Epilepsie beim Hund – ein Interview mit einer erfahrenen Hundehalterin

Heute geht es um das Thema Epilepsie beim Hund. Wie geht man als Hundehalter damit um, wenn der eigene Hund epileptische Anfälle hat? Auf was muss geachtet werden und wie verhält man sich, wenn ein Anfall auftritt? Hildegard Ollig war so lieb und hat auf diese und andere Fragen geantwortet. Ihre Hündin Jacki hat Epilepsie und Frau Ollig teilt ihre Erfahrungen mit und gibt Tipps für betroffene Hundehalter, die sich mit dem Thema auseinander setzen müssen.

 

Seit wann hat Jacki Epilepsie und wie hat sich der erste Anfall geäußert?

Der erste Anfall war im Januar 2012 – Jacki verkrampfte sich komplett, klapperte mit den Zähnen (Schaumbildung) und ruderte mit den Beinen. So, wie man sich einen Krampfanfall eben vorstellt. Kein schöner Anblick und schockierend für uns.

Wie wurde dann Epilepsie diagnostiziert? Welche Untersuchungen mussten durchgeführt werden?

Epilepsie wird durch ein Ausschlußverfahren diagnostiziert. Will sagen, andere Ursachen für Krampfanfälle können ausgeschlossen werden: Gehirntumor, Vergiftung, Lebershunt, Unterzuckerung, …

Siehe hierzu auch: http://www.epilepsie-beim-hund.de/schwartz_porsche_startseite.phtml

Das Blutbild gab keinen Aufschluss über eine körperliche (organische) Erkrankung. Im Nachhinein gehen wir bei Jacki von einem Hirntrauma aus, da sich in 2012 herausstellte, daß Jacki einen Trümmerbruch am Kreuzbein erlitten und der Bewegungsapparat großen Schaden genommen hatte. Die Geschichte mit dem Bewegungsapparat ist ausgestanden, allerdings ist uns die Epilepsie erhalten geblieben.

Welche Behandlung bekommt Jacki?

Jacki hatte im Zeitraum Januar bis Mai 2012 5 Anfälle. Die Blutuntersuchung nach dem 3. Anfall hatte nichts Auffälliges ergeben.Daher haben wir beschlossen, die Anfallserie mit Luminal zu stoppen. (Heute würde ich als Erstmedikation das neue Medikament Pexion einsetzen, da es weniger Nebenwirkungen hat.)

Worauf muss geachtet werden?

Wichtig ist bei der Gabe von Luminal, daß diese etwa alle 12 Stunden erfolgt, um einen gleichmäßigen Wirkstoffspiegel aufrecht zu erhalten. Bei uns ist das dann um 8 Uhr morgens und 8 Uhr abends. Als Einschränkung empfinde ich das nicht mehr – man richtet sich darauf ein.

Nur bei der Erstgabe (oder einer erforderlichen Erhöhung der Dosis) gibt es ein paar Tage oder Wochen körperliche Einschränkungen, weil der Hund sozusagen in eine „Mininarkose“ gelegt wird: Die Koordination leidet (der Hund torkelt), Schreckhaftigkeit oder Konzentrationsstörungen können auftreten, die Kondition ist gleich null, der Hund kann unsauber werden, extreme Fresslust, … – diese Dinge spielen sich aber wieder ein und sind nicht von Dauer. In dieser Zeit sollte der Hund keinem Stress ausgesetzt und ruhig bewegt werden.

Wie soll man sich verhalten, wenn der Hund einen Krampfanfall hat?

Es muß – wenn möglich – dafür Sorge getragen werden, daß sich der Hund (und Umstehende) nicht verletzen kann. Entweder den Hund von einer möglichen Gefahrenquelle versuchen wegzuziehen oder aber die Gefahrenquelle abpolstern.Weiterhin muß man die Ruhe bewahren – der Hund ist eh schon panisch genug weil er nicht weiß wie ihm geschieht.

Außenstehende sollten dem Hund (und dem Menschen) Platz lassen und andere Hunde müssen ferngehalten werden.

Wie gestaltet sich der Alltag und kann Jacki noch genauso viel spazieren, toben und laufen, wie ein Hund ohne diese Diagnose?

Es gibt für uns keinerlei Einschränkungen. Jacki läuft u.a. wieder super am Pferd mit und geht auf Forentreffen, Gruppenspaziergänge, Workshops – eben ein ganz normaler, junger Hund.

Jacki_Foto H.O.

Jacki

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie gehst Du als Halterin damit um? War oder ist es für Dich schwierig, mit der Angst vor einem neuen Anfall zu leben?

Das Schwierigste ist eigentlich zu Anfang die Diagnose an sich zu akzeptieren und nicht in Selbstmitleid zu verfallen. Man kann es nicht ändern, der Hund hat nun mal Krampfanfälle. Keiner hat das gewollt oder verdient.

Die Angst, daß einen Anfälle jederzeit heimsuchen können ist da, ja, allerdings darf man sich davon nicht allzu sehr runterziehen lassen. Wichtig ist, sich immer und immer wieder bewußt zu machen, daß der Hund außerhalb der Krampfanfälle ein Hund wie jeder andere ist, der spielen will, laufen, raufen, kuscheln, arbeiten, Blödsinn machen, … – eben was Hunde so tun.

Jacki _ ein ganz normaler Hund trotz Epilepsie

Hast Du einen abschließenden Tipp oder Ratschlag für die Hundehalter, bei deren Hund gerade Epilepsie diagnostiziert wurde?

Information über das medizinische und die weitere Behandlung ist das eine, das andere ist der Austausch mit anderen Betroffenen. Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten, manche Hunde stellen sich als therapieresistent raus, bei manchen Hunden verringern sich nur Häufigkeit und Schweregrad der Anfälle, bei manchen Hunden bleiben Anfälle unter Medikation aus, … Diese Informationen muß man verarbeiten, das schafft man alleine nicht. Jeder Fall ist anders, was mit dem eigenen Hund sein wird, kann man ja erst Wochen/Monate später sehen – diese Unsicherheiten, dieses Warten kann einen kirre mache. Ohne (moralische) Unterstützung hätte ich das nicht geschafft. Die Familie ist ja selber auch betroffen, daher auch nicht immer ein Stütze.

 

 

 

Für mich in Zusammenfassung das Wichtigste beim Umgang mit einem an Epilepsie erkrankten Hund:

  • Lerne deinen Feind kennen – aber übertreibe es nicht. Das Internet bietet viele Informationen, manchmal eben auch zu viele.
  • Man darf den Hund nicht (nur) als Patient sehen – der bedarf keines Mitleids, weil der Hund am wenigsten von der Krankheit mitbekommt.
  • Der Anblick eines krampfenden Hundes ist nicht schön. Man bekommt im Laufe der Zeit allerdings so etwas wie Routine (leider). Man sollte versuchen Ruhe zu bewahren und dem Hund Raum zu lassen (schaffen).
  • Der Austausch mit anderen Menschen (Betroffenen) ist wichtig.

Weiterführende Literatur:

http://www.epilepsie-beim-hund.de/

Mein Tagebuch in einem Hundeforum:

http://www.polar-chat.de/topic_83792.html

 

 

 

3 Kommentare

  • ein sehr interessanter und informativer Bericht !
    Bei einem meiner Hunde diagnostizierte ein Tierarzt im Welpenalter (10 Wochen) nach Krampfanfällen Epilepsie und gab der Hündin nur eine kurze Lebensdauer. Ich ging dann zu einem anderen Tierarzt und der erklärte mir, dass Epilepsie frühestens im Alter von 6 Monaten feststellbar sei. Er machte eine Blutuntersuchung (was der 1. Tierarzt nicht gemacht hatte !), die normale Ergebnisse brachte.
    Er stellte die Krampfanfälle in Zusammenhang mit der Entwurmung und sie hörten auch wirklich nach kurzer Zeit auf.

  • Wir hatten einen Labrador, der heftige Epilepsie-Anfälle hatte, aus denen er ohne sehr starke Sedierung (eigentlich Narkotisierung) von alleine nicht mehr heraus kam. Etwa alle 2 – Monate kamen seine Anfälle. Natürlich nicht in regelmässigen Abständen.
    Wie empfanden dadurch wenig Einschränkung, der Hund hatte ein fröhliches Wesen und hat uns viel Freude bereitet. Wir hatten halt immer und überall die Medikamente dabei. Die tierärztliche Diagnose, dass der Hund mit so starken Anfällen nicht lange leben würde, stellte sich als komplett falsch heraus. Er lebte 14 Jahre

  • danke für das aufschlussreiche und informative interview! ich wusste nicht, dass hunde auch an epilepsie leiden können! bestimmt schrecklich, so einen anfall anzusehen!

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