Der Hund als Seelenspiegel – Interview mit Andrea Oppermann

Von Andrea Oppermann war in diesem Blog bereits zu lesen. Jeder Hundehalter bekommt den Hund, den er braucht, der für ihn in dieser Lebensphase wichtig ist. Der Hund als Heiler, als Seelenspiegel – der Freund auf vier Pfoten macht häufig auf seelische und bisher noch nicht verarbeitete Probleme aufmerksam.

Diesmal beschrieb ich Frau Oppermann verschiedene Mensch-Hund-Teams und ihre Antworten lassen einen anderen, vielleicht für manchen Hundehalter neuen Blick auf den Hund zu.

 

Herr B. hat sich im Tierheim Molly ausgesucht. Es war, wie Herr B. sagt, Liebe auf den ersten Blick. Doch Molly scheint Herrn B. zu ignorieren. Beim Spaziergang ist er Luft für sie und Zuhause sucht sie sich eher einen Platz, weit weg von ihrem Herrchen. Hat Herr B. doch den falschen Hund ausgewählt? 

Andrea Oppermann:

Höchstwahrscheinlich nicht!!! Mit dem Verhalten von Molly wird Herr B. in eine Notsituation geführt. In der Regel haben diese Mensch-Hund-Paare mit folgender Thematik zu tun:

  • Herr B. fühlt sich von seiner Hündin Molly ungesehen und vor allem ungeliebt, es gibt keine größere Strafe in unserem Leben, als dass man sich bei allen Bemühungen unsererseits ungeliebt und abgelehnt fühlt.
  • Herr B. findet das ok, nur seine Umwelt empfindet es als bizarr (was es ja auch ist)
  • Hündin Molly versucht woanders Anschluss zu finden und verhält sich dort ganz anders. Dies bringt die Situation in der Regel zum Eskalieren.
  • Herr B. versucht ALLES, um von seiner Hündin geliebt zu werden.
  • Herr B. hat sich eine stark traumatisierte Hündin aus dem Tierheim geholt, die erstmal nicht in der Lage ist, Beziehung einzugehen und er selbst auch nicht.
  • Herr B. wird an seine Mutter, an seine Ex-ehefrau und andere Frauen erinnert, in der er sich verliebt hat, aber bei diesen Frauen keine Erwiderung gefunden hat.

Jetzt würde es darum gehen, dass Herr B. sich selbst und sein Beziehungsmuster reflektiert, sodass Herr B. andere Lösungen findet, als über den alleinigen Versuch die Hündin Molly zu verändern, um darüber zu einer allumfassenden Heilung zukommen.

Erst wenn Herr B. seinen unerfüllten und schmerzhaften Liebeswunsch für sich SELBST klärt, wird sich das Verhalten des Hundes ändern können. Auf einer bestimmten seelischen Ebene schickt ansonsten Herr B. die Hündin immer wieder (unbewusst) fort, um den eigenen inneren Schmerz vermeiden zuwollen.

Frau M. und ihr Rüde Rey scheinen auf den ersten Blick ein tolles Team zu sein. Rey läuft ohne Leine neben seinem Frauchen, schaut nicht nach links oder rechts und rennt nie voraus. Wo Frau M. ist, da findet man auch Rey. Frau M. ist sehr stolz auf ihren wohlerzogenen Hund. Das einzige Problem ist: Rey ist ständig krank. In der Hinsicht scheint er ein Pechvogel zu sein – oder steckt mehr dahinter?

Andrea Oppermann:

Ganz so einfach ist das hier nicht, denn es kann auf alles und nichts deuten und es kann ganz einfach sein oder für alle sehr tief und weitreichend gehen.

Wenn ich mir dieses „Traumteam“ anschaue und das Geschilderte höre, muss ich auf unterschiedlichen Ebenen schauen. Das heißt, es müssen a) viele Fragen gestellt werden und b) muss ich meinem Instinkt folgen und den Bildern, die sich aus dem noch Unsichtbaren ergeben folgen können.

Es erinnert mich an eine Lebensgeschichte von Mensch und Tier, in welcher sich zeigte, dass der zwanghafte Putzwahn der Menschin zur dauerhaften Erkrankung des Hundes führte – und das nicht in erster Linie auf der seelischen Ebene. Sie benutze in allen Räumen einen Duft, den man in die Steckdose tat und der so ständig in der ganzen Wohnung einen für sie angenehmen Duft verströmte, für den Hund aber eine ständige Belästigung war. Dieser versuchte verzweifelt aus der Wohnung zu kommen und erkrankte ständig mit unterschiedlichen Symptomen, die für den Tierarzt nicht nach vollziehbar waren. Ich glaube, hätten sie über Umwege nicht zu mir gefunden, hätte der Hund sich aus Verzweiflung umgebracht. In indirekter Form versuchte er es ja auch, über die Erkrankungen.

Auf der seelischen Ebene muss man natürlich schauen: Was veranlasst die Frau zu ihrem Verhalten? Warum darf es in der Wohnung nicht nach dem Hund und ihrer Familie riechen und was kommt damit wieder zum Ausdruck?

Vielleicht kann diese Frau Ihren Mann nicht riechen und übertüncht mit diesen Düften das eigentliche Problem, welches dann in der Paarbeziehung liegt.

Vielleicht ist es auch so, dass die Frau ein tiefergehendes Problem hat, welches auf einen sexuellen Missbrauch hinweist. Aber man fängt immer ganz oben in der Lebensgeschichte dieser Teams an und schaut auch danach, was sie für Erlebtes mit sich rumtragen, aus ihrer gemeinsamen Zeit.

Bei Frau M. und ihrem überarbeiteten Hund Rey würde ich folgende Überlegungen anstellen:

  • Gab es Unfälle in der Zeit als Rey schon im Haus war?
  • Für wen würde Rey sterben wollen? Wer wäre ihm soviel wert? Und wen will er davon abhalten?

Wenn solch ein Team zu mir kommt, weiß ich, dass es höchste Eisenbahn ist und man auch nicht mehr lange rumkaspern sollte, sondern es ist ernst und die Zeit drängt.

Wichtig sind dabei auch Ärztliche Diagnosen beider, sowohl für den Mensch als auch für das Tier. In diesen Lebensgeschichten muss man immer querdenken können.

 

Katrin stöberte jeden Tag im Internet und schaute sich Hunde aus dem Auslandstierschutz an. Eines Tages sah sie ein Foto einer erwachsenen Hündin, die man in Spanien auf der Straße aufgegriffen hat. Abgemagert, voller Zecken, kaum Kraft, um eigenständig zu stehen. Die Tierschützer hatten Luna, wie sie die Hündin tauften, aufgepäppelt und nun war sie gesund und munter. Katrin war fest entschlossen, Luna aufzunehmen. Sie hatte Mitleid und wollte dieser Hündin das beste Leben bereiten, damit sie all die schrecklichen Dinge vergessen konnte…
Ein Jahr später war Katrin sehr verzweifelt und überlegte, Luna abzugeben. Luna war eine Jägerin, wie sie im Buche steht. Zudem konnte kein noch so langer Spaziergang Lunas Leidenschaft zum Streunen ersetzen. Katrin war davon überzeugt, dass Luna keine Bindung zu ihr aufbauen konnte. Der Traum einer innigen Hund-Mensch-Beziehung schien geplatzt zu sein – oder doch nicht?

Andrea Oppermann:

Der Klassiker … Mitleid bedeutet „ Ich leide stellvertretend für jemand anderes und dadurch fehlt mir das Mitgefühl“. Das Mit-Gefühl brauche ich aber, um mich an erster Stelle, in MICH selbst einfühlen zu können. Erst durch das vorhandene Mit-Gefühl bin ich dazu in der Lage, jemand anderes kennenzulernen und FÜHLEN zu können. Vorausgesetzt, ich kann die Situationen richtig einschätzen und habe das nötige Wissen dazu.

Die Hündin aus Spanien kann dies uneingeschränkt und das 24 Stunden am Tag. Sie ist eine Überlebende und Ihre große Stärke ist das sofortige lesen (EINFÜHLEN)  können ihres Gegenübers. Diese absolute Direktheit des Mensch-Tier-Lesens hat ihr das eigene Leben gesichert. Ich gehe davon aus, das sie selbst ihre Lebensretter fand und den Kontakt zu diesen suchte, oder zumindest in diesem Moment zuließ.

Was soll die Hündin anderes tun, als für Ihre  Menschin zu jagen? Diese Menschin ist leider selbst in einem nicht hilfreichen Mit-Leid untergegangen. Die Hündin selbst ist jetzt gezwungen für die geistige, seelische Entwicklung und letztendlich die körperliche Nahrung zu sorgen.

Das ist die eine Ebene. Auf der anderen Ebene versucht die Hündin, Katrin in eine andere Kraft zuführen. Diese braucht Ihre Menschin, um der Hündin ein Leben in „Hülle und Fühle“ überhaupt als sinnvoll und schmackhaft näherbringen zu können.

In der Regel können die Menschen das nicht so einfach umstellen und brauchen dazu Unterstützung, um ein KRAFTVOLLES Mitgefühl an erster Stelle für sich selbst zu entwickeln. Erst danach kann man schauen ob die Hündin a.) dann immer noch jagt, oder b.) sich das somit von selbst erledigt hat.

An dieser Stelle wünsche ich mir immer für diese Teams hilfreiche, wissende Menschen (Trainer, Therapeuten, Tierärzte u.s.w) an der Seite, die sich selbst allumfassend einschätzen können. Ansonsten werden diese Hunde unter Umständen die sogenannten „Wanderpokale“ und der Mensch bleibt immer auf der Suche nach dem „richtigen Hund“.

Noch eine Frage zum Schluss zum Thema Vertrauen: Was bedeutet es für Sie, als Mensch zum Hund Vertrauen zu haben? Und: Kann ich als Mensch überhaupt zu hundert Prozent meinem Hund vertrauen? Bindung, Beziehung, Team – das funktioniert unter Menschen nur dann gut, wenn gegenseitiges Vertrauen da ist. Trifft dies auch auf ein Mensch-Hund-Team zu?

Das ist eine sehr interessante Frage, aber auch zugleich eine sehr persönliche. Ich überlege, wie ich darauf am aufmerksamsten antworten kann.

Ja ich vertraue meinen Hunden zu 100 Prozent und zwar in dem, dass sie mich immer zu dem Un-Erlösten und dem Bevorstehenden in mir führen. Immer zu dem, welches ich in mir selbst oder um mich herum nicht wahrnehmen kann. Sie lassen mich wachsen, auf eine Art und Weise die mich lehrt, schützt und oft gnadenlos vorantreibt.

Dies ist allerdings mein gewählter Lebensweg mit meinen Tieren und sie bringen mich in unserer aller gemeinsamen Welt.

Dies ist unabhängig davon, ob es sich dabei um „meine“ Hunde, Katzen, Schweine oder meinen Ehemann handelt, mit denen ich meine Lebenszeit teile.

Ich glaube, dass gerade diese jetzige Zeit, in der wir leben, die Menschen empfänglicher gemacht hat, auch für Ihre eigenen Bedürfnisse und ich kenne in dieser Zeit keine besseren Begleiter, als die Hunde an ihrer Seite . Darauf sollten sich die Menschen viel mehr einlassen und lernen, ihre Lebensgefährten anders lesen zu können. Damit meine ich keine Tierkommunikation oder ähnliches, sondern das Sein im Jetzt, so wie es ist und daraus resultiert der nächste Lebensschritt.

Ansonsten nutzt das beste Hundetraining nichts, wenn man nicht versteht, was der Hund mit „seiner“ scheinbaren Symptomatik, vom Menschen selbst und dessen Energiefeld, zum Ausdruck bringen will. Für mich gibt es kein Hunde-Training im herkömmlichen Sinne, sondern immer nur einen direkten Kontakt zur eigenen Seele und zu der Seele des Hundes und dann bedarf es keines Trainings mehr.

Das ist dann für mich das gelebte Leben im Einklang mit den Naturgesetzten und in dieser sind die Tiere die besten Begleiter und Ausbilder für uns Menschen – Das ist einfach so!

 

Ich wünsche Ihren Menschen, für die dieser Artikel sein soll, dass er sie erreicht und sich andere Lösungen auftun, vor allem für die Menschen und Ihre Begleiter, die bislang unverstanden und hilflos geblieben sind. Allen anderen wünsche ich Genuss und Muße in der Welt Ihres Heilers.

Andrea Oppermann

Andrea & Matthias Oppermann
Fortbildung & Beratung
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