Therapeutisches Schwimmen für Hunde – Interview mit Tierphysiotherapeutin Anne-Marie Bestehorn

Auch unsere Vierbeiner können an Arthrose, Spondylose oder anderen bewegungseinschränkenden Krankheiten leiden. Tierphysiotherapeutin Anne-Marie Bestehorn bietet verschiedene Therapieformen an, unter anderem therapeutisches Schwimmen.

Vielen Dank, Frau Bestehorn, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben!

Sie sind Tierphysiotherapeutin und bieten in Ihrer Praxis eine ganz besondere Therapieform an: Wassertherapie für Hunde. Bei welchen Erkrankungen oder Verletzungen wird das therapeutische Schwimmen angewendet?

Die meisten unserer Patienten, die vom therapeutischen Schwimmen profitieren, sind chronisch kranke Hunde. Insbesondere Arthrosen, Spondylosen oder Hüftgelenksdysplasien machen ihnen zu schaffen. Wir haben aber auch häufig die Aufgabe der post-operativen Betreuung nach Bandscheibenvorfällen oder Frakturen durch Unfälle. Die Wassertherapie hilft zudem auch bei Lymphödemen.

Wie verläuft eine solche Bewegungstherapie?

Zunächst befunden wir die neuen Patienten. Das heißt, dass wir uns mit ihrem Krankheitsgeschehen bis in’s kleinste Detail auseinandersetzen. Hierzu wird das Gangbild analysiert, Muskulatur- und Gelenkstatus überprüft und alle Angaben bezüglich der Lebens- und Bewegungsumstände der Hunde im Alltag dokumentiert. Hierzu liefern Besitzer und Haustierarzt alle Informationen! Das ist enorm wichtig, da nur so ein individueller Therapieplan erstellt werden kann. Anschließend bekommen die Hunde, sofern sie schwimmen sollen, eine Schwimmweste angezogen. Diese hilft ihnen dabei, die Balance im Wasser ohne Anstrengung zu halten. So können sich die Tiere vollkommen auf die Schwimmbewegungen konzentrieren. Gerade bei wasserscheuen Hunden ist diese Schwimmweste von großer Relevanz.

Je nach Größe der Patienten erfolgt nun der Einstieg in den Pool über die sehr breite Treppe oder auf dem Arm des Therapeuten. Auf der zweiten Stufe gibt es einen kleinen Zwischenstopp. So können sich die Hunde an das 28°C warme Wasser gewöhnen. Danach beginnt die erste Schwimmrunde. Diese dauert ca. 1 bis 2 Minuten. Je nach Indikation und Konditionszustand des jeweiligen Hundes erfolgen immer wieder kleine Pausen. Während des Schwimmens unterstützen oder fordern wir die Beintätigkeit der Patienten, indem wir Reflexpunkte stimulieren oder die Bewegungen manuell führen.

Das Therapieschwimmen wird von Sitzung zu Sitzung zeitlich gesteigert und kann bis zu 30 Minuten dauern. Damit die Hunde auch Spaß an dem Ganzen haben, motivieren wir sie mit Leckerchen oder Spielzeug. Viele Hunde lieben es, Bälle oder Quietschetiere zu apportieren.

Nach der Schwimmeinheit werden die Hunde gründlich abgetrocknet oder geföhnt. Zum Ausruhen stehen ihnen nun eine Magnetfeldmatte und eine besondere Wärmelampe zur Verfügung.

Therapie und Spaß in einem Foto: Anne-Marie Bestehorn

Therapie und Spaß in einem
Foto: Anne-Marie Bestehorn

Wie wirkt sich die Therapie im Wasser auf die Gesundheit des Hundes aus?

Unmittelbar nach dem Schwimmen stellen wir immer wieder fest, wie fröhlich und locker die Hunde aus dem Wasser kommen. Dabei spielt zum Einen natürlich der nahezu schwerelose Zustand im Wasser eine große Rolle. Die Tiere können sich ja trotz ihrer Handycaps im schmerzfreien Raum bewegen, da sie ihr Gewicht auf Knochen und Gelenken nicht spüren. Zudem steigert Schwimmen die Kondition. Das Herz-Kreislaufsystem wird auf Hochtouren gebracht, die Muskulatur wird gestärkt, der Rücken flexibel gehalten. Insgesamt wirkt sich das Schwimmen nicht nur auf den Körper, sondern auch in großem Maße auf die Psyche der Tiere aus. Wir haben viele alte Patienten, die mit dem Schwimmen förmlich aufblühen und wieder zu spielen beginnen. Auch hyperaktive Hunde, die im Alltag nicht ausgelastet werden können, sind nach dem Schwimmen wesentlich ausgeglichener und zufriedener.

Sie bieten neben der Unterwassertherapie noch weitere Therapiemethoden an, unter anderem auch die Blutegeltherapie. Bei welchen Erkrankungen hilft der Einsatz von Blutegeln und wie verläuft diese Behandlung?

Indikationen für die Blutegeltherapie sind unter anderem akute Gelenksentzündungen (Athritis) oder Verschleißerkrankungen (Arthrosen), sowie Ekzeme, Wundheilungsstörungen und Abszesse, Sehnen- und Gelenkerkrankungen, Nervenentzündungen und Blutergüsse. Fast jede Form des Schmerzes am Bewegungsapparat kann mit Blutegeln behandelt werden, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Diese werden im Vorfeld durch ein Gespräch mit dem Tierbesitzer ausgeschlossen.

Der Hund wird vor der Therapie für ca. 10 bis 15 Minuten bewegt (Laufband, Pool oder Spaziergang mit dem Besitzer), damit die Durchblutung angeregt wird, wodurch die Egel besser beißen. Danach platzieren wir ihn auf dem pulsierenden Elektromagnetfeld im Ruheraum und suchen die bestmögliche Ansatzstelle für den/ die Egel. Manchmal muss der Hund an dieser Stelle rasiert werden. Der Egel wird mit behandschuhter Hand an der entsprechenden Stelle angesetzt. In der Regel toleriert der Patient den Biss der Egel sehr gut. Während des Zubeißens und Saugens, speit der Egel wertvolle Substanzen aus. Diese haben eine Blut gerinnungshemmende, antibiotische und schmerzhemmende Wirkung! Sobald der Egel abfällt, beginnt die Nachblutung, die sehr wichtig ist und auch länger (bis zu 12 Std.) dauern kann. Wir verbinden die blutende Stelle mit einem leichten Verband, damit sich der Hund dort nicht lecken kann. Oftmals zeigen die Tiere nach der ersten Behandlung eine Spontanverbesserung. Manchmal muss die Behandlung jedoch zwei bis drei Mal wiederholt werden.

Ihr Hundeschwimmbad steht noch für andere Möglichkeiten offen. Wer kann sich für das Hundeschwimmbad anmelden und für welche Zwecke?

Wir arbeiten sehr eng mit den umliegenden Hundeschulen zusammen und bieten Schwimmkurse für Welpen, Wasser verrückte Hunde und „Nichtschwimmer“ an. Auch übergewichtige Hunde können schonend ihre Pfunde durch das Schwimmtraining loswerden. Wer sehr bewegungsfreudige Tiere besitzt, kann bei uns seinen Hund auf gesunde Art und Weise auslasten oder seinen Sport-oder Gebrauchshund über die Wintermonate weiter trainieren.

Wir freuen uns über jeden Hund! Ob klein oder groß, dick oder dünn, Rassehund oder Mischling von der Straße spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist uns nur, dass wir keine Patienten mit Herzerkrankungen oder Epilepsie, Infektionskrankheiten oder akuten Infekten schwimmen lassen. Deshalb bitten wir den Hundebesitzer vor dem Training um genaue Auskünfte bezüglich des Gesundheitszustandes seines Vierbeiners.

Bewegungshelfer

Praxis für Tierphysiotherapie

Eisenstraße 17
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