Verantwortung als Hundehalter – Teil 1: Vertrauen, Sicherheit und Schutz

Als Hundehalter trägt man Verantwortung in verschiedener Hinsicht. Auf der einen Seite bist du für deinen Hund und sein Wohlbefinden verantwortlich. Auf der anderen Seite trägst du aber auch die Verantwortung dafür, dass weder Mensch noch Hund durch deinen Vierbeiner auf irgendeine Weise leiden müssen.

Im ersten Teil dieser Artikel-Serie geht es um Vertrauen, Sicherheit und Schutz – drei Dinge, die für deinen Hund und eure Mensch-Hund-Beziehung wichtig sind.

Achte auf dein Bauchgefühl und auf deinen Hund!

Die Basis eines guten Mensch-Hund-Teams ist das Vertrauen, dass der Hund dir gegenüber aufbauen kann. Du solltest zur Vertrauensperson deines Hundes werden. Er muss sich ganz sicher sein, dass er bei dir Sicherheit und Schutz findet, wenn er das benötigt. Dein Hund sollte sich auf dich verlassen können.

Hat dein Hund beispielsweise Angst vor einem anderen Hund: Beschütze ihn. Gib ihm die Sicherheitszone, die er in dem Moment, in dieser Situation und bei diesem Hund haben möchte. Ob dich der andere Hundehalter versteht oder nicht, sollte dir egal werden.

Früher hörte man die Aussage: Die regeln das schon unter sich. Es wäre natürlich falsch, ständig und nur einzugreifen, denn dadurch würde dein Hund nicht lernen, mit Artgenossen zu kommunizieren. Er würde auch kein Sozialverhalten lernen, wenn du immer eingreifst und für ihn alles regelst.

Um den gesunden Mittelweg zu finden hilft es, deinen Hund zu beobachten, damit du ihn kennenlernst. Somit weißt du, wann dein Hund deine Hilfe benötigt und wann er es tatsächlich schafft, alleine etwas zu regeln.

Emma hat zum Beispiel Angst vor großen Hunden. Sind diese Hunde auch noch laut und/ oder wild-stürmisch, schafft sie es nicht alleine, sich aus solchen Situationen zu befreien. Würde ich nach der veralteten Überzeugung handeln und denken: Die regeln das schon unter sich, hätte ich mit Sicherheit über kurz oder lang ein Problem. Wahrscheinlich wäre beispielsweise, dass Emma anderen Hunden gegenüber aggressiv reagiert, um sich die großen, stürmischen und/ oder unsozialen Hunde vom Leib zu halten. Vielleicht würde sie auch die Flucht ergreifen, statt zu mir zu kommen. Das könnte gefährlich werden, wenn die Hundebegegnung in Straßennähe stattfindet. Weglaufen ist auch für manche Hunde eine prima Einladung zu einem spannenden Jagdspiel. Das würde es aber für Emma noch schlimmer machen.

Weil du deinen Hund am besten kennst, sind Ratschläge anderer Leute mit Vorsicht zu genießen. Andere Leute sehen nur einen Ausschnitt des Verhaltens deines Hundes. Sie sind aber nicht täglich und in jeder Situation mit ihm zusammen. Sie kennen deinen Hund nicht, sondern sie glauben ihn zu kennen – häufig, weil sie mit ihren Hunden oder ihrem Wissen vergleichen.

Ein schönes Beispiel dafür stammt aus der Zeit mit meiner vorigen Hündin. Sie kam als erwachsene Hündin zu uns und wurde auf der Straße gefunden. Wo sie ihre ersten ein bis zwei Jahre verbracht hat, wussten wir nicht. Vom ersten Tag an merkten wir aber, dass diese Hündin kein Sozialverhalten gegenüber Artgenossen hatte. Hund in Sicht und sie stürmte dahin, um direkt ohne Vorwarnung zu attackieren.

Wie oft hörte ich von anderen Hundehaltern  den Satz: „Lass die doch von der Leine, dann sind Hunde mit Artgenossen verträglich.

Ich hätte gerne die Gesichter dieser Schlaumeier gesehen, wäre ich ihrem Ratschlag gefolgt.

Möglichkeiten geben, um Selbstvertrauen zu stärken

Auf der einen Seite stehen Sicherheit und Schutz, die du deinem Hund bieten solltest. Um aber die Balance zu halten und nicht in ein Extrem zu kippen, sollten auf der anderen Seite genügend Möglichkeiten geboten werden, damit dein Hund ein selbstvertrautes und selbstsicheres Wesen wird.

Am Beispiel von Emma mit Artgenossen: Sie weiß mittlerweile, dass sie von mir den nötigen Schutz bekommt. Sie muss keinen Kontakt zu Hunden aushalten, vor denen sie Angst hat. Dadurch verlaufen Spaziergänge sehr entspannt. Ich halte sie aber nicht von allen Hunden fern. Sie hat durchaus viele Hundekontakte und ist auch gerne mit Artgenossen zusammen. Treffen wir bei Spaziergängen auf fremde Hunde, lasse ich Emma entscheiden, ob sie Kontakt haben möchte oder nicht. Diese Mischung aus Kontakte zulassen, selbst entscheiden lassen und Schutz geben führte dazu, dass Emma bei Hundebegegnungen entspannter wurde. Sie geht immer vorsichtig auf fremde Hunde zu. Wenn sie merkt, dass der andere Hund weder aggressiv noch Rüpel ist, genießt sie gemeinsames Flitzen, Toben, Schnüffeln, Buddeln u.a.

Bei Spaziergängen läuft sie meistens ohne Leine. So kann sie sich auch ausprobieren und testen, ob sie irgendwo rauf- oder runterklettern, über etwas balancieren kann usw. Ich lasse sie machen und setze mich auch manchmal einfach hin, damit sie Zeit hat, etwas auszuprobieren. Zum Beispiel lag letztens ein dicker, schwerer Ast im Meer. Emma wollte den unbedingt an Land ziehen. Die Zeit nutze ich einfach für mich, setze mich in den Sand, schaue aufs Meer oder Emma zu. Zum Schluss hat sie einen Zweig vom dicken Ast abgerissen und kam stolz damit zu mir gelaufen.

Lernmethoden oder: Gibt deinem Hund Zeit zum Lernen

Auch wenn der Begriff „Führung“ in Bezug auf Hundehaltung von manchen Hundebesitzern verpönt ist: Du bestimmt die Regeln und setzt Grenzen, also führst du deinen Hund. Das ist auch nicht anders möglich, wenn du mit deinem Vierbeiner zwischen anderen Menschen und Hunden lebst.

Nun fragen sich aber besonders frisch gebackene Hundehalter, wie sie ihrem Hund Grenzen und Regeln zeigen sollen. Im Internet sind 101 Trainingsmethoden zu lesen und Fernsehsender verleiten zur Nachahmung der Lernmethoden von Milan, Rütter und Co.

Es ist nicht verkehrt, sich Wissen anzueignen und es gibt gute Hundebücher, die Hundeverhalten erklären und andere Bücher zeigen auf, wie Rückruf, Sitz und Platz beigebracht werden können.

Jetzt kommt das große Aber: Es gibt KEINE einheitliche Methode, die für alle Hunde passend ist. Was beim einen Hund funktioniert, kann beim anderen Hund zum Scheitern verurteilt sein.

Falls du Hilfe benötigst und einen Hundetrainer aufsuchst: Achte darauf, dass er individuell auf jedes Hund-Mensch-Team eingeht. Dafür muss er dich und deinen Hund kennenlernen. Er muss sehen, wie und ob ihr aufeinander reagiert. Erst dann kann er entscheiden, wie er mit euch gemeinsam arbeiten kann.

Gibst du deinem Hund Zeit zum Lernen, wirst du selbst erkennen können, auf welche Weise dein Hund am besten lernen kann. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass du authentisch bist. Wenn du mit Herz und Freude täglich bei gemeinsamen Unternehmungen deinem Hund etwas beibringst, wird der Lernerfolg wesentlich nachhaltiger sein, als würdest du mechanisch und kopflastig irgendeiner Methode nacheifern.

4 Kommentare

  • Patrick H.

    Ein schöner Beitrag. Vielleicht könnte man in einzelnen Bereichen tiefer einsteigen und lieber Splitten. Aber alles toll 🙂
    Einige wesentliche Sachen vermisse ich noch, also freue ich mich auf weitere Beiträge 🙂

    • Es folgen noch 2 Artikel. Wenn du dann noch etwas vermisst, bitte gerne sagen.

      • Patrick H.

        Ich finde die Themen „Weil´s billig ist, stopfe ich Industrieabfall in meinen Hund und wundere mich, wenn er Allergien oder Mangelerscheinungen aufweist“ und „Erwarte nichts von Deinem Hund, was er in DER Situation nicht schaffen kann (Untertitel: Wir erwarten bedingungslosen Gehorsam und machen dadurch viel kaputt)“ wichtig. Da werde ich aber bei meinem Blog auch noch drauf eingehen – wobei Hund ja eher tangential ist bei meinem Blog….
        Danke, dass ich anregen darf!
        Schönes Wochenende!
        Patrick

  • Das Thema Ernährung überlasse ich lieber Experten, wobei ich die wahren Experten zu diesem Thema noch nicht gefunden habe. Teure Futtermarken sind nicht immer die bessere Wahl. Barfen ist nicht jedermanns Sache, Kochen ebenso nicht. Für Emma koche ich und sie bekommt auch rohe, fleischige Knochen. Auch mal ein Leberwurstbrot oder was es sonst noch Leckeres gibt. Aber, nun kommt das Aber 🙂 , ich möchte da keinem Hundehalter etwas aufzwingen.

    Dein zweiter Vorschlag ist Teil unseres Buches. Ich denke, das hat auch viel mit Perfektionismus zu tun plus der Leistungsgesellschaft, in der wir (oder ihr :)) ) leben. Das Thema werde ich mal mit einem Blogartikel aufgreifen. Danke!

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