Hundefutter aus dem Supermarkt: billig im Regal, teuer für den Hund?

Hundefutter aus Supermarkt

Manchmal höre ich von Hundehaltern diesen Satz: „Mein früherer Hund wurde 16 Jahre alt und der hat sein Leben lang nur billiges Hundefutter aus dem Supermarkt bekommen.“

Und ja, das ist möglich. Genauso ist es möglich, dass ein Mensch sehr alt wird, obwohl er sich über Jahre von Burgern, Pommes, Fertigpizza und süßen Softdrinks ernährt hat. Aber niemand würde ernsthaft behaupten, dass Fast Food deshalb plötzlich eine besonders gute Ernährung wäre.

Genau das ist der Punkt.

Ein einzelner Hund, der trotz Supermarktfutter alt geworden ist, beweist nicht, dass dieses Futter optimal war. Es beweist nur, dass Hunde erstaunlich viel kompensieren können. Und genau wie bei uns Menschen heißt „überlebt“ eben nicht automatisch „gesund ernährt“.

Ich möchte in diesem Beitrag nicht so tun, als sei jedes Hundefutter aus dem Supermarkt automatisch Gift. Das wäre unseriös. Ein als Alleinfuttermittel deklariertes Hundefutter muss nach den geltenden Vorgaben grundsätzlich so zusammengesetzt sein, dass es den täglichen Nährstoffbedarf eines gesunden Hundes decken kann, wenn es korrekt gefüttert wird.

Aber genau da beginnt die eigentliche Frage erst:

Ist ein Futter nur irgendwie bedarfsdeckend oder tut es deinem Hund wirklich gut?

Und das ist ein gewaltiger Unterschied.

Warum billiges Hundefutter überhaupt so billig sein kann

Wenn ein Produkt im Regal sehr günstig angeboten wird, dann hat das fast nie mit Zauberei zu tun. Es hat mit Kalkulation zu tun.

Ein niedriger Preis entsteht zum einen natürlich durch riesige Produktionsmengen, Handelsmarken und aggressive Einkaufspreise. Aber er entsteht eben auch dadurch, welche Rohstoffe eingekauft und wie transparent sie deklariert werden.

In Tiernahrung dürfen sowohl Zutaten tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs verwendet werden. FEDIAF (European Pet Food Industry Federation – europäischer Dachverband der Heimtiernahrungsindustrie) weist ausdrücklich darauf hin, dass Tiernahrung oft tierische Bestandteile nutzt, die Menschen aus kulturellen oder kulinarischen Gründen nicht essen, obwohl sie rechtlich sicher sind, zum Beispiel Lunge, Herz, Nieren oder Leber. Ebenso werden häufig pflanzliche Rohstoffe wie Mais, Reis, Weizen oder Hafer eingesetzt.

Das ist wichtig zu verstehen:
„Tierische Nebenerzeugnisse“ sind nicht automatisch verdorben, giftig oder illegal. Sie sind zunächst einmal ein Sammelbegriff. Das Problem ist ein anderes: Die Deklaration ist oft so allgemein, dass du als Hundehalter kaum beurteilen kannst, welche Qualität tatsächlich im Napf landet. FEDIAF erklärt selbst, dass die Zusammensetzung und Additive auf dem Etikett stehen müssen, viele Begriffe für Verbraucher aber schwer verständlich sind, weil das Futtermittelrecht nicht wie das Lebensmittelrecht für Menschen aufgebaut ist.

Genau deshalb kann ein Futter günstig bleiben:
Es muss nicht mit besonders hochwertigen, offen ausgewiesenen Fleischstücken arbeiten. Es kann stärker mit günstigen pflanzlichen Rohstoffen strecken. Es kann sehr allgemein deklarieren. Und es kann stärker auf technische Hilfen setzen, damit das Produkt trotz einfacher Rohstoffbasis appetitlich, haltbar und optisch besser wirkt.

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Das Ergebnis ist dann häufig ein Futter, das auf dem Papier irgendwie funktioniert, aber bei genauerem Hinsehen wenig Begeisterung auslöst.

Was oft in billigem Hundefutter steckt

Wenn du sehr günstiges Hundefutter anschaust, findest du oft eine Mischung aus breit deklarierten tierischen Komponenten, pflanzlichen Bestandteilen und Zusatzstoffen, die vor allem eines leisten sollen: Das Produkt soll günstig herstellbar, lange lagerfähig, technisch stabil und für den Hund ausreichend attraktiv sein.

Das Erste, was häufig auffällt, ist die vage Zusammensetzung. Statt klar zu lesen, welche Fleischart in welchem Anteil enthalten ist, stehen dort Formulierungen, die viel Spielraum lassen. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Futter unbrauchbar ist. Es bedeutet aber, dass du weniger Transparenz hast und Transparenz ist beim Hundefutter kein Luxus, sondern die Grundlage für eine gute Entscheidung.

Dazu kommen häufig günstige pflanzliche Rohstoffe, die Energie liefern und Volumen schaffen. Mais, Weizen, Reis oder andere Getreide- und Stärkekomponenten sind rechtlich völlig zulässig und nicht grundsätzlich „böse“. Aber wenn der Preis extrem niedrig ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau solche kostengünstigeren Energieträger eine größere Rolle spielen, weil hochwertige, klar benannte tierische Rohstoffe teurer wären. FEDIAF beschreibt solche pflanzlichen Zutaten ausdrücklich als typische Bestandteile von Tiernahrung.

Und dann kommt noch ein dritter Punkt dazu, den viele unterschätzen: technologische und sensorische Korrekturen. Denn wenn Rohstoffe nicht automatisch besonders attraktiv riechen, schmecken oder aussehen, muss das Produkt auf anderem Weg „funktionieren“. Wobei der Punkt des Aussehens für die Hundehalter gilt. Dem Hund ist es egal, wie das Futter aussieht.

Welche künstlichen Zusatzstoffe oft verwendet werden und warum

Hier wird es spannend. Und auch hier gilt: Nicht jeder Zusatzstoff ist automatisch schlimm. Aber du solltest verstehen, wozu er eingesetzt wird.

FEDIAF nennt bei Tierfutter mehrere typische Zusatzstoffgruppen. Dazu gehören Konservierungsstoffe, Antioxidantien, Farbstoffe, Aromen, Emulgatoren und Stabilisatoren. Die Hersteller nutzen sie nicht zufällig, sondern aus klaren Gründen.

Konservierungsstoffe

Konservierungsstoffe sollen verhindern, dass ein Futter mikrobiell verdirbt, schimmelt oder während der Lagerung an Qualität verliert. Gerade bei Trockenfutter ist das relevant, weil es nicht luftdicht steril in einer Dose liegt, sondern mit Sauerstoff und Feuchtigkeit in Kontakt kommen kann. FEDIAF erklärt ausdrücklich, dass trockene Tiernahrung deshalb natürliche oder künstliche Konservierungsstoffe und Antioxidantien einsetzen kann, um die Haltbarkeit zu sichern und Fettverderb sowie Bakterien- oder Schimmelwachstum zu verhindern.

Das heißt: Der Zusatzstoff ist technisch sinnvoll. Aber gleichzeitig zeigt er dir auch, dass du es hier nicht mit „frisch gekocht wie zuhause“, sondern mit einem industriell stabilisierten Produkt zu tun hast.

Antioxidantien

Antioxidantien schützen vor allem die Fettanteile im Futter. Fette reagieren mit Sauerstoff, werden ranzig und verlieren dabei nicht nur an Geschmack, sondern auch an ernährungsphysiologischer Qualität. FEDIAF nennt hier unter anderem Tocopherole (Vitamin E), Ascorbate (Vitamin C) sowie künstliche Antioxidantien, die in Tierfutter und auch in menschlichen Lebensmitteln eingesetzt werden.

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Auch hier gilt: technisch sinnvoll. Aber wenn ein Futter so zusammengesetzt ist, dass es monatelang lagerstabil sein soll, dann braucht es eben genau solche Schutzmaßnahmen.

Aromen und Geschmacksverstärker

Aromen werden eingesetzt, um die Akzeptanz zu erhöhen. FEDIAF schreibt, dass Aromen die Schmackhaftigkeit steigern und Produktvariation ermöglichen können. Das können natürliche Aromen sein, etwa Extrakte aus Fisch oder Geflügel, oder Stoffe, die natürliche Aromen nachbilden sollen.

Das ist der Punkt, an dem ich als Ernährungsberaterin genauer hinschaue.

Denn je einfacher und günstiger die Rohstoffbasis, desto eher besteht ein wirtschaftlicher Anreiz, die Schmackhaftigkeit technologisch nachzuhelfen. Ein Futter muss schließlich gefressen werden. Und wenn es ohne Aroma-Zugabe weniger attraktiv wäre, wird eben nachgebessert. Das ist nicht automatisch skandalös. Aber es ist eben auch nicht dasselbe wie ein Futter, das schon aus seiner Rohstoffqualität heraus überzeugt.

Farbstoffe

Farbstoffe sind für den Hund ernährungsphysiologisch praktisch bedeutungslos. Der Hund braucht kein hübsch gefärbtes Futter. Farbstoffe werden in erster Linie für den Menschen eingesetzt, damit Brocken, Soße oder Stückchen appetitlicher, frischer oder „fleischiger“ wirken. FEDIAF schreibt ganz offen, dass Farbstoffe zugesetzt werden können, um das Aussehen des Futters zu verbessern.

Und genau da wird es für mich unerquicklich.

Denn wenn ein Futter optisch verschönert werden muss, stellt sich automatisch die Frage: Für wen eigentlich? Für den Hund sicher nicht.

Emulgatoren und Stabilisatoren

Diese Stoffe sorgen dafür, dass sich Fett und Wasser nicht trennen, und sie geben Soßen, Gelees oder Pasteten ihre gewünschte Konsistenz. FEDIAF nennt hier zum Beispiel Lecithin sowie verschiedene Gummen, darunter Guarkernmehl oder Algenextrakte.

Auch das ist technologisch nachvollziehbar. Nur solltest du eben wissen, dass die „schöne Soße“ im Napf nicht einfach naturgegeben da ist, sondern oft das Ergebnis gezielter technischer Steuerung.

Nassfutter, Trockenfutter und die Haltbarkeit

Viele Hundehalter denken bei billigem Futter sofort an Konservierungsstoffe. Das ist aber nicht in jeder Produktart gleich.

FEDIAF erklärt, dass Nassfutter in Dosen, Schalen oder Beuteln nach dem Abfüllen luftdicht verschlossen und anschließend unter hoher Hitze sterilisiert wird – ähnlich wie Konserven für Menschen. Dadurch ist es steril und braucht bei der Verarbeitung keine zusätzlichen Konservierungsstoffe.

Bei Trockenfutter ist das anders. Es wird zwar ebenfalls unter Hitze hergestellt, ist aber nicht luftdicht steril konserviert wie Dosenfutter. Deshalb werden hier Konservierungsstoffe und Antioxidantien eingesetzt, um Fettverderb und Qualitätsverluste während der Lagerung zu verhindern.

Das bedeutet nicht, dass Trockenfutter automatisch schlecht ist. Aber es zeigt sehr deutlich, wie weit industrielle Tiernahrung von dem Bild entfernt ist, das viele Verpackungen verkaufen möchten.

Der eigentliche Denkfehler vieler Hundehalter

Der größte Denkfehler ist nicht, dass Menschen Supermarktfutter kaufen. Der größte Denkfehler ist, dass sie den niedrigen Preis und die jahrzehntelange Verfügbarkeit mit Qualität verwechseln.

  • Nur weil etwas überall verkauft wird, heißt das nicht, dass es besonders gut ist.
  • Nur weil ein Futter legal ist, heißt das nicht, dass es die beste Wahl ist.
  • Nur weil dein Hund es frisst, heißt das nicht, dass es ihm langfristig gut bekommt.
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Und nur weil der Hund der Nachbarin mit billigem Futter alt geworden ist, heißt das noch lange nicht, dass dieses Futter wirklich empfehlenswert war.

Hunde sind zäh. Sie kompensieren viel. Sie kommen lange mit Dingen klar, die für sie nicht optimal sind. Aber als Halter sollte dein Anspruch doch nicht sein, dass dein Hund „irgendwie durchkommt“. Dein Anspruch sollte sein, dass du ihn so gut wie möglich versorgst.

Was du deinem Hund mit billigem Supermarktfutter meistens gibst

Du gibst ihm meistens nicht die maximale Transparenz. Du gibst ihm meist keine besonders sorgfältig nachvollziehbare Rohstoffqualität. Du gibst ihm häufig ein Produkt, das vor allem günstig, haltbar, massentauglich und schmackhaft sein soll. Und du gibst ihm oft mehr technologische Kompensation, als dir bewusst ist.

Nochmal: Das heißt nicht, dass jedes Futter aus dem Supermarkt automatisch krank macht.

Aber es heißt sehr wohl, dass du deinem Hund damit in der Regel nichts besonders Gutes tust.

Nicht, weil er morgen sofort zusammenbricht. Sondern weil du ihm Tag für Tag ein Futter gibst, das in vielen Fällen eher auf Preis und industrielle Funktion optimiert ist als auf bestmögliche Ernährung.

Und wenn du ehrlich bist, würdest du für dich selbst vermutlich auch nicht sagen: „Hauptsache satt und legal.“ Warum also beim Hund?

Zudem entwickeln sich viele Unverträglichkeiten beim Hund durch eine schlechte Ernährung. Oft liegt es an den künstlichen Zusätzen im Hundefutter. Daneben können außerdem gesundheitliche Beschwerden wie Juckreiz, Ekzeme, Durchfall und andere Probleme auftauchen. Mal gar nicht zu reden von Nierenerkrankungen und Leberkrankheiten, denn die Entgiftungsorgane haben jede Menge zu tun, wenn sie tägliche künstliche Zusätze wieder aus dem Körper befördern müssen.

Mein Fazit

Wenn du Hundefutter nur danach kaufst, dass es möglichst billig ist, dann kaufst du nicht einfach nur „vernünftig ein“. Du kaufst sehr wahrscheinlich Abstriche bei Rohstofftransparenz, Zusammensetzung und Qualität mit.

Ja, ein Hund kann damit alt werden. Er kann auch irgendwie damit klarkommen, zumindest eine Zeit lang. Aber nein: Das ist noch lange kein Argument dafür, dass du ihm damit etwas Gutes tust.

Wenn du deinem Hund wirklich gerecht werden willst, dann schau nicht zuerst auf den Preis. Schau auf die Deklaration, auf die Rohstoffe, auf die Qualität und auf das, was du deinem Hund jeden einzelnen Tag in den Napf legst.

Denn genau dort beginnt Gesundheit oder eben ihr langsamer Verschleiß.

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