Informationen über BARF – Interview mit Gabriele Tischler

Auf den Begriff BARF stößt fast jeder Hundehalter, der sich mit dem Thema Hundeernährung beschäftigt. Allerdings stehen besonders Einsteiger etwas verwirrt vor dem Ganzen. Es klingt nach hochwissenschaftlicher Futtermethode, bei der man viel falsch machen kann.

Frau Gabriele Tischler barft bereits seit 1999, führt zudem die Pfotenbar und hält Vorträge zum Thema BARF. Frau Tischler war so freundlich und hat einige Fragen über BARF beantwortet.

BARF  ist die Abkürzung von Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Ist damit ausschließlich rohes Fleisch gemeint oder wie sieht eine Mahlzeit für den Hund aus?

Nein, damit ist nicht ausschließlich rohes Fleisch gemeint. Tatsächlich macht reines Muskelfleisch nur etwa 50- 60% des Futters aus. Bei der Zusammenstellung orientiert man sich an einem ganzen Beutetier. Das besteht nicht nur aus Fleisch, sondern auch aus Fett, Innereien, Knochen, Bindegewebe, Mageninhalt und unverdauliche Bestandteile wie Fell oder Haut. Dabei muß man nicht alles in einer Mahlzeit füttern, sondern kann jeden Tag abwechseln. Wichtig ist, dass man sich nach einem gewissen Zeitraum, ich setze dafür immer 1-2 Wochen an, einmal komplett durch ein fiktives Beutetier durchgefüttert hat. 

Was, wenn mein Hund Gemüse nicht fressen mag? Ist Gemüse wirklich so wichtig?

Jein. Gemüse ersetzt beim Barfen vorwiegend den Mageninhalt und unverdauliche Bestandteile des Beutetiers, wie Fell, Klauen, Bindegewebe. Es hat eine ähnliche Funktion wie Ballaststoffe in der menschlichen Ernährung. Gemüse kann super ersetzt werden, indem man einfach etwas mehr Pansen oder Blättermagen gibt oder gezielt Fell verfüttert, beispielsweise Rinderohren mit Fell. Auch ein paar Kokosraspel im Futter werden selbst von Gemüseverweigerern häufig problemlos mitgefressen.

Für die Versorgung mit Vitaminen und Mineralien ist Gemüse nicht wichtig. Ich selber füttere auch eher weniger Gemüse, dafür lieber mehr Pansen oder Blättermagen. Der Grund dafür ist nicht mal so sehr, dass darin noch etwas Grünzeug enthalten ist (das ist verschwindend wenig), sondern einfach die Tatsache, dass Pansen und Blättermagen gut für die Verdauung sind, weil sehr bindegewebshaltig.

Kann der gebarfte Hund Probleme durch zu viel Eiweiß bekommen?

Ja und Nein. Fleisch ist ja nicht pures Protein.

Die wichtigsten Energielieferanten für Hunde sind Protein (Eiweiß), Fett und Kohlehydrate. Traditionell füttert man beim Barfen  getreidefrei, also weniger Kohlehydrate als in einem herkömmlichen Trockenfutter. Es wäre dann nicht richtig, einfach mehr Proteine zu füttern (beispielweise, indem man viiiel mageres Fleisch füttert oder die Gesamtmenge erhöht, weil Hund abnimmt oder nicht satt wird), sondern man sollte dann den Fettanteil im Futter erhöhen. Fett ist für Hunde kein Dickmacher, sondern ein wichtiger Energielieferant. Hunde vertragen und brauchen generell viel mehr Fett, als man glaubt – beim barfen sollte der Fettgehalt bei ca. 20% liegen.

Hält man sich an die grobe Faustregel beim Barfen, bei der ca. 2% des Körpergewichtes für einen mittelgroßen, normal aktiven, gesunden Hund  als Futtermenge gegeben werden, dann ist ein Problem mit zuviel Eiweiß nicht zu befürchten.

Eine Beispielrechnung gefällig?

Wolfsblut Green Valley, 30% Proteingehalt, Futtermenge für 35 kg Hund: 390g. Macht 117g Protein.

Barf, 700g Futtermenge, davon 80% tierisch, Proteingehalt durchschnittlich ca. 15%.

Also lautet die Rechnung: 700g x 80% =560g mit 15% Protein, macht  84g Protein.

Natürlich kann man mit den Zahlen spielen – bei Fütterung mit Pferdefleisch (über 20% Protein), verglichen mit einem Discounter-Trockenfutter mit 22% Protein, sieht die Rechnung schon wieder anders aus, aber insgesamt ist schon deutlich zu erkennen, dass die angebliche  Proteinüberversorgung  eher ein Schreckgespenst ist. 

Muss ein Hund unbedingt mehrere Fleischsorten erhalten oder reicht es aus, wenn er mit seiner Lieblingsfleischsorte gefüttert wird? Also zum Beispiel nur Huhn, nur Kaninchen usw., statt mal Huhn, mal Rind …

Im Prinzip würde es reichen, zwischen maximal 3 verschiedenen Tierarten zu wechseln. Das hat damit zu tun, dass Proteine sich ja aus verschiedenen Aminosäuren zusammensetzen – das Kaninchen hat von einer Aminosäure weniger als die Kuh, dafür von einer anderen Aminosäure mehr als das Huhn. Es macht also schon Sinn, nicht nur eine einzige Tierart zu füttern. Viel wichtiger ist allerdings, dass man sich wirklich komplett durch ein Beutetier füttert, also auch Bestandteile eines Tieres füttert, die selbst bei Barfern eher als minderwertig angesehen werden. Jeder Bestandteil eines Tieres, auch Lunge oder Euter, ist für den Hund verwertbar. Allergiker werden oft jahrelang ausschließlich mit einer Fleischsorte ernährt.

© alfredleis - Fotolia.com

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Mein Hund frisst keine rohen Innereien. Brate ich sie kurz an, werden sie mit Genuss gefressen. Ist das in Ordnung oder muss ich meinen Hund dazu bekommen, dass er rohe Innereien frisst?

Innereien enthal

ten in erster Linie Vitamine und Mineralstoffe, die größtenteils hitzebeständig sind. Natürlich ist roh im Sinne von Barfen ideal, aber wenn ein Hund rohe Leber partout für tierschutzrelevant hält, dann ist es besser,sie kurz anzubraten, als sie gar nicht zu füttern. Man kann versuchen, die Garzeit immer weiter zu verkürzen oder man kann aus Innereien eine vorzügliche Sauce für das Fleisch herstellen. Dazu püriert man die wichtigsten Innereien, wie Leber, Niere und Milz, einfach mit etwas Wasser, friert sie in Eiswürfelbehältern ein und gibt diese dann – natürlich aufgetaut – zum Futter dazu.

Es gibt immer wieder Tierärzte, die darauf hinweisen, mit Barf können Mangelerscheinungen auftreten. Was ist an dieser Aussage dran?

Ehrlich gesagt, haben sie nicht ganz unrecht. Es gibt sehr viele Hundebesitzer, die schmeißen einfach ein Stück Fleisch in den Napf und meinen, das ist dann Barfen. Oder sie füttern keine Leber, weil sie diese ekelhaft finden (oder der Hund sie  nicht mag). Andere füttern wieder keine Knochen, weil sie einfach Angst haben, es könnte was passieren. Wer dann die fehlenden Futterbestandteile nicht anderweitig ersetzt, riskiert durchaus einen Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen.

Barft man ausgewogen, also mit allem, was so zu einem fiktiven Beutetier gehört (oder zumindest die wichtigsten Dinge, man muß jetzt nicht unbedingt Hirn, Augen oder Geschlechtsorgane füttern), ist eine Mangelversorgung eigentlich so gut wie unmöglich.

Nun schreckt es einige Hundehalter ab, jede Mahlzeit genaustens abzuwiegen und dabei zu hoffen, die richtige und gesunde Auswahl an Zutaten zu treffen. Ist BARF wirklich so kompliziert?

Nein, ist es nicht. Es ist im Prinzip eigentlich ganz einfach: Man rechnet zunächst die tägliche Futter-Gesamtmenge für seinen Hund aus und daraus den Bedarf für eine Woche an verschiedenen Bestandteilen. Ob man dies jetzt jeden Tag gleichmäßig verfüttert oder jeden Tag etwas anderes serviert, ist im Prinzip völlig egal, die Hauptsache ist, dass insgesamt eine Ausgewogenheit erreicht wird.

Eine kleine Beispielrechung:

Ich benötige für meine Hunde 7kg Futter in der Woche – ok, der Kater kriegt auch etwas ab.

Das bedeutet, ich benötige ca. 1kg Knochen, 350g Leber, 350g andere Innereien, 1,4kg Gemüse, die restlichen 5,9 kg sind Pansen und verschiedene Fleischsorten – alles zusammen hat  einen Fettgehalt von ca. 20%.

Das verteile ich jetzt einfach über die gesamte Woche – die Innereien mische ich einfach mit etwas Muskelfleisch, die Knochen verteile ich auf 2 Mahlzeiten oder gebe alle 1-2 Tage als „Nachtisch“ einen Knochen und vom Gemüse gibt’s jeden Tag eine gute Portion dazu.

Dazu gebe ich dann nur noch etwas Öl, eventuell das eine oder andere Pülverchen (ich selber schwöre auf Bierhefe und SwaniesAlgen+Kräuter) und fertig ist eine gesunde Rundumversorgung. Gelegentlich sollte man, vor allem in den Wintermonaten, ein wenig Fisch füttern, ideal ist da fetter Seefisch wie Lachs, Hering, Makrele, es sind wichtige Lieferanten für das Sonnenvitamin Vitamin D – von denen können auch wir Menschen im Winter etwas mehr brauchen…..

Die praktische Fütterung ist manchmal recht spaßig – ich stehe morgens vor dem Tiefkühlschrank und überlege, hach, was füttere ich denn heute…;-)

Warum vertragen scheinbar manche Hunde kein rohes Fleisch oder wollen es nicht fressen?

Nicht für jeden Hund ist Barf geeignet. Das bedeutet nicht, dass Barf an sich schlecht ist, es ist nur für diesen Hund halt einfach nicht passend. Gründe dafür kann es sehr viele geben, manche davon haben einen medizinischen Hintergrund. Wenn der eigene Hund es partout nicht verträgt oder nicht fressen will, dann ist das nun mal so. In so einem Fall sollte man nichts erzwingen, sondern doch eher auf ein hochwertiges Fertigfutter zurück greifen. Meine kleine spanische Tierschutzhündin verträgt rohes Fleisch nicht pur – sie frißt es gerne, aber es kommt innerhalb weniger Minuten komplett retour. Gemischt mit einem guten Nassfutter bleibt alles drin. Auch wieder so eine Sache, die eigentlich gar nicht geht,Fertigfutter und Barf zu mischen – in diesem Fall funktioniert es prächtig und dann wird halt so gefüttert. Die Hauptsache ist, dass es dem Tier gut geht und gut bekommt.

Zum Schluss eine Frage zum Preis: Es ist auch eine Frage des Geldbeutels, welches Futter man für seinen Hund auswählt. Muss tief in die Tasche gegriffen werden, um sich BARF leisten zu können?

Nein. Barfen ist sicher teurer als billiges Discounterfutter, das ist richtig. Aber es ist nicht teurer als ein hochwertiges Fertigfutter.

Mich kostet die Fütterung von einem großen Hund mit 36 kg, einem kleinen Hund mit 5,5 kg und einem Kater insgesamt knapp 100-120 EUR im Monat. Das ist weniger, als ich für ein hochwertiges Fertigfutter ausgeben würde, selbst wenn ich aus Kosten- und Umweltgründen (Verpackungsmüll) für die Hunde Trockenfutter geben würde. Alleine der Kater würde mit mindestens 40 EUR (Nassfutter) zu Buche schlagen, für die Hunde würde ich etwa 1,5 Säcke Trockenfutter a 60 EUR benötigen.

Fehlen würde mir aber das gute Gefühl – zu sehen, was ich in den Napf gebe, die Kontrolle über jeden Futterbestandteil zu haben und sicher zu sein, dass mein Hund alles, was er braucht, in der für ihn am besten verwertbaren Form bekommt. Ich übernehme die Verantwortung für die bedarfsgerechte Fütterung selber und überlasse sie nicht gesichtslosen Spezialisten mit weißen Kitteln in irgendwelchen Futterlabor

en.

Auch der Zeitaufwand hält sich in Grenzen – anfangs ist es etwas mühsam, bis sich Routine eingestellt hat. Sobald der Alltag eingekehrt ist, dauert das Zubereiten einer Mahlzeit nicht viel länger als das aufmachen einer Dose.

 

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