierschutzhund ist da und nichts ist so, wie ich es mir vorgestellt habe

Du hast dich gefreut und du hast dich vorbereitet. Wahrscheinlich hattest du auch gedanklich Bilder von der ersten Zeit im Kopf – wie sich dein Hund wohlfühlt und wie du ganz verliebt bist.

Und jetzt sitzt du da, mit einem Hund, der unsicher ist, vielleicht ängstlich, vielleicht zurückhaltend, vielleicht ganz anders als erwartet. Du bist müde, verunsichert und vielleicht auch ein bisschen enttäuscht, obwohl du dich dafür innerlich schämst.

Wenn du das gerade fühlst: Du bist nicht allein.

Die Vorstellung vom „ankommenden Hund“

Viele Menschen holen einen Tierschutzhund mit einer stillen Hoffnung im Herzen ab:
Dass der Hund dankbar ist. dass er schnell Vertrauen fasst und dass man bald ein Team ist.

Diese Hoffnung ist menschlich und verständlich, aber sie ist oft nicht realistisch. Denn ein Tierschutzhund kommt nicht als leere Seite in dein Leben. Er kommt mit seiner eigenen Geschichte und Erfahrungen zu dir. Und diese Erfahrungen lösen sich nicht auf, nur weil er jetzt in Sicherheit ist.

Wenn der Hund anders ist, als du ihn erwartet hast

Vielleicht frisst dein Hund schlecht. Vielleicht versteckt er sich und wirkt distanziert oder überfordert. Vielleicht ist er noch nicht stubenrein oder vielleicht bellt er viel, zittert oder zieht sich zurück. Und vielleicht denkst du: Ich habe mir das alles einfacher vorgestellt.

Dieser Gedanke macht vielen Haltern Schuldgefühle. Dabei ist er völlig normal. Du hast dir ein gemeinsames Leben vorgestellt und nicht einen emotionalen Ausnahmezustand.

Doch genau das ist Ankommen oft: Ein Ausnahmezustand.

Dein Hund ist nicht schwierig, sondern noch orientierungslos

Dein Hund hat gerade alles verloren, was er kannte. Selbst wenn das alte Leben schlecht war, war es vertraut. Jetzt ist alles neu: Gerüche, Geräusche, Regeln, Menschen, Tagesabläufe.

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Dein Hund weiß nicht, was richtig ist und er weiß nicht, was von ihm erwartet wird. Zudem weiß er sich noch nicht in Sicherheit. Und deshalb wirkt er vielleicht anders, als du es erwartet hast. Er kann sich noch nicht anders verhalten. Das Ankommen braucht oft Zeit und deine Geduld.

Wenn du Unterstützung benötigst, ist mein Onlinekurs eine gute Wahl – auch, wenn du bereits deinen Tierschutzhund ausgewählt hast. Im Kurs wird auf viele Anfangsschwierigkeiten eingegangen und zeigt dir Lösungswege, um zu einem guten Mensch-Hund-Team zu werden.

Hund aus dem Tierschutz

Du darfst auch überfordert sein

Es ist ein Tabuthema: Viele Tierschutzhalter fühlen sich in den ersten Tagen oder Wochen überfordert. Man spricht darüber kaum, weil man sich mit den eigenen Gefühlen wie ein schlechter Mensch vorkommt. Schließlich wolltest du einem Hund ein tolles Zuhause bieten und für ihn da sein. Und jetzt fühlst du dich überfordert.

Diese Gefühle machen dich nicht zu einem schlechten Menschen. Sie machen dich zu einem ehrlichen Menschen. Du darfst diese Gefühle zulassen. Sprich mit anderen Hundehaltern, die ebenfalls einen Hund aus dem Tierschutz aufgenommen haben. Du wirst feststellen, dass du  nicht alleine bist.

Ankommen ist kein Moment, sondern ein Prozess

Dein Hund kommt nicht an, wenn er durch deine Tür tritt. Er kommt an, wenn er beginnt, sich sicher zu fühlen. Und das braucht Zeit. Bei manchen Hunden dauert es nur wenige Tage, bis sie ein sicheres Gefühl entwickeln. Andere brauchen dafür Wochen oder sogar Monate.

Und dieses Ankommen ist kein gerader Weg. Es gibt gute Tage, Rückschritte und Phasen, in denen du denkst, es wird nie normal. Aber ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass es eines Tages normal wird. Mit der Zeit wachst ihr zusammen und dein Hund fühlt sich wohl und zuhause. Sei geduldig – mit deinem Hund und mit dir. Tipp: Schraube deine Erwartungen ein ganzes Stück runter. Lerne deinen Hund in Ruhe als ganz eigene Persönlichkeit kennen, mit all seinen Schwächen und Stärken.

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Du musst nicht alles richtig machen

Dein Hund braucht keinen perfekten, sondern einen berechenbaren und zuverlässigen Menschen. Jemanden, der ruhig bleibt, auch wenn er unsicher ist. Jemanden, der nicht jeden Fehler korrigiert oder ihn deshalb bestraft oder ignoriert und jemanden, der ihn nicht ständig optimieren möchte.

Kleine Zeichen, die oft übersehen werden

Nimm ganz bewusst die kleinen Signale wahr. Vielleicht legt sich dein Hund allmählich immer öfter in deine Nähe oder vielleicht schaut er dich häufiger an. Vielleicht schläft er tiefer als in den ersten Tagen. All das sind kleine Vertrauenssignale.

Ein letzter Gedanke für dich

Vielleicht ist euer Anfang gerade schwer oder chaotisch. Aber genau dieser Anfang ist der Boden für alles, was noch kommt. Ihr geht den Weg gemeinsam und das wird sich später auszahlen.

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