Von Hunden lernen – Systemische Aufstellung für Hundehalter

Ich wurde durch einen Artikel des Magazins “Partner Hund“ auf Frau Andrea Oppermann aufmerksam. Die systemische Kinesiologin hilft in erster Linie Tierhaltern mit verhaltensauffälligen Tieren.  Dazu nutzt sie unter anderem die Methode der systemischen Familienaufstellung. Warum Familienaufstellung, wenn es doch um Haustiere geht? Diese Frage wird im Interview, das ich mit Frau Oppermann führte, beantwortet. Ein Fazit aus dem Interview lautet: Du bekommst immer den Hund, den Du brauchst.

Frau Oppermann, Sie schreiben in Ihrem Buch, dass das Verhalten der Haustiere auch immer etwas mit dem Seelenleben des Halters zu tun hat. Wie kann man das verstehen? 

Andrea Oppermann: Wir alle, Menschen und Tiere, strahlen unsere Gefühle aus wie ein Energiefeld. Bin ich zum Beispiel schlecht gelaunt, hat dies eine Wirkung auf alle – auch auf den Hund. Er befindet sich in meinem Gefühls- und Energiefeld und hat die Gabe, sich in einen Menschen einzufühlen und selbst Aspekte wahrzunehmen, die einem Menschen nicht bewusst sind.

Umgekehrt spüren auch wir Menschen die Gefühlsenergien unserer Mitmenschen und der Tiere. So kommt es, dass wir beispielsweise in ein Tierheim gehen und fast magisch von einem bestimmten Hund angezogen werden. Dieser muss es dann unbedingt sein, auch wenn vielleicht die Größe oder einige typische Eigenschaften der Rasse dagegensprechen.

Das Tier löst etwas in einem aus, womit man in Resonanz geht und das hat mit einem selbst zu tun. Auf unbewusster Ebene suchen wir uns ein Tier aus, weil etwas im Menschen danach ruft, in Bewegung gebracht zu werden. Vielleicht eine alte Sehnsucht, eine Wunde die endlich geheilt werden will oder etwas, das eher mit der Familiengeschichte zu tun hat. Dies geschieht eher unbewusst. Bewusst wird nur gespürt: Das ist der Hund, den ich haben will, mit dem ich mein Leben teilen möchte!

Tiere wiederum können uns erspüren und zwar nicht nur auf körperlicher Ebene, sondern vor allem auf emotionaler, energetischer Ebene. Tiere nehmen genauso unsere Ängste wahr, wie unsere Sehnsüchte, Selbstzweifel oder Unsicherheiten. Sie spüren sozusagen die unerfüllten und in Not geratenen Anteile unseres Ichs und reagieren auf diese. Sie bringen somit beispielsweise durch ihre Verhaltensauffälligkeiten etwas von uns Ausdruck. Wenn wir das verstehen lernen, können Tiere unsere Heiler sein. Dann schauen wir unsere Hunde mit anderen Augen an, denn dann sind sie nicht das Problem, sondern nehmen es nur wahr und „melden“ es. Für mich sind dabei besonders Tiere aus der Tötung oder aus Schlachthöfen die großen Könner, da sie um ihr Leben kämpfen mussten. Sie fühlen, was geheilt werden muss. Sie gehen da hinein und bringen es auf den Punkt.

Ein Beispiel: Eine Frau sucht sich einen Hund aus dem Ausland aus. Bisher hatte der Hund noch nie gebissen und zeigte auch sonst kein auffälliges Verhalten. Nun kommt der Hund in den Haushalt der Frau und nach einigen Tagen fangen die ersten Probleme an. Die meisten Hundehalter melden sich dann heutzutage in der Hundeschule an und erlernen ein Verhalten, wie sie die „Eigenarten“ beispielsweise die Aggressionen ihres Hundes kontrollieren können. Dabei wird also das Symptom bekämpft, also die Verhaltensauffälligkeit des Hundes, aber nicht nach der eigentlichen Ursache geforscht  – die meist nicht im Tier zu finden ist!

Der Hund beginnt die Problematik des Halters zu erspüren und geht da hinein. Er zeigt sich vielleicht aggressiv, weil der Halter selbst unterdrückte Aggressionen in sich trägt, die wiederum durch die Familiengeschichte entstanden sind. Oder der Hund spürt, das der Mensch derzeit nicht in der Lage ist Grenzen zu setzen und möchte diese Aufgabe übernehmen.

Die meisten Tierbesitzer wissen eben noch nicht, dass sie sich einen Heiler ins Haus geholt haben! Ein großes Anliegen von mir ist, dass Menschen Zugang zu diesem Wissen bekommen. Zeigt das Tier Verhaltensauffälligkeiten, fühlt sich der Mensch oftmals  als Opfer. Das Tier weist ihn aber mit seinem Verhalten auf die eigentlichen Bereiche hin, in denen sich der Mensch weiterentwickeln sollte. Durch den Hund werden sie an die Oberfläche gebracht – und das ist wichtig, als Hundehalter verstehen zu lernen.

Frage ich als Beraterin, wie es dem Tier geht, sagt es mir mit seinem Verhalten etwas darüber aus, wie es dem Menschen geht.

Ihre Ansicht ist: Tiere sind sozusagen die Verbindung oder der Ausdruck zu vergangenen Erlebnissen des Halters. Vielleicht ein Beispiel zur Veranschaulichung: Was könnte ein Hund ausdrücken, worauf könnte er seinen Halter hinweisen, wenn er jeden Artgenossen angreifen will?

Andrea Oppermann: Bei einem aggressiven Hund sollte sich der Halter fragen: Welche Aggressionen bringt mein Hund von mir selbst zum Ausdruck? Es kann auch sein, dass der Halter Angst vor irgendetwas hat und stellvertretend geht der Hund dafür nach vorne. Dabei ist das Verhalten des Hundes unabhängig davon, ob die Angst, die Aggression oder Wut des Halters mit der gegenwärtigen Situation zu tun hat oder mit der Vergangenheit oder der Familiengeschichte.

Zum Beispiel könnte die Halterin mit einem Vater groß geworden sein, der gewalttätig war. Deshalb hat die Halterin ihren Vater abgelehnt. Sie hatte Angst vor ihm, aber sie war auch wütend auf ihren Vater. Konnte die Frau ihr Trauma noch nicht in sich lösen und bekommt später selbst eine Tochter, wird sie diese unbewusst danach erziehen, dass man bei Männern vorsichtig sein muss. Holt diese Frau sich einen Hund, wird dieser in aller Regel das Trauma durch sein Verhalten entweder in Form von aggressiven Verhalten oder in Form einer Überängstlichkeit ausdrücken und aufgreifen. Das Gleiche tun auch Kinder in Familien.

Nun geht die Frau mit ihrem Hund zur Hundeschule und gibt dort sozusagen ihre Autorität an den Trainer ab. Der Trainer soll das bitte regeln. Beim Trainer zeigt der Hund aber ein anderes Verhalten und „hört“ relativ schnell und leicht. Zuhause aber hat sich nichts geändert: Der Hund spürt weiterhin die Ängste, Sorgen und alten Erinnerungen der Frau und wie diese von ihr Besitz ergreifen. Manchmal mehr und manchmal weniger. Und er wird, weil er als Hund sich mit ihr verbunden fühlt – sie ist sein Rudel – alles unternehmen um ihr zu helfen. Im Grunde genommen möchte er, dass seine Halterin lernt, ihr Trauma zu verarbeiten, um so seelisch stark und ausgeglichen zu sein.

Ich verstehe das so: Jeder Mensch bekommt den Hund, den er braucht. Ist das richtig?

Andrea Oppermann: Genau, das ist es auf den Punkt gebracht. Aber nicht in dem Sinne „Jeder bekommt, was er verdient“ – also wie eine Strafe, sondern vielmehr wie ein Geschenk: Jeder bekommt den Hund, der dem Menschen helfen und heilen kann. Man muss nur als Mensch das Verhalten und die Zeichen verstehen, die der Hund gibt. Und oftmals gibt der Hund weit mehr als nur Zeichen: Er gibt oft den Willen, alte Wunden, Traumata und Probleme zu lösen. Viele Menschen würden sich nicht für sich selbst verändern. Aber für ihren Hund haben viele Menschen die Bereitschaft etwas an sich zu tun, wenn sie wissen, das es damit auch dem Hund besser geht. Daran ist auch nichts Schlechtes: Bildlich gesprochen ist es so, als würde der Hund sagen: „Schau mein lieber Mensch, durch mein Bellen, Aufbrausen oder durch meine Angst zeige ich Dir was Dich belastet. Am liebsten würde ich es für Dich lösen.“ Und der Mensch kann seinem Hund sagen: „Ich danke Dir mein lieber Hund, dass mir meine Innenwelt  über Dich zugänglich wird. Dir zur liebe kümmere ich mich jetzt selbst darum, damit Du davon frei bist.“

Sie haben die systemische Familienaufstellung erweitert, um Menschen und ihren Tieren zu helfen. Können Sie ein bisschen erklären, wie so eine Aufstellung funktioniert? Muss zum Beispiel der Hund dabei sein? 

Andrea Oppermann: Der Hund muss nicht dabei sein. Ich schaue immer, dass keiner gefährdet ist und auch der Hund nicht leiden muss. Ist der Hund bissig, müsste er im Raum angeleint werden und das wäre wahrscheinlich Stress für ihn. Es geht ja auch um den Menschen. Das Tier hat bereits seine Arbeit getan – oder tut sie noch – in dem es Verhaltensweisen zeigt, die auf die Belastungen und Probleme des Halters hinweisen sollen. Bei der systemischen Aufstellung geht es darum, dass der Mensch begreift, wo die Ursache des Problems der Mensch-Hund-Verbindung liegt.

Bei der Aufstellung sind beispielsweise zwischen 10 und 14 Teilnehmer anwesend.Zunächst wird das Ziel geklärt, das mit der Aufstellung erreicht werden soll. Meistens möchte der Hundehalter erreichen, dass sich das Verhalten seines Tieres ändert. Familienaufstellung bedeutet, dass man andere Kursteilnehmer stellvertretend für relevante Aspekte beispielsweise für Partner, Kinder, Eltern, Tiere und die Symptome, Erkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten in den Raum zueinander in Beziehung stellt. So entsteht im Raum ein Abbild des inneren Bildes. Hieraus lassen sich die Problemstellungen und auch Lösungswege erkennen. Durch beispielhafte Interaktionen der Stellvertreter und deren räumliche Umstellung wird ein Lösungsbild sichtbar und kann verinnerlicht werden.

Der Hund wird mit aufgestellt, aber hierbei von einem menschlichen Teilnehmer vertreten. Der Tierhalter selbst stellt auch einen Stellvertreter für sich in den Raum und kann dadurch das Geschehen – wie die restlichen Kursteilnehmer auch von Außen betrachten. Aus dieser Perspektive kann man verstehen, welche seelischen Aspekte des Menschen „wollen“, dass sich der Hund so verhält, wie er es tut. Mit „wollen“ ist hierbei nicht eine bewusste Absicht gemeint, sondern welche seelischen Aspekte des Menschen den Hund „antreiben“ bzw. auf ihn einwirken. Genau das kommt bei der Aufstellungsarbeit heraus. Wird dem Hundehalter nun bewusst, was hinter dem Verhalten seines Hundes steckt, verändert sich das Verhalten des Hundes, da er entlastet wird.

Die seelischen Aspekte des Menschen können sogar auf den Gesundheitszustand des Hundes einwirken. Eine Aufstellung kann dann sogar den Heilungsverlauf von Erkrankungen begünstigen. Ich erzähle mal ein Beispiel aus meiner Praxis, das einerseits anschaulich ist, aber andererseits auch erstaunt, weil es zeigt, wie tief die Verbindung der Seelen von Mensch und Tier sein können. Eine Frau kam neulich mit ihrem Hund zu mir. Dieser Hund wollte keinerlei Kontakte, weder zur Besitzerin, noch zur Hundetrainerin, zu anderen Menschen und zu anderen Hunden. Schaute man den Hund an, fing er an zu knurren und wollte beißen. Zudem hatte der Hund Epilepsie. Der Hund war auch täglich bei den Verwandten der Halterin, während sie berufstätig war. In der Aufstellung zeigte sich unter anderem auch die Verbindung zu der Schwester der Mutter, die früh in einem Krampf, der von Masern ausgelöst wurde, verstarb. Seit der Aufstellung ist der Hund bezogen auf seine Epilepsie anfallsfrei.

Andere Aspekte die die  Aufstellung verdeutlichte, trugen auch dazu bei, dass der Hund heute freundlich auf Menschen zugeht und jetzt auch gerne mit Artgenossen zusammen ist und sogar mit diesen spielt.

Der Hund zeigt immer mit seinem Verhalten das Symptom. Würde man nun den Hund abschaffen, ist damit nicht die Ursache behoben und das Symptom zeigt sich an anderer Stelle wieder.

Sie bieten Seminare an. An wen richten sich diese Seminare, wer kann also teilnehmen? 

Andrea Oppermann: In dem Seminar „Spuren lesen“ geht es zum Beispiel genau um das, was wir hier im Interview besprochen haben. Das Thema ist die Tier-Mensch-Beziehung und was die Tiere in uns heilen wollen. Hier können die Teilnehmer erkennen, woraus sich das Problem eines Tieres oder dessen Erkrankung zusammensetzt. Ebenso richtet sich das Seminar an alle, die Probleme mit ihrem Tier haben, die Angst vor Tieren haben oder einfach an Menschen, die verstehen lernen möchten, welche „seelische“ Spur das Tier im Menschen liest und anzeigt. Das Gesagte gilt nicht nur für Hunde, sondern alle Tiere tun dies unabhängig vor der Spezies.

Zum Seminar „Spuren lesen“:

Seelische Begleiter

Was meinem Tier am Herzen liegt

Tieren geht es gut wenn es ihrem Menschen gut geht

Wie die meisten Tierbesitzer schon oft gespürt haben, reagieren unsere Haustiere auf die Stimmungen der Menschen und es scheint so, dass sie ihr Frauchen und Herrchen aufmuntern, trösten oder beruhigen wollen.

Manchmal allerdings ist der Hund besonders dann unruhig, wenn man selbst keine Ruhe mehr findet. Oder die Katze pinkelt genau dann auf die Tasche der Schwiegermutter, wenn es wieder Streit mit ihr gegeben hat. Das macht es nicht besser, sondern führt zu einem Kreislauf, unter dem alle leiden.

So erleben viele Tierbesitzer, dass es eine Verbindung zwischen ihnen und ihrem Tier gibt, die viel tiefer geht als man gemeinhin von Tieren denkt. Tiere können ein seelischer Begleiter des Menschen werden. Dabei geht es dem Tier dann nicht nur um ein bisschen Streicheln und gutes Futter, damit die Welt des Tieres in Ordnung ist, sondern das Tier spürt den Stress des Menschen und reagiert darauf.

Dieses Mitfühlen und diese seelische Verbindung kann soweit gehen, dass sie auch Verhaltensstörungen und Erkrankungen des Tieres hervorruft und sich dann ungünstig auf einen Heilungsprozess auswirken. Wenn das Tier leidet, ist es neben dem guten Futter und einer liebevollen Zuwendung auch hilfreich, sich selbst als Mensch zu entlasten, um sein Tier seelisch zu entlasten. Geht es Frauchen oder Herrchen gut, geht es auch dem Tier gleich besser. Denn Ihr seelischer Begleiter drückt sonst mit seinem Verhalten und manchmal auch mit seinen Erkrankungen das aus, was er Belastendes bei seinem Menschen erspürt. Er drückt die Ängste, Sorgen und Sehnsüchte aus, für die man selbst keine Worte oder keine Beachtung findet.

In diesem Kurs kann für die Teilnehmer das sichtbar werden, was Ihr Tier in seiner Eigenart als Tier erlebt und spürt. Dadurch versteht man, wie man sein Tier unterstützen kann und wie das Tier den Menschen unterstützt.

Frau Oppermann was würden Sie sich für Mensch und Tier wünschen?

Meine Herzensangelegenheit ist es die scheinbare  Wertigkeit zwischen Mensch und Tier aufzuheben. Erkennt der Mensch wirklich und wenn es nur einen Atemzug dauert, dass sein Tier an seiner Seite alles, aber wirklich alles, von ihm lesen und erfühlen kann und dass alle Symptome des Tieres ausschließlich zur Heilung des Menschen zur Verfügung stehen, so denke ich wird die Welt des Einzelnen, sowie für das „Team Mensch und Tier“ zu einem beseelten kraftvollen Ort. Ich habe mich schon vor langer Zeit entschieden diesem Team mit all meinem Wissen, Können und meiner Liebe zur Seite stehen zu wollen.

Ich wünsche mir ganz naiv glückliche, beseelte Menschen die erkennen, dass ihr Tier an ihrer Seite ein Heiler ist und die die Bereitschaft haben, in das seelische Land ihres Tieres mitgehen zu wollen. Die den Mut haben, alles alte Herkömmliche einfach mal über Bord zu werfen.

Hunde" href="http://www.oppermann-beratung.de/" target="_blank">Andrea & Matthias Oppermann

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