Wenn der Hund Angst vor Gewitter hat

Der Himmel verdunkelt sich und in der Ferne ist dumpfes Donnergrollen zu hören:  Bei Gewitter können selbst die größten und kräftigsten Hunde zum zitternden Häufchen Elend werden.

Was tun, wenn sich der Vierbeiner versteckt, jault,vor Angst uriniert oder vor lauter Panik bellt? Hundehalter neigen dazu, die Fellnase zu trösten. Doch damit verstärken sie die Angst und beim nächsten Gewitter reagiert der Hund noch panischer. Durch tröstendes Streicheln wird die Fellnase in ihrer Reaktion bestärkt. Menschlich betrachtet könnte der Hund denken: „Wenn Frauchen/ Herrchen mit dieser Mitleidsstimme redet und eine jammervolle Körperhaltung einnimmt, muss Gewitter ganz furchtbar sein!“ Warum einige Hunde vor Gewitter (oder auch Feuerwerk) Angst haben, weiß man nicht genau. Bei manchen Vierbeinern lässt sich diese Angst nie komplett auflösen, doch dennoch kann man als Hundehalter dafür sorgen, dass diese Angst zumindest nicht größer wird.

Was tun, wenn Gewitter beim Hund Angst auslöst?

Wie oben bereits erwähnt, solltest Du Deinen Angsthund nicht trösten – auch wenn das ziemlich schwer fällt. Ein noch größerer Fehler wäre es, wenn Du ihn für seine Angst bestrafst. In dem Fall hätte der Vierbeiner beim nächsten Gewitter nicht nur Angst vor dem Donner, sondern auch vor Deinem Donnerwetter.

Foto: Michael Aigner

Foto: Michael Aigner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freilebende Hunde suchen sich eine sichere Höhle, wenn Gefahr droht. Dein Hund zeigt also im Grunde ein natürliches Verhalten, wenn er sich beim ersten Donnerschlag versteckt. Thomas Ifland, Hundetrainer, erklärte zudem Folgendes: “

Der Auslöser der Ängste ist übrigens meist nicht das Geräusch oder der Blitz. Viele Hunde reagíeren bereits auf ein Gewitter, bevor wir es überhaupt wahrnehmen: Es liegt an der Luft.
Die Luft vor und während eines Gewitters ist elektrostatisch aufgeladen. Diese Aufladung spüren die Tiere als Veränderung und damit als Warnung: Jetzt kommt was ! Es ist immer wieder festzustellen, dass Tiere vor einem Gewitter sehr unruhig werden und anfangen Schutz zu suchen. In zweiter Linie erfolgt dann die Angst vor Donner, also vor dem Geräusch. Dies verstärkt dann wieder die Reaktion auf die Luftveränderung beim nächsten Gewitter. Es ist ein Kreislauf, den es gilt zu unterbrechen: Nimm dem Tier die Angst vor dem Donner, dann stört ihn auch die Luftveränderung im Vorfeld nicht mehr.

Damit er sich in den eigenen vier Wänden sicher fühlen kann, solltest Du ihm einen Rückzugsort anbieten, bevor er sich diesen selbst sucht. Das kann eine Decke sein, die Du unter den Tisch legst oder eine Transportbox, an die er aber schon vorher gewöhnt werden sollte. Lass‘ Deinen Hund auf diesem Platz liegen, bis das Gewitter vorbei ist. Zwinge ihn somit nicht, hervorzukommen. Du gehst während des Gewitters Deinen normalen Gewohnheiten nach. Dadurch sieht der Hund, dass Du Dich nicht ungewöhnlich verhältst, wenn es donnert und stürmt.

Langfristig den Hund ans Gewitter gewöhnen

Mittels Desensibilisierung kann die Angst vor Gewitter zwar meistens nicht komplett aufgelöst werden, aber mit einer vorsichtigen Gewöhnung lässt sich diese Angst reduzieren. Dieses Anti-Angst-Training sollte in langsamen Schritten durchgeführt werden, sodass Du Dir dafür einige Wochen oder Monate Zeit nehmen solltest:

  • Für die Desensibilisierung benötigst Du Gewittergeräusche, die Du aufnimmst.
  •  Im ersten Schritt spielst Du den aufgenommenen Donner leise ab.
  • Während die Geräusche zu hören sind, spielst Du mit Deinem Hund, gibst Ihm etwas Leckeres zu essen oder machst andere Dinge, die für Deine Fellnase angenehm sind.
  • Auf diese Weise verbindet der Hund allmählich den Donner mit schönen Dingen.
  • Die Lautstärke der Geräusche wird langsam gesteigert. Wenn Du nach einigen Tagen oder Wochen merkst, dass Dein Vierbeiner schon ruhiger beim Hören des Donners ist, kannst Du die Geräusche etwas lauter abspielen.
  • Verstärkt sich die Angst wieder, wenn die Lautstärke erhöht wurde, drehst Du die Lautstärke wieder hinunter.

Wichtig ist, dass Du keine festen Zeiten für dieses Training festlegst. Wie in der Natur taucht Gewitter unregelmäßig und nicht vorhersehbar auf. So machst Du es auch mit den aufgenommen Gewittergeräuschen.

Diese Desensibilisierung braucht Zeit und manchmal sind mehrere Monate nötig, bis der Hund weniger Angst zeigt. Du solltest bei diesem Training viel Geduld beweisen und Ruhe bewahren. Bist Du hektisch, gestresst, gereizt oder genervt, verschiebe lieber die Trainingseinheit auf einen späteren Zeitpunkt.

Nachtrag: Eine aufmerksame Leserin machte mich auf einen Beitrag der Hundetrainerin Dr. Ute Blaschke-Berthold aufmerksam. In dem Artikel steht, dass Trösten sinnvoll ist, da es unter Tieren den sogenannten „Social Support“ gibt: Tiere holen sich in Stresssituationen bei anderen Gruppenmitgliedern Trost und Zuwendung! Lest am besten selbst den Artikel, der mir eine neue Sicht auf Trösten und Angst bei Hunden bietet: Beitrag von Dr. Ute Blaschke-Berthold

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