Die Gassi-Überraschung – oder wie uns Killer Cat in der Siedlung willkommen hieß

„Ja doch, ich komm ja schon“ rief ich meinen drei Fellnasen einmal wieder entgegen, als sie sich zur gemütlichen Abendrunde hinter der Haustüre versammelt hatten und mich erwartungsvoll anblickten. Schnell in die Schuhe geschlüpft, die Jacke übergeworfen und mit den drei Leinen in der Hand verließ ich also auch an diesem Tag das Haus, damit einmal mehr das Bein gehoben oder sich in die Hocke gesetzt werden konnte. Natürlich schlug ich die übliche Runde ein, vorbei am Dorffriseur und dem schicken Haus mit dem akkurat angelegten Garten und erfreute mich an der Abendsonne.

Als wir jedoch in Richtung Wiese hinter dem Maisfeld abbogen überkam mich just das Gefühl, aus irgendeinem Grund in die kleine Gasse abzubiegen, die ich noch nie entlang gelaufen war und von der ich auch nicht wusste, wohin sie uns führen würde. Interessant sah dieser minimalistische Weg aus, vorbei an Gartenzäunen und an Dick & Doof, die als kleine Porzellanfiguren hinter einem Zaun auf einer Bank saßen und mich fröhlich anlächelten. Nachdem wir uns erst seit gut einem halben Jahr für das Dorfleben abseits der Großstadt entschieden hatten, freute ich mich sogar ein wenig, möglicherweise nochmal eine ganz neue Abendrunde in unserer ruhigen Siedlung entdeckt zu haben.

Und als wir so dahin schlenderten, meine ins Alter gekommene Jagd- und Vorstehhündin Fine, unser Ex-Straßenhund Zoe, die sich das jagen von ihr abgeschaut hat und Sarú, unser groß gewordener Golden Retriever Mix, der zwar so aussieht, in dem sich jedoch eine Kreuzung aus Maremmano und Schäferhund versteckt, entdeckte ich sie plötzlich, noch etwas fernab und dennoch gut genug: eine rabenschwarze, kleine Katze, die am Ende des Pfades einmal quer unseren Weg kreuzte.

Ein kleiner Überraschungsherzinfarkt machte sich in mir breit, bevor ich alle Kraft in die Hände lenkte und die Leinen fest wie ein Lasso hielt. Doch an diesem Tag war etwas anders. Denn aus irgendeinem mir nicht ersichtlichen Grund hatte keiner meiner drei Vierbeiner die noch unbekannte Nachbarin gesehen, gerochen und wurde auch sonst nicht auf sie aufmerksam.

Nun denn: Schwein gehabt, war mir doch die Situation, dass ich die Leine nicht rechtzeitig festhalten konnte und einer meiner Drei auf Jagd in fremden Vorgärten umher marschierte, durchaus bekannt. Also ließ ich fast beschwerdefrei meine Handgelenke wieder locker und erfreute mich daran, dass die Katze schnell aus meinem Blickfeld verschwunden und der Weg auch noch ein paar Schritte zu gehen war, bis wir auf die Stelle, an der das kleine Wesen vorbei stolzierte, treffen würden.

Doch was war das? Konnte ich meinen Augen trauen, bei dem, was als Nächstes passierte? Ich hätte dies bis dato für absolut unmöglich gehalten, doch auf einmal war es geschehen: die kleine schwarze Katze, die beim ersten Mal genau gesehen hatte, dass wir auf sie zusteuern würden, war zurückgekehrt! Sie stellte sich uns zwar nicht direkt in den Weg, doch sie kam zurück in die schmale Gasse, schaute uns mit einem durchdringendem „Wenn-du-noch-weiter-gehst-bist-du-tot“-Blick an und machte dabei gleichzeitig eine Buckel, der sich gewaschen hatte. Auf diesen folgte ein nahezu theatralisches Fauchen, dass uns alle Vier nicht nur in Staunen versetzte, sondern uns ebenso zum absoluten Stillstand zwang.

Natürlich konnten nun auch Fine, Zoe und Sarú nicht mehr anders, als dem schwarzen Blitz direkt in die Augen zu schauen und die Killerinstinkte wahrzunehmen, die uns so völlig aus dem Nichts entgegen geschleudert wurden. Da war guter Rat teuer – was nun? Angriff? Flucht? Natürlich entschied sich die Hundefraktion für Variante Nummer Eins und glücklicherweise gelang es mir, sie irgendwie im Zaum zu halten, bevor sie die Katze vermöbeln würden, oder, mit Verlaub gedacht, es sogar andersrum von statten gehen könnte. Denn das „kleine süße Katzerle“ setzte alles daran, die Hunde samt Frauchen so in Schach zu halten, was die Frage in mir aufwarf, ob ich nicht doch zur Umkehr gezwungen sein und die Gasse lieber möglichst schnell wieder verlassen sollte.

Pah! Das kam natürlich keineswegs in Frage. Irgendwie mussten wir doch an diesem zarten und zugleich kampfeslustigen Wesen vorüber ziehen können? Und so geschah es dann auch. Als wir näher und näher kamen und auch die Hunde ihre Hahnenkämme siegessicher fallen lassen konnten, gab auch Killer Cat nach und legte den Rückwärtsgang ein. Fast schon auf ihrer Höhe angekommen nahm sie dann auch endgültig das Weite und ich war mehr als nur froh, die Vorstellung von Krallen im Gesicht (oder Fell) wieder bei Seite schieben zu können.

Und dennoch, während wir also so gut wie sicher die neue Passage überquert hatten, stellte mir sich immer wieder folgende Frage: warum war sie überhaupt zurückgekommen? Was veranlasste die wahrscheinlich waghalsigste Katze im Universum, sich mir und drei mittelgroß bis großen Hunden, den Kampf anzusagen? War sie am Ende möglicherweise mutiert, besaß sie Superkräfte und ihr war langweilig geworden? Oder wollte sie nur „Hallo Nachbarn“ sagen, mit der versteckten Botschaft „Aber das ist mein Revier! Lasst euch bloß nie wieder blicken! … ???“.

Doch bevor ich dies Rätsel als lediglich merkwürdig und „das glaubt mir sowieso keiner“ begutachten konnte, kamen wir am Ende der Gasse an und auch an die Kreuzung, die ich nach links und damit für den Rückweg bereit einschlagen wollte. Nachdem die Hunde ihren unwiderstehlichen Drang, mich zum Zaun, wo gerade eben noch der Feind gewesen war, zu ziehen, ausleben konnten, um sich zumindest ihren Geruch zu merken, bereit, die Schlacht ein andermal auszutragen, fiel mein Blick nach rechts – und was entdeckte ich da? Einen kleinen Jungen, vielleicht gerade einmal vier Jahre alt, mit ein paar Spielzeugautos in der Hand.

„Irre“ dachte ich mir, musste heftig schmunzeln und revidierte in diesem Moment meine Vorstellung, dass Sarú der wohl größte Wächter im Dorf sei.

Danach ging’s dann aber wirklich nach Hause – wohl weißlich, dass wir scheinbar in eine Ortschaft gezogen waren, in der die Bürgerwehr noch zu funktionieren scheint.

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