Interview mit Diana Gloe – ehrenamtliche Mitarbeiterin im Tierschutz Spanien

Hallo Diana, vielen Dank, dass Du Dir für dieses Interview Zeit nimmst!

Hallo, das mache ich gerne. Es freut mich wenn jemand Interesse an meiner ehrenamtlichen Arbeit hat.

Du arbeitest ehrenamtlich in der Pflegestellenbetreuung bei Refugio-Casas-Ibanez. Kannst Du ein paar Worte darüber sagen, was und wo das Refugio ist?

Das Refugio befindet sich in der Provinz Albacete,  ganz genau im Dorf Casas Ibanez.
1998 wurden dort Tötungen veranlasst und eine Tötungsstation im Dorf errichtet. Dort starben im Jahr um die 300 Hunde durch die Giftspritze. In Albacete gibt es auch eins, dort ist Platz für 3000 Hunde. Sind die Kapazitäten erschöpft, beginnen auch dort die Tötungen.
Im Jahr 2004 sollte sich das, wenigstens in Casas Ibanez, ändern und es haben sich Leute zusammengetan, die es schafften die Tötungen zu beenden.

Ehemaliges Gebäude vom Refugio, bis der Umzug ins neue Refugio stattfand Foto: Diana Gloe

Ehemaliges Gebäude vom Refugio, bis der Umzug ins neue Refugio stattfand
Foto: Diana Gloe

Im Januar 2005 wurde die gleiche Anlage in die „Protectora de Animales El Refugio“ umfunktioniert, ein kleines Heim in dem die Hunde Sicherheit fanden, mit Hilfe einiger weniger Unterstützer.
Bis diesen Sommer waren die Hunde dort untergebracht.
Seit 2009 gibt es den Refugio-Casas-Ibanez e.V., einen deutschen Partnerverein der das Refugio unterstützt. Dieser Verein hat es mit Hilfe der Spanier geschafft, ein großes Grundstück vom Bürgermeister zu bekommen und dort ein großes Tierheim zu bauen.

Wie kommen die Hunde in das Refugio? Werden sie von anderen Menschen zu Euch gebracht?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige werden von Besitzern gebracht, teilweise sogar von Jägern, die der Meinung sind, ihre Hunde sind nicht zur Jagd geeignet. (Ein riesengroßer Fortschritt, denn die wurden vorher erhängt, erschossen oder erschlagen)
Andere Hunde werden ausgesetzt, teilweise direkt vor der Tierheimtür oder eben gefunden im Müll,  in den Straßen und in den Feldern.
Es gibt mittlerweile in und um Casas Ibanez aufmerksame Menschen,  die Hunde anfüttern um uns dann Bescheid zu geben,  damit wir sie einfangen können.

Ihr leistet unter anderem Aufklärungsarbeit vor Ort, das heißt, bei der spanischen Bevölkerung. Wie sieht diese Aufklärungsarbeit aus?

Der spanische Verein lädt Schulklassen ein zu Führungen und um aufzuklären.
In den Dörfern werden Kastrationsaktionen durchgeführt. Ebenso gibt es Tage der offenen Tür, mit Filmvorführungen und so weiter.

Wenn man als Pflegestelle zur Verfügung stehen möchte, welche Kriterien müssen erfüllt sein?

Mutig für Neues sollte man sein. 😀
Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Man kann nicht pauschal sagen:  Keine Mietwohnung oder keine Kinder.
Größte Voraussetzung  sollte sein,  die Liebe zum Hund mit etwas Fachwissen gepaart.
Geduld, Interesse an Menschen, die man zwangsläufig kennenlernt und das Bewusstsein, das sich so ein Pflegehund ganz schnell in das Herz schleichen kann.

Wir vom Team entscheiden immer individuell, nach Einsicht des Fragebogens und der Vorkontrolle.

Wie werden von Euch Pflege- oder Endstellen überprüft und wie sieht der praktische Ablauf einer Vermittlung nach Deutschland aus?

Nachdem man Interesse bekundet, wird von uns ein Fragebogen verschickt, den man ausfüllen sollte. Da sind grundsätzliche Dinge wie: Adresse, Telefonnummer, ebenso wie die Wohnverhältnisse drin enthalten. Natürlich auch, was man für Vorstellungen hat, welche Vorerfahrungen und ob auch jeder Mitbewohner mit einem Hund einverstanden ist.
Dieser Fragebogen wird unter den Teammitgliedern besprochen und dann wird eine Vorkontrolle gesucht.
Diese Vorkontrolle gleicht die Daten des Bogens ab und teilt uns mit, ob alles Wahrheitsgemäß angegeben wurde.
Dann versuchen wir das passende Tier herauszufinden. Das ist bei Pflege- und Endstellen gleich.
Möchte jemand einen Hund als Endstelle übernehmen, sucht er sich entweder den Hund aus Spanien aus, da stehen wir natürlich auch immer beratend zur Seite, oder er findet den Hund in Anzeigenportalen. Das ist für uns immer das Einfachste denn  man kann den Hund in Deutschland auf der Pflegestelle kennenlernen und sich gegenseitig beschnuppern. Hat die Pflegestelle dann auch ein gutes Gefühl,  kann der Hund nach Vertragsunterzeichnung und Hinterlegung der Schutzgebühr, umziehen.

Worauf sollten sich die neuen Besitzer eines Hundes aus Spanien einstellen? Gibt es spezielle Verhaltensauffälligkeiten, die sich öfter bei Hunden zeigen, die zuvor auf der Straße lebten?

Nicht jeder Hund kommt stubenrein aus Spanien.  Die Hunde kennen auch meist keine Wohnungen,  keine deutschen großen Städte und Leine ist auch meist ein Fremdwort.
Für jeden Hund aus dem Ausland gilt: Sichern. Immer doppelt sichern.  Mit Halsband und Geschirr wo die Leine nochmal durchs Geschirr gefädelt wird.  Am allerbesten ist natürlich ein spezielles Sicherheitsgeschirr mit zwei Bauchgurten.  Die bekommt man mittlerweile für um die 30 Euro und sollten weder Pflege- noch Endstellen zu teuer sein.
Dann sind die Hunde teilweise ängstlich oder schüchtern.
Aber auch hier gilt wieder,  man kann es pauschal einfach nicht beantworten.

Hinweis von meintierischerfreund.com:

Auch wer keinen Hund bei sich aufnehmen kann, hat die Möglichkeit, die Arbeit des Refugio-Casas-Ibanez zu unterstützen. Solche Projekte können nur durch Spendengelder existieren. Jeder Euro hilft. Geldspenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:


El Refugio de Casas Ibanez e.V.
Naspa Wiesbaden: BLZ: 510  500 15 , Konto Nr.: 189 099 849
IBAN: DE 42 5105 0015 0189 0998 49
BIC: NASSDE55XXX

Ebenso kann eine Patenschaft für einen Hund übernommen werden oder man bietet sich als Flugpate an.

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