Junghund Pubertät: Warum plötzlich nichts mehr funktioniert

Viele Hundehalter erleben irgendwann einen Moment, in dem sie sich ernsthaft fragen, ob ihr Hund sie überhaupt noch kennt. Kommandos, die monatelang zuverlässig funktioniert haben, scheinen plötzlich vergessen. Der Rückruf wird ignoriert, Regeln werden getestet und der sonst so kooperative Hund wirkt auf einmal wie ausgewechselt. Willkommen in der Pubertät des Junghundes.
Diese Phase ist für viele Menschen frustrierend, gehört aber zur normalen Entwicklung eines Hundes. Wer versteht, was im Hund vorgeht, kann deutlich entspannter damit umgehen und die richtigen Weichen für das spätere Zusammenleben stellen.
Was bedeutet Pubertät beim Hund?
Die Pubertät ist eine hormonelle und neurologische Umbauphase. Sie beginnt je nach Rasse und individueller Entwicklung meist zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat und kann bis zu zwei Jahre andauern. In dieser Zeit verändern sich Hormonhaushalt, Gehirnstruktur und emotionale Verarbeitung.
Das Gehirn wird regelrecht umgebaut. Verbindungen, die bisher zuverlässig funktioniert haben, werden neu sortiert. Gleichzeitig nehmen Sexualhormone Einfluss auf Verhalten, Impulskontrolle und Aufmerksamkeit. Das führt dazu, dass dein Junghund zwar vieles kennt, aber nicht immer darauf zugreifen kann.
Warum hört mein Junghund plötzlich nicht mehr?
Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass der Hund „absichtlich“ nicht hört oder seine Bezugsperson testet. In Wahrheit ist der Junghund häufig überfordert. Seine Umwelt wird intensiver wahrgenommen, Reize sind spannender und schwerer auszublenden. Die Fähigkeit, sich auf den Menschen zu konzentrieren, ist zeitweise eingeschränkt.
Hinzu kommt ein wachsendes Bedürfnis nach Selbstständigkeit. Dein Hund entdeckt, dass er Entscheidungen treffen kann und probiert aus, wie weit er damit kommt. Das ist kein Dominanzproblem, sondern ein normaler Entwicklungsschritt.
Typische Verhaltensänderungen in der Pubertät
Viele Hunde zeigen in dieser Phase eine Mischung aus Unsicherheit und Übermut. Manche reagieren plötzlich ängstlich auf Dinge, die vorher kein Problem waren. Andere werden frecher, ziehen stärker an der Leine oder hinterfragen Grenzen. Auch das Spielverhalten verändert sich, Begegnungen mit anderen Hunden können konfliktreicher werden.
Nicht selten wirkt der Hund emotional instabil. An einem Tag klappt alles hervorragend, am nächsten scheint gar nichts mehr zu funktionieren. Diese Unberechenbarkeit ist für Halter oft anstrengender als einzelne konkrete Probleme.
Wie solltest du in der Pubertät mit deinem Hund umgehen?
Das Wichtigste ist, ruhig und konsequent zu bleiben. Regeln sollten nicht gelockert werden, nur weil es gerade anstrengend ist. Gleichzeitig braucht dein Hund Verständnis für seine eingeschränkte Belastbarkeit. Trainingseinheiten sollten kürzer, klarer und realistisch sein.
Statt ständig neue Dinge zu fordern, lohnt es sich, bekannte Übungen in einfachen Situationen zu festigen. Erfolgserlebnisse geben Sicherheit. Dein Hund muss spüren, dass er sich auf dich verlassen kann, auch wenn in ihm gerade Chaos herrscht.
Besonders wichtig ist eine verlässliche Struktur im Alltag. Feste Spaziergänge, Ruhezeiten und Rituale helfen dem Junghund, sich zu orientieren. Körperliche Auslastung sollte altersgerecht sein, geistige Beschäftigung klar angeleitet und nicht überfordernd.
Warum Strenge oder Nachlässigkeit jetzt problematisch sind
In der Pubertät neigen viele Menschen zu Extremen. Entweder wird der Hund ständig korrigiert und kontrolliert, oder Regeln werden aufgegeben, weil ohnehin nichts mehr klappt. Beides ist ungünstig.
Zu viel Druck verstärkt Unsicherheit und kann zu Stress oder Meideverhalten führen. Zu viel Nachsicht hingegen sorgt dafür, dass sich unerwünschtes Verhalten festigt. Ziel ist ein ruhiger, verlässlicher Rahmen, in dem dein Hund lernen darf, ohne überfordert zu werden.
Wann wird es wieder besser?
So unerquicklich sich diese Phase anfühlt: sie geht vorbei. Mit zunehmender Reife stabilisieren sich die neuronalen Verbindungen, die Impulskontrolle verbessert sich und dein Hund kann wieder zuverlässiger auf gelerntes Verhalten zugreifen. Viele Hunde wirken nach der Pubertät ausgeglichener und belastbarer als zuvor.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie in dieser Zeit nicht allein gelassen oder falsch geführt werden. Die Pubertät entscheidet maßgeblich darüber, wie souverän ein Hund als Erwachsener durchs Leben geht.
Fazit: Pubertät ist keine Katastrophe, sondern Entwicklung
Auch wenn es sich manchmal anders anfühlt: Dein Hund macht nichts „kaputt“. Er wächst und entwickelt sich. Die Pubertät ist eine Phase des Lernens, des Ausprobierens und der Neuorientierung. Mit Geduld, Klarheit und realistischen Erwartungen legst du jetzt den Grundstein für ein stabiles Miteinander in den kommenden Jahren.
FAQ: Junghund Pubertät
Wann beginnt und endet die Pubertät beim Hund?
Die Pubertät beginnt meist zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat, abhängig von Rasse, Größe und individueller Entwicklung. Kleine Rassen sind oft früher dran, große später. Das Ende der Pubertät liegt häufig zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat.
Ist es normal, dass mein Junghund Kommandos plötzlich ignoriert?
Ja, dieses Verhalten ist typisch für die Pubertät. Dein Hund hat die Signale nicht vergessen, kann sie aber unter Ablenkung oder Stress schlechter abrufen. Das liegt an hormonellen Veränderungen und am Umbau des Gehirns, nicht an Ungehorsam oder Trotz.
Sollte ich in der Pubertät das Training intensivieren?
Nein, intensiver im Sinne von länger oder strenger ist meist kontraproduktiv. Sinnvoller sind kurze, klare Trainingseinheiten in reizarmen Situationen. Ziel ist Stabilität, nicht Perfektion. Qualität und Wiederholung sind in dieser Phase wichtiger als neue Herausforderungen.
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