Hundetraining aus dem Rollstuhl – Interview mit Inge Büttner-Vogt

Das Thema Hund und Rollstuhl habe ich bereits in diesem blog behandelt. Doch der Kommentar zu diesem Artikel von Frau Büttner-Vogt machte mich neugierig. Sie schrieb von einem System, das von ihr entwickelt wurde, um Hundetraining aus dem Rollstuhl heraus möglich zu machen. Das wollte ich genau wissen und ich bat die Hundetrainerin aus Wiesbaden, ein paar Fragen zu beantworten.

Hallo Frau Büttner-Vogt. Sie sind Hundetrainerin und haben ein System entworfen, um Hundetraining auch für Menschen im Rollstuhl zu ermöglichen. Wie darf man sich dieses System vorstellen?

Hallo, Frau Consoir.

Ich freue mich, dass ich über mein System berichten darf und vielleicht möglichst vielen Menschen im Rollstuhl einen Hund ermöglichen kann.

Zuerst einmal empfehle ich auf meinen Blog bei www.allgemeinezeitung.de/blog Inge Büttner-Vogt Tatjana –  und das Radiointerview mit ihr auf meiner Homepage www.hundimedia.de. Hier berichtet Tatjana genau, wie wir gearbeitet haben und was aus ihrem Hund geworden ist.

Zuerst einmal möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich ganz bewusst nicht „Hundetrainerin“ nenne, weil ich Menschen mit Hund trainiere. Der Hund ist wie er ist, der Mensch muss lernen, das ist eine große Chance, den Hund an unsere Seite zu bringen. Wenn meine Kunden ihre Haltung ändern: „Mein Hund macht das nicht…“ in: „Ich habe noch keinen Weg gefunden, meinem Hund zu zeigen..“, dann ist der Erfolg gut erreichbar. Meine Philosophie ist zuerst Schutz, dann geistiges Training, dann Bewegung des Hundes. Auch wenn der Hund alt ist und sich nicht mehr viel bewegt, ist er für ein Spielchen immer zu haben und für meinen Schutz dankbar.

Das „System“ ist eine simple Fliegenklatsche aus Plastik. Bei allem, was wir mit dem Hund tun, gibt es die 50-cm-Regel: Der Hund muss erst ganz in meiner Nähe und von mir  lernen, was ich von ihm möchte. Erweiterungen und Entfernungen sind dann kein Problem mehr. Die Fliegenklatsche wird mit ein bisschen Leberwurst eingeschmiert. Ich zeige dem Hund mit der Klatsche die Kommandos SITZ, PLATZ, BLEIB, vor allem FUSS am Rollstuhl  und alles, was er lernen soll. Das „Geheimnis“  ist, dass er sofort für ein geglücktes Kommando belohnt wird: Er darf einmal lecken!  Wir haben für eine Förderung 0,5 sec Zeit, sonst kann der Hund es nicht verknüpfen.

Wir haben dieses System bei vielen Hunden getestet, es gibt darüber Filmaufnahmen und zahlreiche Fotos.

Mein Wunsch ist, dass sich möglichst viele behinderte Menschen bei mir melden, denen ich das System zeigen kann – natürlich ehrenamtlich. Sie können sich dann einen Hund aus dem Tierschutz holen (mit aller Vorsicht und mit viel Beratung!!!) und ihn selbst ausbilden. Die ersten Schritte sollten sie nicht allein gehen, sondern gern meine Hilfe in Anspruch nehmen. Toll ist es, wenn sie schon einen Hund haben und ihn ausbilden wollen. Toll ist es auch, wenn sie einen Partner haben, der ihnen hilft.

Auf Ihrer Webseite ist von Tatjana und ihrem Labrador namens Kira zu lesen. Tatjana ist schwerstbehindert, sodass sie ihren Körper nur sehr reduziert fühlen kann. Sie wollte die Bindung zu Kira stärken, damit der Hund nicht mehr den Rollstuhl ins Schlingern bringt.
Wie entwickelt sich dieses Training und wie wird beim Training vorgegangen? Wo liegen die Schwerpunkte bei der Erziehung?

Kira wurde mit Bällchen-werfen total nervös gemacht. Sie hatten gelernt, dass Kira erst „ausgepowert“ werden muss, ehe sie arbeiten kann. Wir haben das umgedreht: Sie hat zuerst gearbeitet und hat dann eine Bewegungsbelohnung bekommen. Kira ist abgehauen, hat Menschen angesprungen, Pferde verbellt und für irgendeinen Krümel  am Weg den Rollstuhl fast umgeworfen -kurz, das ganze Programm.

Da Tatjana darunter gelitten hat, dass sie ihren Hund nicht selbst trainieren kann, weil sie keine Leckerchen greifen, keinen Clicker bedienen sondern nur eine Hand bewegen kann, habe ich für sie dieses System entwickelt. Wir haben es gefilmt: Kira hat in einer Stunde kapiert, was sie soll: Klatsche hoch – Sitz – Belohnung, Klatsche tief – Platz – Belohnung. Nach der Stunde ging sie am Rollstuhl bei Fuss. Was sie heute alles kann, erzählt sie im Interview – sehr glücklich über die Bindung, die beide haben…

Noch eine letzte Frage: Ihr Spezialgebiet ist das geistige Training. Für welche Hunde eignet sich dieses Training besonders und auf welche Weise wird ein Hund geistig trainiert?

Das geistige Training eignet sich für alle Hunde. Hier schaue ich mir den „Beruf“ des Hundes an und trainiere ihn auf seine Art: Alle Hütehundartigen sind unendlich trainierbar, Shadow hat viele Berufe als Besuchs- und Kinderhund, ADHS-Coach,  und er  ist bei schätzungsweise 106 Signalen und Kunststücken. Jagdhunde, kleine oder ausländische – aus allen ist dank geistigem Training etwas geworden, das Alter spielt keine Rolle.

Kein Hund geht einfach so spazieren und verschwendet Energie, sondern alle Hunde haben etwas vor, wenn sie rausgehen: Hunde kennenlernen, sich vermehren, jagen. Wenn ich das zu einem gemeinsamen Erlebnis mache (außer das Vermehren J))) , bleibt der Hund bei mir und lässt mich nicht mehr aus den Augen.

Hiervon erzählen meine Bücher und mein Film – alles geistiges Training in Wort und Bi

ld. Wie ich ticke, steht in meinen Blogs und wird in meiner Radiosendung bei Radio Rheinwelle erläutert.

Das nächste Mal haben wir ein Huskie-Spezial, auf das ich mich sehr freue!

Am 17.12. von 15.00 bis 17.00 Uhr  www.radio-rheinwelle.de

Vielen Dank, dass Sie mir zu diesem Interview die Gelegenheit gegeben haben.

Viele Grüße

Inge Büttner-Vogt

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